Als Kinderprinzessin Stella und Kinderprinz Maurice, genannt Momo, im November feierlich inthronisiert wurden, begann für die zwölfjährigen Zwillinge eine ganz besondere Zeit. „Seitdem ich sechs bin, wollte ich Karnevalsprinzessin werden“, sagt Stella mit leuchtenden Augen. Damals hatte ihre ältere Schwester Chantal das Amt inne. Seitdem war für die Zwillinge klar: Das wollen wir auch!
Die Inthronisation war ihr erster großer öffentlicher Auftritt – mit vielen befreundeten Karnevalsvereinen, Gratulanten und sogar dem Koblenzer Oberbürgermeister, der die über 60 Jahre alte Tradition des Kinderprinzenpaares ausdrücklich würdigte. Gemeinsam mit dem Möhnenverein Fidele Mädcher Wallersheim stellen die KG Rheinfreunde aus Neuendorf seit 1964 im jährlichen Wechsel das Kinderprinzenpaar. Eine Kooperation, die einzigartig in Koblenz ist – und weit über die Stadtteile hinausstrahlt. Kurz nach der Inthronisation folgte schon der erste externe Termin: die Verleihung des Ordens „Pour de Carneval“ durch das Närrische Corps Blau-Weiß Niederberg – eine Veranstaltung mit vielen Gästen aus Wirtschaft und Gesellschaft. Und Stella und Momo meisterten ihren Auftritt souverän. Zwei Minuten Redezeit, Lampenfieberinklusive.


Bühne frei für zwei, die es lieben
Worauf sie sich in der Session am meisten freuen? „Auf der Bühne stehen“, sagen sie fast gleichzeitig. Auch wenn vor den ersten Auftritten noch die Knie zitterten – danach wurde es immer leichter. Die Lernbehinderung der beiden, die die Schule am Bienhorntal besuchen, gerät dabei schnell in den Hintergrund.
„Nachdem wir 2023 einen Inklusionswagen ins Leben gerufen haben, um auch Menschen mit Handicap die Teilnahme am Koblenzer Rosenmontagszug zu ermöglichen, haben wir uns in diesem Jahr ganz bewusst für Momo und Stella als Kinderprinzenpaar entschieden“, sagt Dennis Kreuter, Vorsitzender der KG Rheinfreunde, und betont dabei, dass neben dem Traditionsbewusstsein zum Selbstverständnis seines Vereins auch ein Offensein für Neues gehört.
Zur Tradition gehört auch, dass Stefan Strunk, der Sitzungspräsident der KG Rheinfreunde, die Reden für „seine“ Kinderprinzenpaare schreibt. Inhaltlich erzählen Stella und Momo von dem, was ihnen wichtig ist: von Geschwistern, Tanzgruppen und natürlich vom gemeinsamen Spaß am Karneval. Stella tanzt sogar weiterhin bei den „Rheinsternchen“ mit – trotz Prinzessinnenamt. „Das hat sie sich nicht nehmen lassen“, sagt ihre Mutter Melanie Panus. „Am Ende des Gardetanzes ist Stella extra noch in die Choreografie eingearbeitet worden.“
Karneval ist Familiensache
Ohne die Unterstützung der Familie wäre das alles nicht möglich. Melanie Panus begleitet ihre Kinder zu fast allen Auftritten – zwischen 50 und 60 Termine kommen in dieser Session zusammen. Schulen und Kitas, Seniorenheime, Karnevalssitzungen, Umzüge: Der Kalender ist voll. Wenn sie beruflich nicht kann, springen die älteren Geschwister ein.
„Ich mache das gern“, sagt die alleinerziehende Mutter. Sie selbst ist seit neun Jahren im Karneval aktiv, spätestens seitdem ihre Tochter Chantal Kinderprinzessin war, wurde sie komplett mit dem Karnevalsvirus infiziert. Sie half zunächst im Hintergrund und jetzt aktiv beim Wagenbau. Heute kann sie sich ein Leben ohne Karneval gar nicht mehr vorstellen – der Karnevalsvirus hat die gesamte Familie gepackt.
Auch Schule und Lehrkräfte ziehen mit: An Auftrittstagen werden Stella und Momo freigestellt. „Die Schule unterstützt uns total“, sagt die Mutter dankbar.
Ein Wagen, der verbindet
Ein sichtbares Symbol dieses Gemeinschaftsgeistes ist der Kinderprinzenwagen. Gebaut wird er von der Wagenbaugruppe der Rheinfreunde, die von der Rosenmontagszug-Jury schon mehrfach mit Prämierungen ausgezeichnet wurde. Zu den sieben Aktiven gesellen sich die Eltern des Kinderprinzenpaares, des Gefolges und Helfer. Seit März des vergangenen Jahres wird bereits geplant, geschraubt, gestrichen und gestaltet.
„Gerade beim Wagen des Kinderprinzenpaares sagen wir ganz bewusst: Die Eltern bauen für die Kinder“, erklärt Dennis Kreuter. Der Wagen fährt nicht nur im Rosenmontagszug mit. Am Sonntag zuvor gibt es einen eigenen Umzug zu Ehren des Kinderprinzenpaares durch Neuendorf und Wallersheim.
Hofstaat äußerst beliebt: Sogar ein Casting fand statt
Zum Kinderprinzenpaar gehört auch ein eigener kleiner Hofstaat: Till Lena, Till Mia, Hofmarschallin Ronja, Schatzmeisterin Mia und Page Ron sind es in dieser Session. „Es gab mehr Bewerbungen als erwartet“, sagt Kreuter erfreut. Für manche Positionen musste sogar ein Casting der Kinder durchgeführt werden. Karneval soll hier offen sein für alle, unabhängig von Herkunft oder individuellen Voraussetzungen.
Vorfreude auf den Höhepunkt am Rosenmontag
Der Rosenmontag wird das große Finale – mit Kamellewerfen vom eigenen Wagen, mitten im Zug. „Da gucken wir, ob wir Leute kennen“, sagt Momo grinsend. Wer bekannt ist, bekommt vielleicht ein bisschen mehr.
Und wenn am Ende der Session alles vorbei ist? Dann bleibt vor allem eines: gemeinsame Erinnerungen. Und die Gewissheit, dass Karneval mehr ist als Kostüm und Süßigkeiten – nämlich Zusammenhalt, Ehrenamt und ganz viel Herz, schon bei den Jüngsten. Petra Dettmer
