Koblenz-Lützel: Vom Durchgangsort zum Treffpunkt

Der Bahnhofsvorplatz in Lützel soll grüner, heller und besser angebunden werden. Die Bauarbeiten beginnen 2027, die Zwischennutzung hat bereits begonnen.

11. Juni 2026
Koblenz-Lützel: Vom Durchgangsort zum Treffpunkt

Mit Spraydose und Schutzanzug: Unter Anleitung entstand auf dem Bahnhofsvorplatz Lützel ein neues Graffiti, das den Auftakt der Zwischennutzung sichtbar macht. Fotos: Jan Buchbender, Quartiers management Stadtgrün Lützel

Wer am Bahnhof Lützel aus dem Zug steigt, ist schnell mitten im Stadtteil und steht doch an einem Ort, der bislang wenig von dem zeigt, was Lützel ausmacht. Der Vorplatz wirkt eher wie eine Fläche zum Weitergehen als wie ein freundlicher Empfang. Man wartet, sucht den richtigen Weg, stellt das Fahrrad irgendwo ab oder verschwindet direkt Richtung Straße. Dabei könnte genau hier ein Platz entstehen, der Ankommen leichter macht und Lützel sichtbarer werden lässt.

Der Bahnhof ist für viele Menschen ein Alltagsort: Pendlerinnen und Pendler nutzen ihn auf dem Weg zur Arbeit, Schülerinnen und Schüler steigen hier ein und aus, Radfahrende queren die Umgebung, Besucherinnen und Besucher kommen zu Veranstaltungen oder gehen weiter Richtung Kulturfabrik, Rhein oder Innenstadt. Trotzdem fehlt dem Platz bisher das, was einen guten Stadtteilort ausmacht: klare Wege, Aufenthaltsqualität, Sicherheit und ein Gefühl von Orientierung.

Das soll sich ändern. Seit Oktober 2024 gehört der Bahnhofsvorplatz der Stadt Koblenz. Damit ist ein wichtiger Schritt gemacht, um den Bereich langfristig neu zu entwickeln. Ziel ist ein Platz, an dem Bahn, Bus, Fahrrad und weitere Mobilitätsangebote besser zusammenspielen. Wer hier ankommt, soll künftig einfacher weiterkommen - zu Fuß, mit dem Rad, mit dem Bus oder mit Sharing-Angeboten.

Bauarbeiten beginnen 2027

Besonders wichtig werden dabei die anstehenden Bauarbeiten am Bahnhof und am Bahnhofsvorplatz, die ab 2027 beginnen sollen. In diesem Zusammenhang soll auch die heutige Unterführung verändert werden. Vorgesehen ist ein breiterer Tunnel Fußgängerinnen, Fußgänger für und Radfahrende sowie eine bessere Verbindung auf die andere Seite der Gleise. Das wäre für Lützel mehr als eine bauliche Verbesserung: Die Gleise, die den Stadtteil an dieser Stelle stark prägen, könnten dadurch weniger trennend wirken. Nach diesen Arbeiten soll auch der Vorplatz selbst neu gestaltet werden. Geplant sind bessere Aufenthaltsmöglichkeiten, mehr Übersicht, Fahrradboxen, Radständer und Angebote wie Rad- oder Carsharing. Aus einem Ort, den man bisher vor allem durchquert, könnte so ein kleines Eingangstor in den Stadtteil werden - heller, nutzbarer und stärker mit seiner Umgebung verbunden.

Zwischennutzung ist gestartet

Bis es so weit ist, bleibt der Platz nicht einfach liegen. Die Zwischennutzung ist bereits gestartet. Im vergangenen Jahr wurden dafür erste Voraussetzungen geschaffen: Wuchernde Pflanzen wurden zurückgeschnitten, die Fläche vor dem Bahnhof für Autos gesperrt und bei einer Ideenwerkstatt Vorschläge aus dem Stadtteil gesammelt. Bauzaunbanner informieren inzwischen über die Geschichte des Bahnhofs und den Wandel des Ortes.

Auch die ersten Aktionen haben gezeigt, welches Potenzial in der Fläche steckt. Schülerinnen und Schüler der siebten Klasse der Goethe-Realschule Plus brachten bei einem Graffiti-Workshop mit dem Künstler Daniel Schmitz, bekannt als dater127, Farbe auf den Platz. Parallel wurde mit dem Rockmobil von Music Live e.V. musikalisch gearbeitet. So wurde aus dem eher grauen Vorplatz für kurze Zeit ein bunter und klingender Experimentierraum.

Kulturfestival vom 16. bis 18. Oktober

Beim Musik-Workshop mit dem Rockmobil von Music Live e.V. probierten Jugendliche Instrumente aus und brachten Leben auf die Fläche.
Beim Musik-Workshop mit dem Rockmobil von Music Live e.V. probierten Jugendliche Instrumente aus und brachten Leben auf die Fläche.

Genau darum geht es in den kommenden Monaten weiter: Lützelerinnen und Lützeler, Vereine und Initiativen sollen den Platz mit eigenen Ideen bespielen. Fest in Planung ist bereits ein Kulturfestival, das vom 16. bis 18. Oktober am und um den Lützeler Bahnhof stattfinden soll. Beteiligt sind der Neue Kunstverein Mittelrhein e.V. (NKVM), lokale Künstlerinnen und Künstler sowie das Quartiersmanagement Stadtgrün Lützel. Auch eine Filmvorführung und eine „Kunst ist Inklusion“-Aktion sind vorgesehen. Damit wird ausprobiert, was funktioniert - und was die Menschen in Lützel wirklich brauchen.

Auch Ideen wie Kunstflächen, ein Bücherschrank, kleine Märkte, Lesecafés oder Konzerte wurden eingebracht. Dahinter steckt der Wunsch, aus dem Bahnhofsplatz mehr zu machen als einen reinen Verkehrsraum. Dem Stadtteil ein freundlicheres Gesicht geben

Gerade diese Beteiligung ist wichtig. Denn der Platz liegt nicht irgendwo, sondern an einer Scharnierstelle des Stadtteils. Was hier entsteht, betrifft nicht nur Reisende, sondern auch die Menschen, die täglich in Lützel unterwegs sind. Ein gut gestalteter Bahnhofsvorplatz kann Wege verkürzen, Angsträume reduzieren und dem Stadtteil ein freundlicheres Gesicht geben. Noch sind viele Details offen. Kosten, Zuständigkeiten, Sicherheit und technische Fragen müssen geklärt werden. Doch die Richtung ist erkennbar: Lützel soll an seinem Bahnhof einen Ort bekommen, der besser zu einem Stadtteil passt, der sich bewegt, wächst und von engagierten Menschen geprägt wird. red