Vom 19. April bis 7. Oktober 2029 wird das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal zur Bühne der Bundesgartenschau. Auf rund 67 Rheinkilometern von Rüdesheim bis Koblenz sind acht Parks vorgesehen, darunter fünf eintrittspflichtige BUGA-Parks. Rund 40 Hektar Ausstellungsfläche sollen entstehen. Die Veranstalter rechnen mit mehr als 1,5 Millionen Besucherinnen und Besuchern.
Für den Rhein-Hunsrück-Kreis beginnt die Bedeutung der Gartenschau jedoch nicht erst mit der Eröffnung. Schon die Vorbereitungen verändern Orte, schaffen neue Verbindungen und stoßen Projekte an, die weit über die 172 Veranstaltungstage hinausreichen sollen. Die BUGA ist deshalb nicht nur als Publikumsmagnet gedacht. Sie ist zugleich ein Regionalentwicklungsprojekt, das das Mittelrheintal und die angrenzenden Höhenlagen stärker miteinander verknüpfen soll.
Das aktuelle BUGA-Budget liegt bei rund 143 Millionen Euro. Wege, Plätze, Parks und touristische Angebote sollen so weiterentwickelt werden, dass sie auch nach 2029 nutzbar bleiben. Gerade für den Rhein-Hunsrück-Kreis ist diese dauerhafte Wirkung entscheidend. Die Region steht vor der Aufgabe, den erwarteten Besucherandrang nicht nur am Rhein sichtbar werden zu lassen, sondern auch für Orte im Hunsrück nutzbar zu machen.
Sankt Goar und Oberwesel im Mittelpunkt
Besonders unmittelbar wird die BUGA in Sankt Goar zu erleben sein. Die Burg Rheinfels gehört zu den zentralen Schauplätzen. Rund 1,5 Hektar der historischen Anlage sind als Ausstellungsfläche vorgesehen. Wege und Plätze sollen saniert, Themengärten integriert und die Burg stärker mit Altstadt und Rheinufer verbunden werden.
Die Aufwertung der Burg ist mehr als eine Maßnahme für die Dauer der Schau. Verbesserte Wegeführungen und attraktivere Aufenthaltsbereiche können auch danach die Wahrnehmung Sankt Goars verändern. Besucher sollen nicht nur einen Ausstellungsort ansteuern, sondern den Ort als Ganzes erleben. Für Gastronomie, Einzelhandel und Übernachtungsbetriebe entstehen dadurch Möglichkeiten, von längeren Aufenthalten und zusätzlichen Gästen zu profitieren. Seit Dezember 2025 hat die BUGA29 gGmbH ihren Geschäftssitz in Sankt Goar. Damit befindet sich ein wichtiger Teil der Vorbereitung unmittelbar im Rhein-Hunsrück-Kreis.
Auch Oberwesel erhält eine wichtige Funktion. Mit Michelfeld und Stadtmauergarten sind zwei BUGA-Gärten vorgesehen. Parallel wird die Neugestaltung der Rheinanlagen vorangetrieben. Dieses Projekt gehört zwar nicht zur eigentlichen BUGA-Finanzierung, steht aber in engem Zusammenhang mit den Vorbereitungen auf 2029. Darin zeigt sich ein Grundprinzip der Bundesgartenschau: Sie wirkt als Anlass, bereits geplante Entwicklungen zu bündeln und miteinander zu verknüpfen. Für Oberwesel bedeutet das, dass nicht nur einzelne Ausstellungsflächen entstehen. Das Zusammenspiel aus Altstadt, Stadtmauer, Rhein und Grünanlagen soll verbessert werden. Die Stadt kann dadurch langfristig an Aufenthaltsqualität gewinnen.
Die BUGA soll bis in den Hunsrück wirken

Für den Rhein-Hunsrück-Kreis endet die Gartenschau nicht an den Ufern des Rheins. Eine der wichtigsten Fragen lautet, wie auch Gemeinden jenseits des unmittelbaren Welterbetals profitieren können. Ein großer Teil des Kreisgebiets liegt auf den Höhen des Hunsrücks. Dort wird die BUGA selbst zwar nicht mit großen Ausstellungsparks präsent sein, dennoch sollen Impulse aus dem Tal weitergetragen werden. Projekte in den Rheinhöhengemeinden sollen Ortsentwicklung und Aufenthaltsqualität stärken. Hinzu kommen touristische Verbindungen wie der Welterbesteig und ein geplanter Höhenradweg für E-Bikes. Solche Angebote können dazu beitragen, die Landschaft zwischen Rhein und Hunsrück stärker als zusammenhängenden Erlebnisraum wahrnehmbar zu machen.
Gäste, die wegen der BUGA anreisen, könnten ihren Aufenthalt verlängern und weitere Ziele im Kreis besuchen. Wanderungen, Radtouren, Gastronomie, Übernachtungen oder Freizeitangebote im Hunsrück können von der zusätzlichen Aufmerksamkeit profitieren. Voraussetzung dafür ist, dass Besucher diese Angebote leicht finden und unkompliziert erreichen können. Damit wird die Verkehrsanbindung zu einem Schlüsselthema. Zwischen Rheintal und Hunsrück bestehen topografische und infrastrukturelle Hürden. Diskutiert und geplant werden unter anderem Verbesserungen im Radverkehr, zusätzliche Bahnkapazitäten, Shuttleangebote und bessere Verknüpfungen im öffentlichen Nahverkehr. Die Qualität dieser Verbindungen wird mitentscheiden, ob die Gartenschau als Rheintal-Ereignis wahrgenommen wird oder auch die Höhenlagen einbindet. Entscheidend ist, wie aus Sehenswürdigkeiten, Wegen und Betrieben ein gut erreichbares Gesamtangebot entstehen kann.
Wirtschaftliche Impulse sind kein Selbstläufer
Mehr als 1,5 Millionen erwartete Gäste bedeuten ein großes zusätzliches Besucherpotenzial. Davon könnten vor allem Hotellerie, Gastronomie, Einzelhandel und Freizeitwirtschaft profitieren. Auch kleinere Betriebe können zusätzliche Nachfrage spüren, wenn ihre Angebote sichtbar und gut erreichbar sind.
Wirtschaftliche Effekte entstehen bereits vor dem Eröffnungsjahr. Planung, Bau, Sanierung sowie Garten- und Landschaftsbau schaffen Aufträge. Die BUGA-Gesellschaft verweist darauf, dass bei Gartenschauen erfahrungsgemäß ein großer Teil der Aufträge in der jeweiligen Region bleibt. Damit können schon die Vorbereitungsjahre wirtschaftliche Impulse auslösen.
Eine Garantie dafür gibt es allerdings nicht. Eine hohe Besucherzahl allein sorgt nicht automatisch dafür, dass möglichst viele Unternehmen profitieren. Entscheidend wird sein, wie früh sich Betriebe auf die Bundesgartenschau einstellen, welche zusätzlichen Angebote sie entwickeln und wie gut sie miteinander kooperieren.
Hotels und Ferienwohnungen könnten Aufenthalte mit Ausflugszielen im Hunsrück verknüpfen. Gastronomische Betriebe können regionale Besonderheiten stärker sichtbar machen. Freizeit- und Kulturanbieter können sich in gemeinsame Programme einbringen. Je besser solche Angebote aufeinander abgestimmt sind, desto größer ist die Chance, dass Gäste weitere Teile des Kreises entdecken. Der Erfolg der Bundesgartenschau wird sich nicht allein daran messen lassen, wie viele Menschen zwischen April und Oktober 2029 an den Mittelrhein kommen. Mindestens ebenso wichtig ist die Frage, welche Strukturen nach dem Ende der Veranstaltung bestehen bleiben.
Dazu gehören aufgewertete öffentliche Räume ebenso wie verbesserte Wege und touristische Angebote. Auch die Zusammenarbeit zwischen Städten, Gemeinden und Betrieben kann zu einem dauerhaften Ergebnis werden. Wenn Rhein und Hunsrück touristisch stärker zusammengedacht werden, kann daraus ein gemeinsamer Auftritt entstehen, der auch nach dem letzten BUGA-Tag trägt.
Sankt Goar und Oberwesel stehen besonders im Blickpunkt, weil dort große Teile der Bundesgartenschau unmittelbar sichtbar werden. Ihre Entwicklung kann aber nur ein Teil der Gesamtwirkung sein. Für den Rhein-Hunsrück-Kreis wird entscheidend, ob es gelingt, die Aufmerksamkeit entlang des Rheins auch in die Fläche zu übertragen. Die zentrale Frage lautet deshalb nicht nur, wie erfolgreich die 172 Ausstellungstage werden. Entscheidend ist, welche Veränderungen danach zum Alltag gehören: attraktivere Orte, bessere Verbindungen zwischen Rhein und Hunsrück, zusätzliche touristische Angebote und neue Kundengruppen für regionale Betriebe.
Die BUGA 2029 ist damit für den Rhein-Hunsrück-Kreis weit mehr als ein großes Gartenfest. Sie bietet die Gelegenheit, Projekte miteinander zu verbinden und Entwicklungen anzustoßen, deren Nutzen erst nach dem eigentlichen Ereignis vollständig sichtbar wird. Die Grundlagen dafür werden bereits heute gelegt. red
