Der öffentliche Dienst sucht vielerorts Personal. Nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) könnte ein Teil des Engpasses durch längere Arbeitszeiten bereits Beschäftigter aufgefangen werden. Würden sämtliche Teilzeitkräfte bei Bund, Ländern und Kommunen auf Vollzeit wechseln, ergäben sich rechnerisch 634.000 zusätzliche Vollzeitäquivalente.
Der Deutsche Beamtenbund beziffert den Personalmangel im öffentlichen Dienst auf 631.000 Beschäftigte. Beide Werte sind allerdings nicht unmittelbar vergleichbar: Die IW-Zahl beschreibt zusätzliches Arbeitsvolumen, die andere Zahl fehlende Personen. Zudem ist die vollständige Aufstockung aller Teilzeitstellen eine theoretische Obergrenze. Als praxisnäheren Vergleich zieht das IW deshalb Sachsen-Anhalt heran. Dort ist die durchschnittliche Arbeitszeit im öffentlichen Dienst bundesweit besonders hoch. Würden Länder und Kommunen dieses Niveau erreichen, entspräche das immer noch rund 294.000 zusätzlichen Vollzeitäquivalenten.
Große Reserven in Rheinland-Pfalz
Besonders groß fällt das rechnerische Potenzial in westdeutschen Ländern aus. In Baden-Württemberg, Bayern und Rheinland-Pfalz könnte das Arbeitsvolumen bei vollständiger Umstellung auf Vollzeit um etwa 19 bis 21 Prozent steigen. Der Durchschnitt der Länder liegt bei knapp 16 Prozent. In Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern beträgt das Potenzial dagegen jeweils nur rund acht Prozent.
Auch beim Vergleich mit dem Arbeitszeitniveau Sachsen-Anhalts bleiben die Unterschiede deutlich. Für Rheinland-Pfalz, Bayern und Baden-Württemberg ergibt sich nach IW-Berechnungen noch ein zusätzliches Potenzial von etwa 11 bis 12 Prozent.
Das Institut führt die Unterschiede unter anderem auf verschiedene Erwerbsmuster zurück. In Ostdeutschland arbeiten Frauen häufiger in größerem Stundenumfang, zugleich wird Kinderbetreuung stärker genutzt. Im Westen geht eine höhere Teilzeitquote teilweise mit größeren Betreuungslücken einher.
Besonders viel Potenzial in Schulen und Kitas

Auffällig hoch sind die rechnerischen Reserven in Bereichen, die selbst unter starkem Personalmangel leiden. Würden sämtliche Teilzeitkräfte in Kindertagesstätten auf Vollzeit wechseln, könnte das Arbeitsvolumen laut IW um rund 25 Prozent steigen. Das entspräche fast 55.000 Vollzeitäquivalenten.
An Schulen läge der mögliche Zuwachs bei knapp 20 Prozent beziehungsweise rund 153.000 Vollzeitäquivalenten. Auch an Hochschulen sieht das Institut größere Reserven, bei der Polizei dagegen deutlich geringere.
Ob zusätzliche Arbeitsstunden tatsächlich dort verfügbar wären, wo Personal besonders dringend gebraucht wird, lässt sich aus den Daten allerdings nicht ableiten. Fachliche und regionale Unterschiede bleiben bestehen.
Als Ansatz nennt das IW unter anderem eine verlässlichere Kinderbetreuung, damit Beschäftigte ihre Arbeitszeit leichter erhöhen können. Änderungen bei Teilzeitregelungen wären ebenfalls denkbar.
Gleichzeitig warnt das Institut davor, Teilzeitmöglichkeiten zu stark einzuschränken: Dadurch könnte der öffentliche Dienst als Arbeitgeber an Attraktivität verlieren.
Grundlage der Berechnungen ist die Personalstatistik zum Stichtag 30. Juni 2024. Untersucht wird nicht eine Verlängerung der regulären Vollzeitarbeitszeit, sondern das mögliche zusätzliche Arbeitsvolumen durch die Aufstockung bestehender Teilzeitstellen. red/IW
