Zuwanderung gewinnt für den Arbeitsmarkt an Bedeutung

Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit spielen im Rhein-Hunsrück-Kreis eine wachsende Rolle für Beschäftigung und Nachwuchssicherung

19. Oktober 2026
Zuwanderung gewinnt für den Arbeitsmarkt an Bedeutung

Großer Andrang bei der Jobmesse für Zugewanderte: Zahlreiche Besucherinnen und Besucher informierten sich über berufliche Chancen und Unterstützungsangebote im Rhein-Hunsrück-Kreis. Foto: Marie Kremski

Der Rhein-Hunsrück-Kreis steht vor einer demografischen Verschiebung: Viele Beschäftigte nähern sich dem Rentenalter, während Betriebe weiter Fachkräfte und Auszubildende suchen. Zugleich wächst die Bedeutung von Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit für Bevölkerung und Arbeitsmarkt. 

Ende 2025 lebten nach vorläufigen Angaben des Statistischen Landesamtes 106.657 Menschen im Kreis. 12.108 von ihnen hatten eine ausländische Staatsangehörigkeit, das entspricht 11,4 Prozent. Ein Jahr zuvor waren es 12.000 von 106.598 Einwohnern. Welche Rolle Zuwanderung für die Bevölkerungsentwicklung spielt, zeigt besonders das Jahr 2024. Damals starben im Rhein-Hunsrück-Kreis 570 Menschen mehr, als geboren wurden. Zugleich verzeichnete der Kreis 7141 Zuzüge und 6232 Fortzüge. Unter dem Strich blieb ein Wanderungsgewinn von 909 Personen. Davon entfielen 675 auf Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit. Ohne die Wanderungsgewinne wäre der natürliche Bevölkerungsrückgang nicht ausgeglichen worden. Für die Wirtschaft ist das relevant, weil Zuwanderung zusätzliches Arbeitskräftepotenzial schafft. Sie kann den demografischen Wandel nicht aufhalten, aber einen Teil der entstehenden Lücken abfedern. 

Das zeigt sich auch in der Beschäftigung. Mitte 2024 waren nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit rund 5778 Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit, die im Rhein-Hunsrück-Kreis wohnten, sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Die Beschäftigungsquote lag bei 64,2 Prozent. Für Deutsche wurden 64,4 Prozent ausgewiesen. Die Werte liegen rechnerisch dicht beieinander, sind aber nur eingeschränkt direkt vergleichbar, weil für die Bevölkerungszahlen unterschiedliche statistische Bezugsquellen verwendet werden. 

Zudem unterscheidet die Beschäftigungsstatistik nach Staatsangehörigkeit und nicht danach, ob ein Mensch zugewandert ist. Eingebürgerte Personen werden als Deutsche gezählt. Selbstständige und Beamte sind in der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsquote ebenfalls nicht enthalten. Die Zahlen zeigen dennoch, dass Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit einen festen Teil des regionalen Arbeitsmarktes bilden. 

Der Einstieg in Beschäftigung gelingt nicht automatisch. Ausländische Abschlüsse müssen teilweise anerkannt, Sprachkenntnisse verbessert und berufliche Kenntnisse an Anforderungen in Deutschland angepasst werden. Bei reglementierten Berufen ist die Anerkennung häufig Voraussetzung für den Berufseinstieg. In anderen Bereichen können Ausbildung, Nachqualifizierung oder begleitender Spracherwerb den Weg in eine dauerhafte Beschäftigung erleichtern. Unterstützung bieten im Kreis unter anderem Jobcenter, Arbeitsagentur, der Regionalrat Wirtschaft als Wirtschaftsförderungseinrichtung sowie weitere Einrichtungen. Wie groß das Interesse an direkter Vermittlung ist, zeigte die Jobmesse für Zugewanderte. Mehr als 800 Menschen besuchten die Premiere 2025. Verschiedene Unternehmen konnten anschließend offene Stellen besetzen. Zur zweiten Ausgabe im März 2026 waren über 50 Betriebe und elf Einrichtungen aus dem Migrationsbereich vertreten, es kamen rund 650 Besucherinnen und Besucher. Organisiert wird die Veranstaltung federführend vom Regionalrat Wirtschaft im Rahmen der Kampagne GELOBTES LAND. Für Arbeitgeber liegt darin zusätzliches Potenzial zur Personalgewinnung. Unterstützung bei Sprache und Anerkennung sowie eine strukturierte Einarbeitung können dazu beitragen, Beschäftigte langfristig an Unternehmen und Region zu binden. 

Zuwanderung allein wird den Fachkräftebedarf im Rhein-Hunsrück-Kreis nicht decken. Sie ist aber bereits heute ein wichtiger Bestandteil des regionalen Arbeitskräfteangebots. Angesichts des demografischen Wandels dürfte ihre Bedeutung für die Betriebe weiter wachsen. red