Kunst in Gondeln

Die Koblenzer Seilbahn bietet eine Reise in die Vergangenheit mit Gegenwartsbezug

08. Oktober 2026
Kunst in Gondeln

Marita Warnke sammelt seit Jahrzehnten Werke von Philipp Dott. Hier zeigt sie eine seiner Karikaturen aus den 1960er-Jahren, die Koblenzer Alltagsszenen mit einem Augenzwinkern aufgreift. Foto: Rainer Claaßen

Als gäbe es bei einer Fahrt mit der Koblenzer Seilbahn nicht schon genug interessante Ausblicke, sorgen die BUGA-Freunde Koblenz e.V. seit 2014 dafür, dass in den Gondeln jedes Jahr wechselnde Kunstwerke zu sehen sind. Die Idee hinter dieser schwebenden Ausstellung: Die Kunst soll zu den Menschen gebracht werden. So ergibt sich ein barrierefreier Kunst- und Kulturzugang. 

Gezeigt werden jährlich Kunstwerke unterschiedlicher Stilrichtungen von Künstlerinnen und Künstlern aus Koblenz und dem Mittelrheintal. Aber auch die Bevölkerung bringt sich regelmäßig ein. 2025 präsentierten Künstlerinnen und Künstler mit Beeinträchtigungen unter dem Motto „Kunst ist Inklusion“ ihre Werke. 

Kunst mit Aussicht: In den Gondeln der Koblenzer Seilbahn sind unter dem Titel „Schwarz-weiß ... bunt gedacht“ Karikaturen des Künstlers Philipp Dott zu sehen. Foto: Rainer Claaẞen
Kunst mit Aussicht: In den Gondeln der Koblenzer Seilbahn sind unter dem Titel „Schwarz-weiß ... bunt gedacht“ Karikaturen des Künstlers Philipp Dott zu sehen. Foto: Rainer Claaẞen

Noch bis Ende des Jahres sind Karikaturen des Künstlers Philipp Dott zu sehen. Auch wenn sein Name heute eher unbekannt ist, dürften zumindest ältere Koblenzer mit seinen Werken vertraut sein: An den Fassaden vieler Häuser in der Stadt und der näheren Umgebung gestaltete er Sgraffiti: Großformatige Wandbilder in Reliefform. Einige davon sind bis heute erhalten geblieben.

Marita Warnke lernte den Künstler als junge Frau während ihrer Ausbildung in einem Eisenwarengeschäft kennen und half ihm gelegentlich bei seiner Arbeit. Seit Jahrzehnten sammelt sie unterschiedlichste Werke des Künstlers. Darunter sind auch die Originale von Karikaturen, die Dott Anfang der 1960er-Jahre regelmäßig für die Rheinpost zeichnete. Viele davon nehmen Bezug auf damals politisch und gesellschaftlich relevante Themen. Verblüffend: Auch wenn sich in den seither vergangenen Jahrzehnten vieles grundlegend verändert hat, wirken einige dieser Themen durchaus aktuell. 

Schon 2020 war die Ausstellung von 34 Tafeln dieser Motive in der Seilbahn geplant. Die Pandemie verhinderte damals die Umsetzung des Plans, der nun mit einiger Verspätung realisiert wurde – nicht zuletzt, weil die Sammlerin Warnke inzwischen mit der Kulturehrennadel der Stadt ausgezeichnet wurde. 

Unter dem Titel „Schwarz-weiß … bunt gedacht“ sind die Werke des 1970 gestorbenen Künstlers in den Gondeln zu sehen. Darauf sind viele Motive aus der Stadt wiederzuerkennen. Es geht etwa um die Kosten für die Denkmalpflege des Monuments am Deutschen Eck, die Abschaffung der Straßenbahn oder die Eröffnung der Rhein-Mosel-Halle. In seinem unverkennbaren Stil weist Dott aber auch auf Parkplatzmangel und den schlechten Zustand der Straßen hin – offenbar echte Evergreens. 

Bei den BUGA-Freunden laufen währenddessen schon die Vorbereitungen für das kommende Jahr. Denn auch dann will der umtriebige Verein wieder dafür sorgen, dass interessante Kunstwerke in den Gondeln der Koblenzer Seilbahn zu sehen sind. Rainer Claaßenar.