Sport-WM 2026: Zwölf Gruppen, 48 Geschichten

Ein Überblick über das Teilnehmerfeld zeigt, welche Favoriten, Außenseiter und Stars um den Pokal mitspielen, welche Teams überraschen wollen und wo schon in der Vorrunde besondere Duelle warten.

11. Juni 2026
Sport-WM 2026: Zwölf Gruppen, 48 Geschichten

Torjäger mit großen Zielen: Erling Haaland ist Norwegens gefährlichste Waffe. Bei der WM trifft der Stürmerstar in der Gruppenphase unter anderem auf Frankreich. Foto: Foto: Nderim Kaceli/dpa

Von Titelverteidiger Argentinien bis zum WM-Neuling Curaçao: In zwölf Gruppen prallen große Namen, ambitionierte Außenseiter und echte Fußball-Abenteuer aufeinander. Unser Überblick zeigt, wer um den Pokal mitspielen kann, welche Teams überraschen wollen – und wo schon in der Vorrunde besondere Duelle warten. 

Gruppe A: Mexiko, Südafrika, Südkorea, Tschechien

Sehr ausgeglichen wirkt die Gruppe A, in der Mexiko einen Vorteil dadurch hat, dass man seine Vorrundenspiele im eigenen Land austrägt. 1970 und 1986 war man bereits Ausrichter der WM, wobei 1986 kurzfristig zustande kam, nachdem das Turnier ursprünglich an Kolumbien vergeben war. Aufgrund politischer Instabilität und der Aufstockung des Teilnehmerfeldes von 16 auf 24 Mannschaften sah sich Kolumbien aber nicht mehr imstande, die Anforderungen zu erfüllen, so dass neu entschieden wurde. Seit jenem Turnier, als man das Viertelfinale erreichte, kam man sieben Mal in Folge (1994 – 2018) nie weiter als ins Achtelfinale.

Für Südafrika ist es die vierte WM-Teilnahme seit 1998, letztmalig war man 2010 dabei. Die Vorrunde überstand man dabei nie. Die aktuelle Gruppenphase beendete man jedoch als Erster – vor Nigeria. Im Aufgebot steht auch Verteidiger Ime Okon, in der abgelaufenen Saison für Zweitligist Hannover 96 am Ball. 

Südkorea fliegt meistens unter dem Radar, verpasste aber seit 1986 keine WM bei lediglich zwei Achtelfinalteilnahmen. Min-Jae Kim (Bayern München) und Jae-Sung Lee (Mainz 05) kennt man aus der Bundesliga, ebenso den Mönchengladbacher Jens Castrop, dessen Mutter Südkoreanerin ist.

Mit den Hoffenheimern Vladimir Coufal und Robin Hranac sowie dem Leverkusener Patrick Schick sind drei Bundesliga-Akteure Anwärter auf einen Kader-Platz der Tschechen, während Trainer Ivan Hasek auf 56 Länderspiele für die ehemalige Tschechoslowakei zurückblickt und im WM-Viertelfinale 1990 gegen Deutschland Kapitän seiner Auswahl war. 

Gruppe B: Bosnien-Herzegowina, Kanada, Katar, Schweiz

Der Jubel war riesig am 31. März in Zenica, als sich Bosnien-Herzegowina im Elfmeterschießen gegen Italien durchsetzte und zum zweiten Mal das WM-Ticket sicherte. Dabei avancierte Torwart Nikola Vasilj vom FC St. Pauli zum Helden. Trainer Sergej Barbarez kennt man von Stationen als Stürmer bei Union Berlin, Rostock, Dortmund, Hamburg und Leverkusen. Selbst noch in hohem Alter torgefährlich, setzt er im Sturm auf Erfahrung. Edin Dzeko (40) ist mit 148 Spielen längst Rekordnationalspieler, auch die Torgefahr von Ermedin Demirovic (Stuttgart) und Haris Tabakovic (Gladbach) ist weithin bekannt. 

Auch Kanada setzt auf den Heimvorteil – jedenfalls in der Gruppenphase. Bayern-Profi Alphonso Davies zählt ohne Frage zu den bekanntesten Akteuren seiner Nation. Kuriosum: Alle bislang sechs WM-Spiele (1986, 2022) wurden verloren. Selbiges gilt für Katar, den Gastgeber des Turniers 2022. Da angesichts des Teilnehmerfeldes von 48 Teams auch acht der zwölf Tabellen-Dritten das Sechzehntelfinale erreichen, könnte ein Sieg im direkten Duell dieser beiden schon ausreichen.

Die Entwicklung der Schweizer Nationalmannschaft ist stark verbunden mit verstärkter Einbürgerung der vergangenen Jahre, wofür Kapitän Granit Xhaka, im Sommer 2025 von Leverkusen in die Premier League nach Sunderland gewechselt, bestes Beispiel ist. Bei bislang 12 WM-Teilnahmen erreichte man drei Mal das Viertelfinale, letztmalig beim Turnier daheim 1954. Mehrere Akteure verdienen ihr Geld in der Bundesliga, darunter Torwart Gregor Kobel (Dortmund) und Verteidiger Silvan Widmer (Mainz). Trainer Murat Yakin kennt man derweil noch als Spieler u.a. für Stuttgart und Kaiserslautern. 

Gruppe C: Brasilien, Haiti, Marokko, Schottland

Krasser könnten Alltag und WM kaum auseinander liegen als für Josué Duverger. Der Torwart von Oberligist Cosmos Koblenz verpasste aufgrund der Qualifikationsspiele Haitis das ein oder andere Saisonspiel und sieht sich bald schon den Angreifern Brasiliens gegenüber. Womöglich auch Neymar, der letztmalig im Oktober 2023 für Brasilien auflief, doch Trainer Carlo Ancelotti hat ihn auf der Liste. Während Brasilien seit dem Triumph von 2002 vom sechsten Titel träumt, ist Haiti seit dem „ersten Mal“ 1974 zum zweiten Mal dabei, aber aufgrund der Einwohnerzahl von rund 12 Millionen einer der krassen Außenseiter.

Für Marokko ist 2026 die siebte Weltmeisterschaft – 1970 war man erstmals dabei, 2022 wurde man überraschend Dritter, bezwang in der Gruppenphase Belgien sowie später Spanien und Portugal, ehe gegen Frankreich der Traum endete. Mit dem Stuttgarter Bilal El Khannouss und dem Frankfurter Ayoube Amaimouni sind zwei auf der Bundesliga bekannte Namen dabei.

In Schottland hätte sich beinahe eine Sensation ergeben dergestalt, dass der Meister weder Rangers noch Celtic hieß, erst am letzten Spieltag überholte Celtic die Hearts of Midlothian aus Edinburgh. Die meisten Akteure verdienen ihre Brötchen in der Premier League. Derweil hat der Witz, wonach die Postkarten der Fans länger brauchen als die Fans selbst für ihren Heimweg, leider Tradition. 2026 ist der neunte Anlauf der Schotten, die zuvor 1998 in Frankreich letztmals dabei waren, und noch nie die Vorrunde überstanden. Die Band Del Amitri lieferte zum Turnier 1998 den Song „Don’t come home to soon“ – es half aber nichts. 

Gruppe D: Australien, Paraguay, Türkei, USA

In den USA hat der Frauenfußball den der Männer deutlich überholt, American Football, Baseball und Basketball sind die wesentlich beliebteren Sportarten. Gegenüber 1994, als man bereits WMGastgeber war, hat sich dennoch vieles getan – sei es in Sachen Sportstätten, vor allem aber in Sachen Anzahl der aktiven Sportler. Von 2011 bis 2016 hatte Jürgen Klinsmann als Trainer der USA-Auswahl seinen Anteil an der Entwicklung, seit 2024 ist der Argentinier Mauricio Pochettino für die Auswahl verantwortlich und hat mit Giovanni Reyna, Joe Scally (beide Gladbach), Malik Tillman (Leverkusen) sowie Weston McKennie (Ex-Schalke) und Christian Pulisic (Ex-Dortmunder) mehrere aktuelle oder ehemalige Bundesliga-Spieler in seinen Reihen. 

Seine siebte WM bestreitet Australien, doch auch dort ist Fußball längst nicht Sportart Nummer 1. Vom FC St. Pauli werden Jackson Irvine und Connor Metcalfe alles dransetzen, dass das Achtelfinale, das man 2006 und 2022 erreichte, vielleicht diesmal übertroffen wird.

Dagegen hat Paraguay etwas einzuwenden, für die Südamerikaner ist es die neunte WM: 2002 scheiterte man im Achtelfinale an Deutschland, 2010 im Viertelfinale an Spanien. Der Ex-Bayer Roque Santa Cruz, einst von den Sportfreunden Stiller besungen, ist zwar trotz 44 Jahren noch aktiv, aber seit 2016 nicht mehr international dabei. 

Erst zum dritten Mal ist die Türkei qualifiziert, aus dem Aufgebot sind Hakan Calhanoglu (Ex-Karlsruhe), Ozan Kabak (Schalke), Atakan Karazor (Stuttgart), Salih Özcan (Dortmund) und Caglar Söyüncü (Ex-Freiburg) bekannte Namen bzw. Gesichter. 

Gruppe E: Curaçao, Deutschland, Ecuador, Elfenbeinküste

Curaçao – ist das nicht dieses blaue, hochprozentige Getränk? Ja, auch. Die Niederländer Dick Advocaat und Fred Rutten führten die Karibik-Insel zur WM, wobei Jamaica auf der Strecke blieb. Advocaat kehrte im Mai 2026 auf den Posten des Nationaltrainers zurück. Kolonialvergangenheit prägt den gerade mal rund 150.000 Einwohner starken und Autonomie genießenden Teils der Niederlande – noch nie hatte sich eine Nation mit geringerer Bevölkerungszahl qualifiziert. Curacao ist in etwa vergleichbar mit einer Stadtauswahl von Regensburg oder Ingolstadt. 

Für Ecuador, 2006 Gruppengegner der Deutschen, ist es die fünfte WM-Teilnahme, dabei sticht neben Piero Hincapié, Ex-Leverkusener und nun in Diensten von Arsenal London, noch der Stuttgarter Jeremy Arevalo ins Auge, der aber seine Treffsicherheit 25/26 vor allem in Liga 3 unter Beweis stellte.

Keinesfalls zu unterschätzen ist die Elfenbeinküste, die zum fünften Mal zu einer WM fährt mit dem Leipziger Yan Diomande und dem Hoffenheimer Bazoumana Touré. Von den 26 vorgesehenen Kaderspielern kicken 25 in Europa, einer in Saudi-Arabien, keiner in der Heimat.

Mit Blick auf die Positionen in der Fußball-Weltrangliste wäre ein Gruppen-Aus der Deutschen (10.) angesichts der Positionen der Gegner (Ecuador: 23, Elfenbeinküste: 34, Curaçao: 82) fraglos eine Blamage. Und wenngleich man bekanntlich sagt, dass Diamanten nur unter großem Druck entstehen, so sei einerseits in Frage gestellt, inwiefern die drei Gruppengegner entsprechenden Druck auszuüben in der Lage sein werden. Zugleich aber sind Rückschläge jederzeit einzukalkulieren, was aber auch die Chance bietet, zu einer Turniermannschaft zu avancieren, die sich steigert. 

Gruppe F: Japan, Niederlande, Schweden, Tunesien

Nicht nur mit Blick auf die Weltrangliste (Stand: 01.04.2026) dürfte auch diese Gruppe eine ganz enge Angelegenheit werden. Für Japan ist es das achte Turnier, drei Mal erreichte mandas Achtelfinale. Sechs Bundesliga-Akteure stehen im vorläufigen Kader, darunter Kaishu Sano, defensiver Mittelfeldspieler von Mainz 05. Ritsu Doan von Eintracht Frankfurt und Hiroki Ito von Bayern München, wobei nur drei Spieler, davon zwei Torhüter, (noch) in der Heimat aktiv sind.

Tunesien überstand die Qualifikation ungeschlagen mit 9 Siegen in 10 Spielen. Neben dem Frankfurt Ellyes Skhiri ist Union Berlins Rani Khedira einer der bekanntesten Akteure, zumal sein Bruder Sami 2014 mit Deutschland den Titel holte. Trainiert wird Tunesien von Sabri Lamouchi, als Aktiver in Frankreich v.a. für AJ Auxerre, in Italien für Parma und Inter Mailand im Einsatz. 

Den Schweden verhalfen nach einer sieglosen (!) Qualifikation die Ergebnisse der Nations League noch zum Ticket für die WM, wo man, nachdem man 1958 im Finale gegen Brasilien stand, 1994 mit Spielern wie Martin Dahlin und Tomas Brolin Dritter wurde. Dass 2025 mit Mjällby AIF ein Dorfverein schwedischer Meister wurde, passt damit zusammen, dass im vorläufigen WM-Kader nur drei Spieler noch im eigenen Land spielen.

Die Ex-Bundesliga-Spieler Ryan Gravenberch, Donyell Malen, Micky van de Veen und Wout Weghorst, dazu Leverkusens Keeper Mark Flekken – den Niederländern ist einiges zuzutrauen, während Bondscoach Ronald Koeman den Älteren vor allem durch eine unschöne Aktion von 1988 im Hinterkopf ist, nachdem er nach dem EM-Halbfinale in Hamburg mit Olaf Thon das Trikot tauschte. Man mag es als Jugendsünde abhaken, auf die er selbst bestimmt nicht stolz ist. 

Gruppe G: Ägypten, Belgien, Iran, Neuseeland

Während Italien als Weltranglisten-Zwölfter die WM verpasste, ist Neuseeland als 85. und niedrigst platzierte Mannschaft dabei – zum dritten Mal nach 1982 (mit dem späteren Bremer Wynton Rufer) und 2010. Dabei blieb der Haka-Tanz eher in Erinnerung als was in den jeweils 90 Minuten auf dem Rasen ablief.

Zum vierten Mal ist Ägypten dabei, wobei das Achtelfinale von 1934 nach heutigen Maßstäben kaum bewertbar ist und man bei den zweit weiteren Auftritten (1990, 2018) die Vorrunde nicht überstand. Eine Bewerbung zur Austragung des Turniers 2034 gemeinsam mit Nachbarländern war lange im Gespräch, ist inzwischen aber vom Tisch. Jedoch erwägt man im Zuge des Baus einer neuen Hauptstadt eine Olympia-Bewerbung für 2036 oder 2040, was als utopisch anzusehen sein dürfte. 

Spiele des Irans in den USA sind allein aus politischer Sicht mit Besorgnis zu betrachten. Wenngleich Politik und Sport getrennt werden sollten, so ist seit dem Streit über die Straße von Hormuz das Verhältnis zwischen dem Iran und den USA, wo alle drei Gruppenspiele zu bestreiten wären, als brisant zu bezeichnen. Daher wurde seitens des Irans bereits erwogen, Quartier in Mexico zu beziehen.

Bliebe noch Belgien, wo die „goldene Generation“ um Spieler wie Thibaut Courtois, Axel Witsel, Kevin de Bruyne und Romelu Lukaku, die sich bereits in den mittleren Dreißigern befinden, die wohl letzte Gelegenheit hat, international etwas zu holen. Einziger Bundesliga-Legionär ist dabei Frankfurts Verteidiger Arthur Theate, dessen zurückliegende Saison aber sang- und klanglos zu Ende ging.  

Gruppe H: Kapverdische Inseln, Saudi-Arabien, Spanien, Uruguay

Jede große Nation hat Generationen, in denen es nicht so gut lief. So verpasste Spanien die Turniere 1970 und 1974, 2014 scheiterte man in der Vorrunde. Als amtierender Europameister zählt man natürlich zu den großen Favoriten. Besonderheit dabei: Im vorläufigen 26 Mann starken Kader steht kein einziger Akteur von Real Madrid, dafür acht Spieler vom FC Barcelona und aus der Bundesliga Leverkusens Linksverteidiger Alejandro Grimaldo.

Über Gruppengegner Uruguay weiß man seit je her wenig, und wenn es Erfolge gab – 2010 wurde man Vierter –, so blieb ein Skandal wie der Biss von Stürmer Luis Suarez in die Schulter des Italieners Giorgio Chiellini 2014 eher in Erinnerung. Und dass Guillermo Varela für Eintracht Frankfurt spielte, liegt lange zurück. 2016/17, um genau zu sein. 

Saudi-Arabien derweil ist seit 1994 zum siebten Mal qualifiziert. Ein Achtelfinale 1994, fünf Mal das Vorrunden-Aus – aber Geld hat man mehr als genug, um seit 2023 einem Cristiano Ronaldo den Ausklang seiner Karriere so angenehm wie möglich zu gestalten. Etwa indem er und seine Partnerin, obwohl unverheiratet, zusammenleben dürfen.

Blieben noch die Kapverdischen Inseln, die in der Qualifikation Kamerun hinter sich ließen, aber dennoch als einer der größten Außenseiter gelten. Auf der ehemaligen portugiesischen Kolonie, westlich vom Senegal im Atlantik gelegen, ist Fußball hoch angesiedelt. Die nationale Meisterschaft wird in einem Wettbewerb der jeweiligen Meister der neun bewohnten Inseln des rund 450.000 Einwohner zählenden Staates ermittelt, wobei die zwei größten Inseln in Nord- und Südgruppe eingeteilt sind. Aus dem vorläufigen WM-Kader aber kickt keiner auf einer dieser Inseln. 

Gruppe I: Frankreich, Irak, Norwegen, Senegal

Zwei potenzielle Torschützenkönige treffen in der Gruppenphase aufeinander. Dabei ist Frankreichs Kylian Mbappé mit bislang 12 WM-Toren dem Rekordhalter Miroslav Klose mächtig auf die Pelle gerückt. Die „grande nation“, die 2018 den Titel holte und 2022 im Endspiel erst im Elfmeterschießen an Argentinien scheiterte, war aber nicht immer Weltspitze: Die Turniere 1990 und 1994 verpasste man. Trainer Didier Deschamps ist seit 2012 im Amt und eine von nur drei Persönlichkeiten, die als Spieler UND Trainer Weltmeister wurden. Die beiden anderen: Brasiliens Mario Zagallo – und (natürlich!) „Kaiser“ Franz Beckenbauer.

Sollte es für den Norweger Erling Haaland nicht zum WM-Torschützenkönig reichen, dann deshalb, da seine Auswahl sicher nicht so stark einzuschätzen ist wie Frankreich. Erst zum vierten Mal sind die „Nordlichter“ bei einer WM dabei, wobei 1998 in Frankreich sogar ein Sieg in der Gruppenphase über Brasilien gelang. Trainer Stale Solbakken probierte es übrigens auch mal in Deutschland, war aber 2011/12 beim 1. FC Köln wenig erfolgreich. Mit Antonio Nusa (Leipzig), Julian Ryerson (Dortmund), Sander Tangvik (HSV) und Alexander Sörloth (Ex-Leipzig) kennt man mehrere Akteure aus der Bundesliga. 

Der Senegal um Star-Stürmer Sadio Mané, den Ex-Mainzer Moussa Niakhaté und Nicolas Jackson, 25/26 von Chelsea an Bayern München ausgeliehen, taugt allemal als potenzielle Überraschungsmannschaft, während der Irak 40 Jahre nach der ersten Teilnahme nur positiv überraschen kann. Im letzten interkontinentalen Qualifikationsspiel setzte man sich immerhin gegen Bolivien durch. 

Gruppe J: Algerien, Argentinien, Jordanien, Österreich

Titelverteidiger Argentinien, Sieger der Turniere von 1978, 1986 und 2022, zählt immer zu den Favoriten. Dabei hat Nationaltrainer Lionel Scaloni auch den Leverkusener Exequiel Palacios auf seiner Liste. Für Lionel Messi, demnächst 39 Jahre alt, wäre es die sechste WM, an der er teilnimmt. Mittlerweile in den USA bei Inter Miami aktiv, steht er vor der Schallmauer der 200 Länderspiele.

Als Gruppensieger vor Bosnien-Herzegowina und Rumänien sicherte sich Österreich das Ticket. Mit mittlerweile 37 Jahren hat der Ex-Bremer Marko Arnautovic mittlerweile Toni Polster als besten Länderspieltorschützen abgelöst. Die Kader-Übersicht liest sich derweil wie eine Bundesliga-Auswahl, aus der neben den Mainzern Philipp Mwene und Stefan Posch vor allem Marcel Sabitzer (Dortmund) und Konrad Laimer (Bayern) herausragen. Seit Frankreich 1998 verpasste man sechs Turniere, der größte Erfolg datiert von 1954, als man Dritter wurde. Über die WM-Spiele Deutschlands gegen Österreich von 1978 und 1982 sei der Mantel des Schweigens ausgebreitet. 

Algerien – da war doch mal was – nicht nur als geschädigte Mannschaft 1982 in Folge des Nichtangriffspakts von Gijon. „Glauben Sie, unter den letzten 16 ist irgendwie ‘ne Karnevalstruppe oder was?“ Das Interview mit Per Mertesacker nach dem deutschen Achtelfinale von 2014 bleibt unvergessen – eine ähnliche Rolle erhoffen sich die Nordafrikaner erneut.

Absoluter Neuling ist Jordanien, das 1986 erstmals überhaupt an einer Qualifikation teilnahm. Die Spieler? Unbeschriebene Blätter, von denen nicht einmal eine Handvoll in Europa spielt und wenn, dann nicht in Top-Ligen oder bei Top-Teams. Was nicht heißen soll, dass es sich um keine funktionierende Mannschaft handelt. 

Gruppe K: Kolumbien, DR Kongo, Portugal, Usbekistan

Länder gibt es, über die man hierzulande wenig bis nichts weiß. Usbekistan gehört sicherlich dazu. Einst Teil der Sowjetunion, wurde man einst bekannt dafür, dass man die Zuflüsse des Aralsees, Amudarya und Syrdarya umleitete, um Baumwollanbau in der Wüste zu betreiben. Wenngleich dies zur Zeit Stalins begann, muss das heutige Usbekistan mit der ökologischen Katastrophe in Form des nahezu fast ausgetrockneten einst mächtigen Binnengewässers leben. Dass 2025 ein Fabio Cannavaro, Kapitän der italienischen Weltmeisterelf von 2006, dort anheuerte und das Team zur ersten WM-Teilnahme überhaupt führte, wirkt ebenso abenteuerlich wie der Umstand, dass die Spielstätte in der Hauptstadt Taschkent „Olympiastadion“ heißt, obwohl dort solche Spiele nie stattfanden.

Kolumbien derweil ist zum siebten Mal dabei und setzte bislang eher in Sachen Frisuren – René Huguita, Carlos Valderrama – Maßstäbe. 2014 avancierte James Rodrigues zum Shooting-Star, wurde aber bei Bayern München nicht glücklich. Da scheint es Luis Diaz besser zu ergehen, der 2025 von Liverpool nach München wechselte.

Beim „ersten Mal“ 1974 trat man noch als Zaire an, als Demokratische Republik Kongo nimmt man nun teil. Die meisten Spieler sind in Frankreich, Belgien oder Spanien am Ball. Dass man in der Qualifikation Kamerun und Nigeria bezwang, sei Grund genug, die Afrikaner nicht zu unterschätzen.

Schließlich Portugal, wo sich seit mehr als 20 Jahren gefühlt alles um Cristiano Ronaldo dreht, wodurch der Fokus entsprechend seltener auf seinen Teamkameraden liegt – auch ein denkbarer Erfolgsfaktor, da in der Ruhe bekanntermaßen die Kraft liegt. 

Gruppe L: England, Ghana, Kroatien, Panama

1996 erklang erstmals der Song „Three lions (Football’s coming home)“, komponiert von Ian Broudie, dem Mastermind der Lightning Seeds. Und ja, immer ganz nah dran zu sein, kann zermürben, wie es im Text heißt. Der letzte und einzige Titelgewinn datiert immerhin von 1966 – als England dem Rest der Welt James Bond, die Beatles und „Mit Schirm, Charme und Melone“ bescherte. Die Qualifikation unter Trainer Thomas Tuchel verlief perfekt: 8 Spiele, 8 Siege und kein einziges Gegentor – wenngleich Kapitän Harry Kane, Jude Bellingham & Co. dabei kaum groß gefordert wurden. Was diesmal geht, bleibt abzuwarten. Die jüngste Vergangenheit aber hat gezeigt, dass man mittlerweile auch Elfmeterschießen für sich zu entscheiden in der Lage ist!

2018 Finalist, 2022 Dritter – Kroatien wusste zuletzt zu überraschen und zu überzeugen. Davon auszugehen ist, dass 2026 sowohl für Kapitän Luka Modric (40) als auch für die aus der Bundesliga bekannten Andrej Kramaric (35) und Ivan Perisic (37) das letzte internationale Turnier sein wird, während HSV-Verteidiger Luka Vuskovic sicherlich die Zukunft gehört. 

Auf eigenem Kontinent erreichte Ghana, für das es die fünfte WM-Teilnahme ist, 2010 das Viertelfinale. Ende März 2026 trennte man sich von Trainer Otto Addo, als Aktiver u.a. für Hannover, Dortmund und Mainz am Ball, unter dem man alle Qualifikationsspiele absolvierte; ihn beerbte der Portugiese Carlos Queiroz.

Panama ist nach 2018 zum zweiten Mal erst qualifiziert. Doch ist der Trainer bestes Beispiel dafür, wie man vermeintlich Größeren ein Schnippchen schlägt. Seit 2020 ist Thomas Christiansen, Däne und Halb-Spanier, für Panamas Nationalelf verantwortlich. Dass er 2002 Bundesliga-Torschützenkönig wurde – vor Kalibern wie Ailton, Kuranyi und Pizarro – und das im Trikot des VfL Bochum, zeigt, was im Fußball alles möglich sein kann.


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