Schon gewusst?

06. August 2026
Schon gewusst?

Foto: Koblenz-Touristik, Dominik Ketz

Der Augenroller am Florinsmarkt

Unter der 1724 eingebauten Turmuhr des Alten Kauf- und Danzhauses befindet sich eine der bekanntesten Figuren der Koblenzer Altstadt: der Augenroller. Seine Augen bewegen sich im Takt des Uhrpendels hin und her. Zu jeder Viertelstunde streckt er zusätzlich frech die Zunge heraus. Die Figur erinnert an einen zum Tode verurteilten Räuber, von dem erzählt wird, er habe vor seiner Enthauptung genau diese Fratze geschnitten – ein letzter Akt der Auflehnung gegen Obrigkeit und Justiz. Was damals als abschreckendes Beispiel gedacht war, ist heute eine der beliebtesten kleinen Attraktionen der Altstadt: Wenn die Glocke schlägt, bleiben Einheimische und Gäste kurz stehen, warten auf Augenrollen und Zunge und zücken nicht selten das Handy. So ist aus einem dunklen Kapitel der Stadtgeschichte ein Stück Koblenzer Humor geworden, das zeigt, wie gern man hier den Mächtigen wenigstens symbolisch die Zunge herausstreckt.

Ein Platz für Lotte Meurer

Mit dem neuen Lotte-Meurer-Platz hat Koblenz einer besonderen Altstadtkünstlerin ein sichtbares Zeichen gesetzt. Der Platz am Altenhof Richtung Münzplatz trägt nun den Namen von Lotte Meurer, die von 1938 bis 2004 lebte und mit ihrem Werk eng mit der Koblenzer Altstadt verbunden war. Die offizielle Schilderfreigabe fand am 10. Juli 2026 statt. Wer durch die Altstadt geht, kann Lotte Meurer bis heute begegnen. Zu ihren bekannten Spuren gehört das Wandbild „Licht des Südens“ im Gebrüder-Dommermuth-Weg, das inzwischen auch mit einem Infotext und QR-Code versehen ist. Sehenswert ist außerdem die von ihr gestaltete „Hauswerbung“ des Kupferschmiede- und Brunnenmeisters Diell in der Florinspfaffengasse 3. 

In der Gemüsegasse erinnert der sogenannte „Lotte-Meurer-Gedächtnispinsel“ an die Künstlerin und ihre Ateliers in der Altstadt – unter anderem in der Jesuitengasse, der Firmungsstraße und zuletzt in der Gemüsegasse. Dass nun ein Platz ihren Namen trägt, würdigt ihr Lebens- und Schaffenswerk dauerhaft im öffentlichen Raum. Die Bürgerinitiative „Unsere Altstadt“ hatte sich bereits zuvor für eine solche Ehrung ausgesprochen. Für Koblenz ist der neue Lotte-Meurer-Platz damit mehr als eine Straßenbenennung: Er ist ein kleines Stück Stadtgedächtnis mitten in der Altstadt.

Koblenz - kurz Landeshauptstadt

Schon gewusst, dass Mainz Koblenz den Hauptstadtstatus „weggenommen“ hat? Nach der Gründung von Rheinland-Pfalz 1946 war Koblenz zunächst Sitz der Landesregierung und prägte als politisches Zentrum die Anfangsjahre des neuen Bundeslandes. Erst 1950 wurde Mainz offiziell Landeshauptstadt – Koblenz blieb zwar Verwaltungssitz wichtiger Behörden, verlor aber den Titel. Wer heute durch die Altstadt läuft oder an den historischen Regierungsgebäuden vorbeikommt, ahnt kaum, dass hier einmal die Weichen für die Nachkriegspolitik in Rheinland-Pfalz gestellt wurden.

Vom Schimpfwort zum Stadthelden: der Schängel

Foto: mh90photo - stock.adobe.com
Foto: mh90photo - stock.adobe.com

Schon gewusst, dass der „Schängel“ früher gar kein Kosename war? Ursprünglich war damit im 19. Jahrhundert spöttisch von Kindern die Rede, die während der französischen Besatzungszeit einen französischen Vater hatten – abgeleitet vom Namen „Jean“. Aus dem einst abwertenden Begriff wurde im Laufe der Jahrzehnte ein liebevoller Spitzname für Koblenzerinnen und Koblenzer. Heute steht der wasserspuckende Schängelbrunnen im Hof des Rathauses als frecher Stadtheld für genau diese Wandlung: ein kleiner Junge, der den Passanten unvermittelt eine Wasserfontäne entgegenpustet – Selbstironie inklusive.