Hinter den Kulissen des Koblenzer Karnevals

150.000 Jecken, Headsets und kein Feierabend - Warum der Koblenzer Karneval weit mehr ist als Kamelle und Kostüme

24. Januar 2026
Hinter den Kulissen des Koblenzer Karnevals

Einer der Höhepunkte der Session: Die Eröffnung der Session am 11.11. auf dem Münzplatz. Endlich ist es soweit: Auch das Präsidium des AKK freut sich, dass es nun losgeht. Die AKK ist das organisatorische Dach von 43 Mitgliedsvereinen mit insgesamt rund 10.000 aktiven Karnevalistinnen und Karnevalisten in Koblenz. Sie koordiniert Termine, unterstützt Vereine, vertritt ihre Interessen gegenüber Verwaltung und Politik und sorgt dafür, dass Traditionen weiterleben. Fotos: AKK

Wenn am Rosenmontag hoffentlich wieder 150.000 Jecken durch die Koblenzer Innenstadt ziehen, wirkt alles leicht, fröhlich und selbstverständlich. Doch damit der Karneval so reibungslos funktioniert, braucht es eine Organisation, die das ganze Jahr im Einsatz ist: die Arbeitsgemeinschaft Koblenzer Karneval (AKK). Ohne die Arbeit der AKK würde in Koblenz kein Zug rollen, kein Tollitätenpaar proklamiert und keine große Bühne bespielt. 

Sicherheit, Koordination und Überblick

Der Rosenmontagszug ist das sichtbarste Ergebnis dieser Arbeit – „aber organisatorisch auch die größte Herausforderung“, sagt Yannik Port, zweiter Vorsitzender der AKK. Die AKK koordiniert gemeinsam mit Stadt, Polizei und Ordnungsamt ein Sicherheitskonzept, das der Menschenmenge gerecht wird. Kameras, Einsatzkräfte und sogar ein Helikopter gehören dazu. „Darüber können dann auch grobe Schätzungen angelegt werden, wie viele Menschen teilgenommen haben“, erklärt Port.

Für die AKK ist ein gut besuchter Rosenmontag nicht nur ein Grund zur Freude, sondern auch eine Bestätigung: „Das ist doch ein toller Erfolg. Im letzten Jahr kamen 150.000 Besucher. So viele wie noch nie.“ Gleichzeitig steigt mit der Besucherzahl aber auch die Verantwortung. 

Bürokratie statt Bützchen

Was dem Karneval zunehmend zusetzt, ist das Drumherum. Sicherheitskonzepte, Brandschutzauflagen, Zugangskontrollen – all das wird strenger. „Das wird jedes Jahr ein bisschen mehr“, sagt Port. Und das kostet Zeit, Nerven und Motivation. „Bürokratie zieht sich auch im Karneval durch, leider“, fasst er zusammen. Noch gehe kein Verein daran kaputt, „aber die Motivation, sich zu engagieren, lässt dadurch eher nach“.

Wer sich ehrenamtlich engagiere, stoße zunehmend auf Hürden. Genau hier sieht die AKK eine ihrer wichtigsten Aufgaben: Rahmenbedingungen schaffen, damit Vereine weiter Karneval machen können. 

Ehrenamt unter Hochspannung

Für Yannik Port selbst ist Karneval längst mehr als Feiern. Als Vizepräsident der AKK, Vorstandsmitglied im Heimatverein, Sitzungspräsident und Tänzer ist er das ganze Jahr beschäftigt.
Für Yannik Port selbst ist Karneval längst mehr als Feiern. Als Vizepräsident der AKK, Vorstandsmitglied im Heimatverein, Sitzungspräsident und Tänzer ist er das ganze Jahr beschäftigt.

Am Rosenmontag selbst feiert das AKK-Präsidium nicht im Zug – es arbeitet. Ausgestattet mit Headsets sind die Präsidiumsmitglieder an verschiedenen Stellen in der Stadt verteilt, um den Ablauf zu überwachen. „Wir versuchen, den Zug so flüssig wie möglich laufen zu lassen“, sagt Port.

Bleibt ein Wagen hängen oder entsteht eine Lücke, wird sofort reagiert. Einer meldet, der andere stoppt den Zug vorne, ein dritter koordiniert mit Sicherheitskräften. Erst wenn der letzte Wagen von Prinz und Confluentia die Stadt verlassen hat, und alles reibungslos lief, fällt die Anspannung ab. „Und dann gibt es vielleicht ein Abschlussbier“, sagt Port. Meistens sei man dann aber einfach nur erschöpft. 

Karneval hört nicht am Aschermittwoch auf

Während für die meisten nach dem Rosenmontag die tollen Tagen vorüber sind, beginnt für die AKK bereits die nächste Planungsphase. „Ich bin jetzt schon mit der Planung für nächstes Jahr beschäftigt“, sagt Port. Die Schängelschiffe mussten schon im letzten Jahr für 2027 reserviert werden. Mit dem Eintritt der beiden Schiffsfahrten, auf denen jeweils 1600 Besucher Platz finden, wird u. a. der Rosenmontagszug finanziert. Ebenso muss die Rhein-Mosel-Halle langfristig gebucht und das Programm für den 11.11. frühzeitig zusammengestellt werden.

„Das ist klassischer Verwaltungskarneval“, beschreibt Port seine Aufgabe als Vizepräsident. Papierarbeit, Absprachen, Verträge – all das gehört genauso dazu wie Kamelle und Kostüme.

Nachwuchs? Ja - aber nicht überall

In den Karnevalsvereinen zeigt sich ein gemischtes Bild. „Das ist stark vereinsabhängig“, erklärt Port. Manche Vereine wachsen, andere kämpfen mit Nachwuchssorgen. Besonders erfolgreich sind jene, die auf Tanz setzen: „Die Vereine, die eine Tanzgruppe haben, die haben Mitgliederzuwachs. Gerade die jungen Mädels bekommt man damit problemlos.“

Schwieriger ist es dagegen auf der Bühne mit Worten. Der klassische Büttenredner hat es schwer. „Der Rednerbereich ist momentan so ein bisschen am Schwächeln“, sagt Port offen. Comedy sei heute überall verfügbar – auf Instagram, TikTok oder YouTube. Sich live auf eine Bühne zu stellen koste Mut und ein gutes Gespür für Stil: politisch, klassisch oder Standup? Eine Entscheidung, die nicht jedem leichtfällt. 

Karneval als Gemeinschaftsprojekt

Trotz aller Probleme ist Port überzeugt, dass der Karneval in Koblenz Zukunft hat. Vereine verbinden Generationen, Kinder wachsen hinein, neue Formate entstehen. „Der Karneval wird hier auf jeden Fall nicht aussterben“, sagt er.

Dass das so bleibt, liegt vor allem an der Arbeit der AKK – einer Organisation, die meist unsichtbar bleibt, aber dafür sorgt, dass Koblenz jedes Jahr aufs Neue feiern kann. Petra Dettmer