Ein Dorf in der Stadt

Lay hat sich seinen Charakter erhalten

06. August 2026
Ein Dorf in der Stadt

Weinmajestäten, Vereine und zahlreiche Gäste feiern gemeinsam die Eröffnung des Koblenzer Weinfestes in Lay. Foto: Pascal Kettmann

Die Koblenzer Innenstadt hat viele Bereiche, die recht urban wirken. Wer jedoch aus Richtung Altstadt kommend an der Mosel entlang fährt und Rauental sowie Moselweiß hinter sich lässt, hat kaum noch das Gefühl, sich in einer Großstadt zu befinden. Mehrere Kilometer lang sieht man von der Bundesstraße 49 aus nichts weiter als Wälder, Weinberge und den Fluss. Die Ortsschilder belegen dann allerdings, dass auch Lay noch zu Koblenz gehört. Bei der Gebietsreform 1970 wurde das Weindorf eingemeindet – und hat sich in den seither vergangenen 56 Jahren dennoch viel von seinem Charakter als typisches Mosel-Weindorf bewahrt. 

Das zeigt sich schnell, wenn man die Bundesstraße verlässt und einen Abstecher in den historischen Ortskern macht. Hier finden sich noch zahlreiche alte Winzerhäuser, darunter der Marienstätter Hof, der in diesem Jahr sein 400-jähriges Bestehen feiert. Die Geschichte des Ortes reicht jedoch weit darüber hinaus: Ausgrabungen belegen, dass bereits Römer und Franken hier siedelten. Ob auch sie schon Wein anbauten, lässt sich heute kaum mit Sicherheit sagen. Die Weingüter Kollmann, Joachim Mader und Hans Mader pflegen diese Tradition allerdings bis heute. 

Bis 1970 verband eine Fähre Lay mit dem gegenüberliegenden Winningen. Einige Winzer nutzten sie, um ihre Weinberge auf der anderen Moselseite zu erreichen. Heute erinnert vor allem das Weinfest an diese Tradition. Es wird vom 1950 gegründeten Verein „Heimatfreunde Lay e.V.“ veranstaltet und lockt Ende September Besucher aus Koblenz und der gesamten Region an die Mosel. Besonders auf der „Weingass“ im Ortskern wird gefeiert, aber auch auf der Kirmeswiese direkt am Moselufer. Ausgeschenkt werden Weine der Layer Weingüter sowie des Weinguts Johannes Müller aus Güls und des Weinguts Kries aus Dieblich. 

In diesem Jahr beginnt das Weinfest am Freitag, 25. September, um 19 Uhr. Bis Sonntagnachmittag erwartet die Besucher ein abwechslungsreiches Programm mit Konzerten, Wein- und Essensständen, DJ-Partys sowie Angeboten für Kinder. Am Sonntag übergibt Weinkönigin Sophie ihre Krone an ihre Nachfolgerin Lia. 

Nicht nur für seinen Wein ist Lay bekannt. Direkt neben der katholischen Kirche erinnert seit 1997 die Plastik „Layer Kuoleroffer“ an den Spitznamen der Einwohner. Auf Hochdeutsch bedeutet er etwa „Kugelsammler“ und geht auf die preußische Zeit zurück: Damals sammelten ärmere Bewohner die auf dem Schießplatz der höher gelegenen Karthaus verschossenen Bleikugeln ein, um das Material weiterzuverkaufen. 

Der Torbogen heißt die Gäste des Layer Weinfestes willkommen, das Ende September den Ortskern zur Festmeile macht. Foto: Pascal Kettmann
Der Torbogen heißt die Gäste des Layer Weinfestes willkommen, das Ende September den Ortskern zur Festmeile macht. Foto: Pascal Kettmann

Inzwischen sind insbesondere in die höher gelegenen Bereiche des Ortes viele Menschen gezogen, die eine ruhige, stadtnahe Wohnlage und den Blick über die Mosel schätzen. Wo früher landwirtschaftliche Flächen lagen, sind inzwischen zahlreiche Wohnhäuser entstanden. Der Wandel hat jedoch wenig an dem guten Zusammenhalt im Dorf geändert. Das zeigt nicht zuletzt das Engagement der „Heimatfreunde“. Sie organisieren nicht nur das Weinfest, sondern sind auch intensiv im Karneval aktiv. Außerdem pflegen sie das Erscheinungsbild des Ortes sowie den bei Wanderern beliebten „Layer Bergweg“. 

Neben den saisonal geöffneten Straußwirtschaften gibt es auch wieder ein dauerhaftes gastronomisches Angebot: Das letzte Weinrestaurant hatte 2019 geschlossen. Doch seit 2025 bewirten Alo und SihamHussein ihre Gäste wieder im ehemaligen „Weinbergsblick“ – mit regionalen Speisen und Weinen aus lokaler Produktion. 

Auch eine weitere Beeinträchtigung gehört bald der Vergangenheit an. Seit März 2025 wird die B49 zwischen Moselweiß und Lay grundlegend ausgebaut. Neben der Fahrbahn entsteht ein neuer, baulich getrennter Rad- und Gehweg. Nach Angaben des Landesbetriebs Mobilität soll die rund 18,8 Millionen Euro teure Maßnahme bis Ende Oktober 2026 abgeschlossen sein. Sie verbessert die Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer deutlich und schließt zugleich eine wichtige Lücke im Mosel-Radweg zwischen Metz und Koblenz. Vielleicht ist genau das das Besondere an Lay: Obwohl der Stadtteil längst zu Koblenz gehört, fühlt sich ein Spaziergang durch die engen Gassen noch immer wie ein Besuch in einem eigenständigen Moseldorf an. Zwischen Weinbergen, historischen Winzerhäusern und dem Moselufer hat sich ein Stück regionaler Identität erhalten, das den Ort bis heute unverwechselbar macht. Rainer Claaßen