Wieder einmal bewies die Arbeitsgemeinschaft Koblenzer Karneval, kurz AKK, dass sie weit mehr ist als ein Dachverband. Sie ist Herzschlag, Talentschmiede und Gedächtnis der örtlichen Narrenkultur. Der „Bunte Nachmittag für Alt und Jung“ ist dabei kein nostalgischer Pflichttermin, sondern ein lebendiger Beweis dafür, wie sehr Karneval vom eigenen Nachwuchs lebt.
Über 550 Gäste folgten der Einladung des städtischen Sozialamts und der AKK, darunter viele ältere Koblenzerinnen und Koblenzer. Mit Bürgermeisterin Ulrike Mohrs im Saal und AKK-Vizepräsident Yannik Port als wortgewandtem Reiseleiter durch das Programm wurde schnell klar: Hier feiert eine Stadt mit sich selbst. Über 200 Aktive standen auf der Bühne – fast alle aus Vereinen der Region. Ausgebildet in Trainingshallen und Vereinsheimen direkt vor der Haustür.


Den Auftakt machte die AKK-Garde mit 34 Tänzerinnen und Tänzern. Was dort gezeigt wurde, war kein Zufallsprodukt, sondern Ergebnis kontinuierlicher Nachwuchsarbeit. Viele der Aktiven haben als Kinder begonnen und tanzen heute auf hohem Niveau. Genau dieses Prinzip zog sich durch den ganzen Nachmittag. Deutlich wurde dies beispielsweise bei den Jugendfunken des KC Kapuzemänner aus Kesselheim – der in diesem Jahr die Tollitäten stellt. Ihr Auftritt zeigte, wie wichtig Eigengewächse für die Ortskultur sind: Junge Funken, gewachsen im Verein, präsentierten ein zum Tollitäten-Jahr passendes Programm: In ihrem Tanz wurden Prinz und Confluentia symbolisch nach Rio entführt. Dabei verbanden die jungen Kesselheimer viel Humor mit handwerklicher Präzision und lokaler Handschrift.
Überhaupt spielte der Nachwuchs eine Hauptrolle an diesem Tag. Rund 40 Kinder zwischen fünf und fünfzehn Jahren vom NC Blau-Weiß Niederberg gingen als Tanzgruppe auf die Bühne. Clara Hähn trug gekonnt und auswendig eine anspruchsvolle Rede vor. Ob Annika Lunnebach, das Solomariechen der Gülser Husaren, oder das Tanzpaar Sarah und Patrik, alle standen sie schon in Kinderschuhen im Scheinwerferlicht. Ganz zu schweigen von der halsbrecherischen Akrobatik der drei abschließenden Tanzgruppen: der Gülser Seemöwen, der KG Funken RWG Metternich sowie der NZGR Showtanzgruppe. Nicht zu vergessen das Kinderprinzenpaar, das gefeiert wurde wie die Großen. Dies alles machte deutlich, dass Karneval kein Alterslimit kennt.
Musikalisch hielt Ralf „Icke“ Schmelzer den Nachmittag zusammen und Daniel Ferber überzeugte wie immer mit seiner Stimme bis hin zum gemeinsamen Finale, als Saal und Bühne im „Schängel-Lied“ verschmolzen. Was diesen Nachmittag besonders machte, war nicht der Glanz einzelner Nummern, sondern das Zusammenspiel: Die AKK bot den Rahmen, die Vereine füllten ihn mit Leben. Auf diese Weise bleibt Karneval in Koblenz kein Import, sondern Ausdruck gelebter Ortskultur.
Denn letztlich sind Karnevalisten eine Gemeinschaft, die sich jedes Jahr neu erfindet – und dabei ihren Wurzeln treu bleibt. Dirk Förger
