Das Lädjen - Ein Ort für Kreativität und Begegnungen

In der Koblenzer Altstadt ist zwischen Keramikstudio, Atelier und Concept Store ein kreativer Treffpunkt entstanden.

06. August 2026
Das Lädjen - Ein Ort für Kreativität und Begegnungen

Die Auswahl ist groß: ob Koblenz-Souvenirs oder Kunsthandwerk von Künstlerinnen aus der Region. Jen Kluge zeigt stolz, was ihr „Lädjen “ zu bieten hat. Übrigens, das „jen“ im Namen steht für den Vornamen der Besitzerin. Und im hinteren Teil des Lädjens können Töpferrohlinge bemalt und gebrannt werden.

Wer das kleine „Lädjen“ in der Koblenzer Altstadt betritt, sieht Menschen konzentriert über Tassen und Schalen gebeugt und entdeckt neben Regalen voller handgefertigter Keramik immer wieder kleine Besonderheiten aus der Region. Es riecht nach Kaffee, heißer Schokolade und Kreativität. Das „Lädjen“ von Jennifer Kluge ist kein klassisches Geschäft. Es ist Atelier, Werkstatt, Treffpunkt und Schaufenster für regionale Kunst zugleich. 

Erst im Februar eröffnete die Unternehmerin, die sich lieber Jen nennt, ihr neues Konzept – und hat damit einen Treffpunkt geschaffen, der Menschen zusammenbringt. Dabei begann alles mit einer spontanen Entscheidung – und einer gehörigen Portion Mut. 

„Ich war hochschwanger, bin hier rein und habe einfach gefragt, ob schon ein Nachmieter gefunden wurde“, erzählt Jen. Als sie erfuhr, dass das Ladenlokal noch frei war, ließ sie nicht locker. Sie schrieb dem Vermieter kurzerhand per WhatsApp einen Pitch, schickte ihr Vision Board mit und erklärte ihr Konzept: ein offenes Keramikstudio kombiniert mit einem liebevoll kuratierten Laden für regionale Kunst und Koblenz-Produkte. Nur kurze Zeit später erhielt sie die Zusage – ausgerechnet im Krankenhaus nach der Geburt ihrer Tochter. „Es ist manchmal einfach Schicksal“, sagt sie und lächelt. 

Gemeinsam mit ihrer Frau Vivien führt sie heute das Geschäft. Während Jen für die kreative Vision verantwortlich ist, kümmert sich Vivien um Organisation, E-Commerce und alle Abläufe imHintergrund. 

Mut bewiesen die beiden auch finanziell. Rund 50.000 Euro investierten sie in den Umbau – komplett aus eigener Kraft. „Alles selbst finanziert“, erzählt Jen nicht ohne Stolz. Boden, Einrichtung, Brennofen und Warenbestand wurden aus Erspartem bezahlt. Kredite kamen für sie nicht infrage. „Ich bin eher das Team kleine Brötchen backen“, sagt sie. Lieber werde investiert und für die Zukunft aufgebaut, als die Einnahmen sofort wieder auszugeben. 

Herzstück des Geschäfts ist das offene Keramikstudio. Hier können Besucher Tassen, Teller oder Schalen bemalen, die anschließend glasiert und gebrannt werden. Ergänzt wird das Angebot durch besondere Late-Night- Workshops wie „Sprizz & Paint“, die Kreativität mit Genuss verbinden und regelmäßig ausgebucht sind. Während die Kursteilnehmer Rohlinge bemalen, wird Aperol Spritz aus dem benachbarten „Sprizz Atelier“ serviert. So entsteht ein Netzwerk kleiner Unternehmen, die sich gegenseitig unterstützen – und gemeinsam zeigen, wie lebendig lokaler Einzelhandel sein kann. 

Doch mindestens genauso wichtig ist Jen der vordere Ladenbereich. Dort verkauft sie handgefertigte Keramik, Kunsthandwerk und eigens entwickelte Koblenz-Produkte – von Postkarten über Beutel bis hin zu Magneten. Vor allem aber bietet sie regionalen Künstlerinnen eine Bühne. 

„Ich möchte für Handwerk stehen, für Regionalität und vor allen Dingen für Künstlerinnen“, sagt sie. Viele der Frauen fertigen ihre Arbeiten nebenberuflich an. Jen präsentiert ihre Produkte im Laden und stellt sie zusätzlich auf ihren Social-Media-Kanälen vor. „Ich möchte Frauen empowern, ihre Leidenschaft auch zu Geld zu machen. Wenn sie sich damit ein schönes Einkommen aufbauen können, freut mich das total.“ 

Dieses Engagement ist weit mehr als ein Marketingkonzept. Es ist Teil ihrer Überzeugung, dass inhabergeführte Geschäfte eine Stadt lebendig machen. Individuelle Läden würden Menschen zum Verweilen einladen, Touristen anziehen und der Altstadt Charakter verleihen. Petra Dettmer