Tennis erlebt in Koblenz eine bemerkenswerte Phase. Die Plätze sind gefragt, die Vereine verzeichnen Zulauf, Kinder und Jugendliche entdecken den Sport für sich. „Seit der Corona-Pandemie gibt es einen steten Mitgliederzuwachs, auch bei Kindern und Jugendlichen“, berichtet Simone Wernecke, Geschäftsführerin des Tennisverbands Rheinland. Dieser Trend macht Mut und bringt zugleich neue Herausforderungen mit sich.
Kurz gesagt: Es fehlt an qualifizierten Trainerinnen und Trainern, während die Nachfrage nach Trainingsstunden steigt. Gleichzeitig sinkt die Bereitschaft, sich zeitlich dauerhaft als Trainer zu verpflichten. Ähnlich sieht es bei der ehrenamtlichen Vorstandsarbeit aus.

Dabei leisten gerade die Vereine einen wesentlichen Beitrag zur Nachwuchsförderung. Haupt- und nebenberufliche Trainer bilden zahlreiche Kinder aus und stellen Talente bei Sichtungen des Tennisverbandes Rheinland vor. Verband und Clubs arbeiten zudem bei Turnieren zusammen und helfen einander aus, wenn zum Beispiel für Veranstaltungen zusätzliche Plätze benötigt werden.
Wie weit Jugendförderung führen kann, zeigt sich am Nachwuchsspieler Jonathan Dazert, der sich über die Jahre erfolgreich entwickelt hat. Dazert wurde deutscher Meister im Doppel, belegte bei den Deutschen Meisterschaften im Einzel den dritten Platz und gewann mehrere internationale Jugendturniere. Seit Jahren gehört er zu den Top Ten seines Jahrgangs in der deutschen Jugendrangliste.
Der Weg dorthin ist allerdings lang. Tennis ist technisch, taktisch und athletisch anspruchsvoll. Wer den Sprung zum Profi schaffen will, müsse bereits im Alter von sechs bis acht Jahren beginnen und seine Leistung über viele Jahre systematisch entwickeln. Mehrere Trainingseinheiten pro Woche und regelmäßige Turniere gehören dazu.
Doch nicht nur Trainer fehlen. Auch die Infrastruktur gerät unter Druck. Der Klimawandel verteuert den Betrieb der klassischen Sandplätze: höhere Löhne bei der Frühjahrsinstandsetzung, teureres Ziegelmehl und ein durch Trockenheit steigender Wasserverbrauch belasten die Vereine. Viele müssen deshalb über eine kostenintensive Umstellung auf wasserarme Ganzjahresplätze nachdenken. Gleichzeitig verschärft sich die Hallensituation. Einige Tennisplätze in Hallen werden zu Padelplätzen umgebaut. Vereine und Trainer berichten dem Verband bereits von „massiven Problemen“, Hallenzeiten für das Kinder- und Jugendtraining zu bekommen.
Umso wichtiger sind Veranstaltungen, die Tennis über die Vereinsgrenzen hinaus sichtbar machen. Das internationale Tennis-Europe-Jugendturnier im Juli und das Koblenz Tennis Open im Januar erreichen über die mediale Berichterstattung auch Menschen, die selbst nicht Tennis spielen. Letzteres bringt als größtes internationales Indoor-Herrentennisturnier Deutschlands vom 17. bis zum 24. Januar internationale Top-Spieler nach Koblenz und findet im Rahmen der ATP Challenger Tour jedes Jahr statt. Das Ziel für die kommenden fünf bis zehn Jahre ist deshalb klar umrissen: weiter wachsende Vereine, ausreichend Ganzjahres- und Hallenplätze für einen verlässlichen Trainingsbetrieb zu jeder Jahreszeit sowie der Erhalt der internationalen Turniere – vielleicht sogar eine Erweiterung der Turnierlandschaft. Dafür braucht es Unterstützung. Der Tennisverband Rheinland wünscht sich eine gute finanzielle Förderung durch die Stadt Koblenz und die Sportbünde. Auch stärkeres Engagement von Unternehmen wäre willkommen – bei den Vereinen, beim Verband und bei Turnieren.
Die Voraussetzungen sind vorhanden: Menschen wollen Tennis spielen, Nachwuchs rückt nach, Vereine und Verband arbeiten zusammen. Nun wird es darauf ankommen, Strukturen und Plätze so weiterzuentwickeln, dass aus dem derzeitigen Aufschwung eine dauerhafte Erfolgsgeschichte werden kann. Kolja Matzke
