Zwei Apfelbäume mit Symbolcharakter

„Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen!“

11. Juni 2026
Zwei Apfelbäume mit Symbolcharakter

Der Korbinians-Apfel im Michaelshof hinter der Liebfrauenkirche erinnert an den Pfarrer und Pomologen Korbinian Aigner, der die Sorte während seiner Haft im Konzentrationslager Dachau züchtete. Foto: Hermann Schäfer/ Bürgerinitiative „Unsere Altstadt“

Wer mit offenen Augen die Treppe zwischen der Apsis der Liebfrauenkirche und der Erich-Franke-Gasse zum Entenpfuhl nutzt, wird feststellen, dass hier auf wenigen Quadratmetern im Michaelshof ein kleiner Garten entstanden ist. Wer jedoch neben der Bepflanzung nur einen Oliven- und einen Obstbaum sieht, hat nicht alles gesehen. 

Ein Baum erinnert an Verfolgung und Widerstand

Mit dem Apfelbäumchen verbindet sich eine anrührende und besondere Geschichte: Es handelt sich um einen sogenannten “KZ 3”-Apfelbaum, der vom bayrischen Pfarrer und Apfelkundler Korbinian Aiger (1885 - 1966) während seiner Inhaftierung im Konzentrationslager Dachau gezüchtet wurde. Er soll stellvertretend auch an die während der NS-Diktatur inhaftierten Koblenzer Pfarrer erinnern. Ausführliches dazu kann auf einer Gedenkplatte nachgelesen werden. Dem lokalen Team des Kirchenortes Liebfrauen ist die Idee, Umsetzung und zukünftige Pflege dieses Erinnerungsortes zu verdanken. Dies kann nicht genug gewürdigt werden, zumal zugleich eine weitere kleine ökologische Nische in der Altstadt geschaffen wurde. Im Innenhof der Senioren- und Pflegeeinrichtung „Eltzerhof“ an der Kornfortstraße wurde ebenfalls ein kleiner Apfelbaum gepflanzt. Pfarrerin Marina Brilmayer von der Evangelischen Kirchengemeinde Koblenz-Mitte hatte in der dortigen Kapelle einen Erntedankgottesdienst gefeiert und das Bäumchen anschließend der Einrichtung übergeben. Mit vielen Bewohnerinnen und Bewohnern war an all das gedacht worden, was uns geschenkt ist: ein frischer Apfel, das Leben, Essen und Trinken, Sonnenschein und Schokokrümel, liebe Verwandte oder Freunde. Hoffentlich hat der Apfelbaum den Winter gut überstanden, trägt im Frühling die ersten Blüten und irgendwann einmal Äpfel. Neben einigen gezielt angesprochenen Bewohnern wurden alle dazu angehalten, ab und zu mal die Erde zu fühlen und in den Topf ein Gläschen Wasser zu gießen. Pfarrerin Brilmayer erinnerte damit daran, dass die Menschen nicht nur Empfänger sind, sondern dass wir auch alle gemeinsam die Verantwortung tragen, gut auf das Geschenkte aufzupassen. 

Kleine Zeichen für Hoffnung in der Altstadt

Zu beiden Apfelbäumchen passt das vermeintlich Martin Luther zugeschriebe Zitat „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen!“ Es symbolisiert die Hoffnung, die Zuversicht und die Wichtigkeit, trotz Schwierigkeiten weiterzumachen und zu handeln, was viele Menschen noch heute dazu inspiriert, Apfelbäume zu pflanzen. Es bleibt zu hoffen und zu wünschen, dass in der Koblenzer Altstadt weitere Apfelbäume gepflanzt werden, um so die Hoffnung auf bessere Zeiten und natürlich auch die Diversität der Bepflanzung zu unterstützen. Beide Initiativen sind nach Ansicht der Bürgerinitiative „Unsere Altstadt“ nicht nur beachtenswert, sondern auch beispielhaft dafür, wie der innerstädtische Raum biodivers aufgewertet und die Attraktivität gesteigert werden kann. Schön, dass beide Apfelbäumchen auch ein Umfeld zum Wachsen und Gedeihen gefunden haben, das abseits des städtischen Trubels auch Ort der Stille, des Besinnens und der Freude an Natur und Schöpfung bietet.

Jürgen Potratz, Bürgerinitiative „Unsere Altstadt“