23. September 2026: Endlich ist sie da! Die neue CIMA-Deutschlandstudie Innenstadt 2026/27 ist veröffentlicht und ich starte den Download. In den letzten Jahren waren die Ergebnisse meistens ernüchternd: der Handel auf dem Rückzug, die Städte weniger besucht. Ich frage mich, was mich jetzt erwartet, und beginne zu lesen. Ziemlich schnell stoße ich auf einen Befund, der mich aufhorchen lässt: Die Bindung an die Innenstadt wächst wieder! Das sind gute Neuigkeiten, damit kann man als Citymanagerin schon mal etwas anfangen. Weiter lese ich: Der Einzelhandel gibt den Takt vor – Erlebnis gewinnt. Das klingt nach Verbindung, nach Zusammenspiel. Und während ich weiterlese, denke ich: So neu ist der Gedanke eigentlich gar nicht. In Koblenz funktioniert vieles davon längst.
Wir haben viele selbstbewusste, inhabergeführte Geschäfte. Einige gibt es schon seit Generationen, andere sind noch ganz jung. Viele verbinden Einkaufen mit Erlebnis – und haben damit Erfolg. Bei Lädjen und Cuplenz zum Beispiel kauft man nicht nur Keramik, sondern gestaltet sie selbst. Bei Reuffel in der oberen Löhr wechseln junge Eltern nach der Lesung mit Kaffee zum Reuffel Spielraum weiter. Bei Cahua und Frl. Diehl kann man zusehen, wie süße Spezialitäten hergestellt werden, und bei Pfeffersack & Söhne kommen Menschen schon von weither, um Kräuter und Gewürze zu testen und sich die Tüten mit einer alten Nähmaschine zutackern zu lassen.

Bekleidung steht unter den beliebtesten Warengruppen weiterhin an dritter Stelle. In diesem Jahr haben wir mit der Koblenz Couture unsere hochwertigen Modegeschäfte gemeinsam auf die Bühne gebracht. Das zeigt: Ein besonderes Einkaufserlebnis kann im einzelnen Laden beginnen und sich von dort über die ganze Stadt entfalten. Die Koblenz Couture war für uns zugleich eine Antwort auf die Diskussion um das FOC Montabaur. Doch die entscheidende Frage ist aus meiner Sicht nicht, wie wir zusätzliche Verkaufsfläche andernorts verhindern, sondern wie wir unsere Kraft und Energie weiterhin konsequent in das eigene Profil investieren: in aktuelle Sortimente, persönliche Beratung, inhabergeführte Geschäfte und ein Stadterlebnis, das weit über den Einkauf hinausgeht. Noch vor der Warengruppe „Bekleidung und Wäsche“ nennt die CIMA eine gute Nahversorgung als wichtige Grundlage für eine attraktive Innenstadt: „Nahrungs- und Genussmittel“ stehen mit 72,3 Prozent an der Spitze der Warengruppen, die dort vertreten sein sollten. Gleichzeitig verändern sich die Bedürfnisse mit dem Alter. Bei Jüngeren spielen unter anderem Freizeit und Bildung sowie Fitness und Sport eine größere Rolle. Ab 50 gewinnen ärztliche Versorgung und Gesundheitsdienstleistungen an Bedeutung. Das klingt für mich logisch: Je nach Lebensphase suchen und brauchen wir in der Innenstadt etwas anderes.
Verändert das nicht auch den Blick auf unsere großen leerstehenden Immobilien? „Unten Handel, oben Wohnen“ allein ist noch kein Zukunftskonzept. Für ausgewählte Schlüsselimmobilien brauchen wir einen Fahrplan. Was brauchen wir dringend? Wo passen Sport und junges Wohnen? Und wo können Wohnen, Gesundheit, Betreuung und Pflege zusammengedacht werden? Anfragen für solche Nutzungen gibt es. Doch ziehen die Eigentümer mit?
Ein solches Zusammenspiel entsteht seit einiger Zeit in der Schloßstraße: Zwischen einem wachsenden Ärztehaus und einer Apotheke gibt es hier den Wochenmarkt und den Dillemarkt. Mit dem BID Schloßstraße Koblenz e.V. ist ohnehin einiges möglich, weil die Eigentümer die Entwicklung ihrer Straße aktiv mitgestalten. Unsere Geschäfte wirken nicht für sich allein. Einzelhandel, Stadtbild und Gastronomie bilden laut CIMA den Dreiklang einer attraktiven Innenstadt. Für Koblenz heißt das: Wer zum Einkaufen kommt, sollte einen Grund haben, noch zu bleiben. Vielleicht bei einem Kaffee bei Baristaz, bei Wein aus dem Genusszimmer Proberaum oder bei frischen Cake Pops von Omas Kuchen. Und beim Thema „Bleiben“ müssen wir auch über die Aufenthaltsqualität sprechen – zum Beispiel in der Löhrstraße oder am Löhrrondell. Um Besuchsanlässe und Einkauf gezielt miteinander zu verbinden, planen wir Tombolas und Gewinnspiele und arbeiten auf weitere verkaufsoffene Sonntage hin. Und natürlich sind da die Veranstaltungen: Der Schängel-Markt, Electronic Wine, das Altstadtfest oder Karneval schaffen nicht nur Frequenz. Sie erzählen auch etwas darüber, wer wir sind – und warum wir gerne Schängel sind.
Gerade deshalb sollten Veranstaltungen zu Koblenz passen und bewusst ausgewählt werden. Denn Orte wie Münzplatz, Am Plan oder der Bereich an der Liebfrauenkirche müssen beides sein können: lebendige Erlebnisräume und ein gutes Wohnumfeld. Unsere Läden sind der Puls der Innenstadt. Damit dieser Puls in der ganzen Stadt spürbar wird, braucht es die richtigen Verbindungen: zu Genuss und Gesundheit, Wohnen und Arbeiten, Aufenthalt und Begegnung – und zur Koblenzer Identität.
Die Zukunft der Einkaufsstadt entsteht dort, wo Handel, Gastronomie, Dienstleistungen, Wohnen, Kultur und Erlebnis sinnvoll zusammenspielen. Koblenz bringt dafür schon vieles mit. Jetzt kommt es darauf an, diese Stärken noch konsequenter miteinander zu verbinden. Christiane Walther-Oeckel, Citymanagerin Koblenz
CIMA-Studie unter:
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