Thomas Anders ist auf Bühnen in aller Welt zu Hause – doch sein Lebensmittelpunkt liegt seit Jahrzehnten in Koblenz. Im Gespräch erzählt der Sänger, warum er die Stadt und ihre Menschen so schätzt, weshalb das eigene Zuhause für ihn ein besonderer Rückzugsort ist und wie aus vielen Reisen seine Leidenschaft fürs Kochen entstand. Außerdem spricht er über sein Engagement für den Kinderschutzbund und verrät, welche musikalischen Pläne er gemeinsam mit der Koblenz-Touristik für die BUGA 2029 verfolgt.
Herr Anders, Sie sind viel auf der ganzen Welt unterwegs. Was schätzen Sie besonders an Koblenz?
Ich mag die Stadt einfach. Ich mag die Menschen und dieses Gefühl, dass man hier gut aufgehoben ist. An Koblenz schätze ich vor allem die überschaubare Größe, die wunderschöne ländliche Umgebung und die Tatsache, dass wir die Kriminalität noch ganz gut im Griff haben. Das sind alles Faktoren, die das Leben für mich lebenswert machen.
Wie erleben Sie die Reaktionen der Menschen, wenn Sie durch die Stadt gehen?
In Koblenz werde ich mit sehr viel Respekt behandelt. Natürlich sprechen mich die Menschen manchmal an – beispielsweise im Supermarkt. Manche trauen sich zunächst auch nicht. Aber wenn ich angesprochen werde, ist das immer angenehm. Es ist mit Respekt und Wertschätzung verbunden.
Gilt diese Wertschätzung auch für Ihre Familie?
Auf jeden Fall. Dennoch haben wir unseren Sohn nach der siebten Klasse für sieben Jahre auf ein Internat geschickt. Wir drei haben uns bewusst für das Internat entschieden, weil wir nicht wollten, dass unser Sohn ständig in einer Bewertungsschleife steckt.
Es gab Lehrer, die ihn zu positiv bewertet haben, und andere, die ihn zu negativ bewertet haben. Unabhängig vom Lehrpersonal wollten wir aber auch nicht, dass er auf dem Schulhof besondere Konsequenzen tragen muss, nur weil er mein Sohn ist.
Deshalb haben wir ihn auf dem Internat eingeschult, damit er dort seine eigene Persönlichkeit entwickeln kann.
Das muss eine schwierige Entscheidung gewesen sein.
Absolut. Das war die Hölle, insbesondere natürlich auch für meine Frau. Unser Sohn wusste aber von Anfang an, dass wir ihn zu nichts zwingen würden. Wir haben gesagt: Wir probieren das jetzt. Es geht nicht darum, dass wir das um jeden Preis durchziehen. Wenn du es nicht mehr willst, gibt es immer einen Ausweg.
Kommen wir noch einmal auf Koblenz zurück. Gibt es Orte in der Stadt, an denen Sie besonders gerne sind?
Grundsätzlich mag ich mein Zuhause am allermeisten. Dort kann ich sein und mich komplett ausleben. Ich versuche, Menschenansammlungen zu vermeiden, weil sie mir natürlich ein Stück Privatsphäre nehmen.
Was ich an Koblenz mag, ist vor allem der Gesamteindruck. Wenn man von der A48 herunterkommt, diesen Bogen fährt und dann ins Rheintal und auf Koblenz schaut, weiß ich sofort: Ich bin zu Hause. Ich mag auch die Rheintreppen, selbst wenn dort momentan einiges gebaut wird.


Und wenn Sie Besuch bekommen: Was zeigen Sie Ihren Gästen in Koblenz?
Natürlich die Seilbahn und die Festung. Dieser Blick ist einfach nicht zu überbieten. Ich mag auch die Rheinanlagen.
Wenn ich bei mir zu Hause mit dem Hund um den Schwanenteich gehe, ist das für mich wie ein Park vor der Haustür. Andere Menschen fahren dafür in den Urlaub. Ich habe das jeden Tag.
Wahrscheinlich nimmt man solche Dinge irgendwann gar nicht mehr so bewusst wahr.
Das stimmt. Bei mir ist es allerdings ein bisschen anders, weil ich nicht jeden Tag hier bin. Ich bin sehr viel unterwegs und weiß deshalb nach wie vor zu schätzen, was ich zu Hause habe.
Wenn ich nur meine Shows betrachte, komme ich im Jahr auf 60 bis 70 Auftritte. Dazu kommen die jeweiligen An- und Abreisetage sowie Fernsehsendungen, Aufzeichnungen und andere berufliche Verpflichtungen. Ich bin also definitiv weniger als die Hälfte des Jahres in Koblenz.
Sie sind ein leidenschaftlicher Koch. Wie sind Sie überhaupt zum Kochen gekommen? Haben Sie schon als Kind gekocht?
Nein, überhaupt nicht. Es ist vielmehr daraus entstanden, dass ich sehr viel unterwegs war. Irgendwann konnte ich Hotel- und Restaurantessen einfach nicht mehr sehen. Es schmeckte alles gleich.
Das ist mittlerweile 30 oder 35 Jahre her. Also habe ich angefangen, für mich selbst zu kochen. Ich wollte nicht nach Hause kommen und schon wieder Essen gehen. Stattdessen begann ich zu kochen und Freunde einzuladen. So ist das Ganze entstanden. Und irgendwann hat es mir einfach sehr viel Spaß gemacht. Außerdem geht es mir leicht von der Hand.
Wie würden Sie sich als Koch beschreiben?
Ich bin ein bequemer Koch. Ich bin niemand, der stundenlang für Gäste eine Soße einkocht oder einen Fond selbst ansetzt. Dafür gibt es mittlerweile sehr gute Fertigprodukte. Dadurch kann ich relativ schnell etwas zaubern. Es muss auch nicht immer die große Küche sein. Trotzdem ist es für mich etwas anderes, wenn ich zu Hause Spaghetti aglio e olio mache, als wenn ich sie im Restaurant esse. Ich nehme sie direkt aus der Pfanne. Das ist viel unmittelbarer.
Kochen Sie hauptsächlich für Gäste oder auch für Ihre Familie?
Wenn ich zu Hause bin, koche ich sehr viel – sowohl für meine Frau als auch für unsere Gäste. Im Sommer gibt es beispielsweise schnell einmal einen Salat mit Gambas, dazu Tagliatelle oder Hühnchen. Und auch hier helfen einem mittlerweile sehr gute Küchengeräte. Ich bin beispielsweise total begeistert vom Airfryer.
Eine Hühnerbrust ist damit schnell gemacht. Man muss nur daran denken, sie schon mittags zu marinieren. Ich habe dafür auch meine eigenen Gewürzmischungen.
Einige Ihrer Gewürze haben Sie gemeinsam mit Herrn Hartkorn entwickelt. Wie muss man sich das vorstellen?
Man darf sich das nicht so vorstellen, als hätte ich die Gewürze selbst entwickelt. Aber es gab mehrere Meetings, in denen ich sehr klar gesagt habe, wie ich mir ein bestimmtes Gewürz vorstelle. Ich habe beispielsweise gesagt: Ich möchte etwas mehr Knoblauch oder mehr Koriander. Es ging immer um mein persönliches Geschmacksbild.
Beim Pommesgewürz war ich ebenfalls sehr akribisch. Bei herkömmlichen Pommesgewürzen ist mir der Paprikageschmack oft zu stark oder nicht passend. Für mich muss die Mischung aus Salz und Rosenpaprika genau stimmen. Es soll nicht zu sehr in Richtung BBQ gehen.
Besonders wichtig war mir die Gemüsebrühe. Sie sollte wirklich nach Gemüse schmecken. Die verwende ich in sehr vielen Gerichten – für mich ist sie fast wie ein Gewürzsalz. Wenn ich beispielsweise Flammkuchen mache, gebe ich einen halben Teelöffel Gemüsebrühe dazu. Das hebt den Geschmack sofort.
Sie engagieren sich außerdem als Schirmherr für den Kinderschutzbund. Wie kam es dazu?
Ich wurde damals angesprochen. Die damalige Schirmherrin wollte das Amt aus Altersgründen nicht mehr ausüben und fragte mich, ob ich es übernehmen würde.
Ich war zunächst gar nicht sicher und musste mich erst mit dem Thema beschäftigen. Ich habe mit meiner Frau darüber gesprochen – und sie sagte sofort: „Natürlich machst du das.“
Damals war mir gar nicht bewusst, wie groß der Bedarf hier in Koblenz tatsächlich ist. Koblenz wirkt für mich immer noch ein bisschen wie eine Stadt der heilen Welt. Aber so rosarot ist es natürlich nicht.
Ich habe dann erst einmal verstanden, was der Kinderschutzbund alles leistet und wie dringend er auf Spenden angewiesen ist. Nicht alles wird vom Staat finanziert.
Das finde ich schade. Denn Investitionen in Kinder zahlen sich nicht unmittelbar aus. Die Wirkung sieht man vielleicht erst in 20 oder 30 Jahren.
Was steht bei Ihnen beruflich bis zum Jahresende noch an?
Zum Jahresende ist wie immer High Season für Konzerte. Es gibt noch einige Stand-alone-Konzerte. Ich bin unter anderem in Kasachstan, in Astana und Almaty, außerdem in Polen, Lettland, Estland und Budapest. Parallel laufen natürlich die Vorbereitungen für die Tournee, die im April startet und dann ab Mai richtig Fahrt aufnimmt.
Die nächste Tour führt aber in andere Städte als die letzte?
Genau. Es ist im Grunde die Tour, die ich in diesem Jahr bereits gemacht habe, allerdings mit anderen Städten. Wir hatten in diesem Jahr schlicht nicht mehr genügend Kapazitäten. Es gehen so viele Künstler auf Tour, dass man manche Hallen mittlerweile zwei Jahre im Voraus buchen muss. Sonst bekommt man keine Halle.
Warum gibt es eigentlich kein Konzert in Koblenz?
Die Rhein-Mosel-Halle ist zu klein. Das Stadion Oberwerth ist, meiner Meinung nach, für Konzerte nicht geeignet. Die Loreley wäre wiederum schon etwas groß. Sie würde eher passen, wenn ich einmal eine Open-Air-Tour mache.
Eine solche Open-Air-Tour ist also tatsächlich geplant?
Ja, daran arbeite nwir. Aber das dauert noch ein bisschen. Ich sehe das eher perspektivisch für 2029.
Dann gibt es auch mit Blick auf die BUGA 2029 in Koblenz bereits Pläne?
Ja. Gemeinsam mit Koblenz-Touristik planen wir derzeit eine Konzertreihe für die BUGA-Saison. Die Idee ist, während der BUGA jeden Monat ein großes Konzert am Deutschen Eck zu veranstalten.
Ich würde dabei als „Thomas Anders präsentiert“ auftreten. Es sollen unterschiedliche Genres vertreten sein. Die Idee ist, Koblenz während der BUGA auch musikalisch zu einem besonderen Erlebnis zu machen. Petra Dettmer
