
Es gibt Menschen, die wachsen in die Fastnacht hinein, weil sie sie erleben. Und es gibt Menschen, die sie tragen – als Teil ihrer Biografie, als Haltung, als Selbstverständnis. Oliver „Oli“ Schröder gehört zur zweiten Sorte. Wer den 53-Jährigen kennt, weiß: Karneval ist für ihn keine Saison, sondern ein Lebensgefühl.
Geboren im Evangelischen Stift Koblenz, aufgewachsen in Neuendorf, hat er früh das Rüstzeug eines Schängels mitbekommen: Bodenständigkeit, Humor und die Fähigkeit, das Leben mit einer gewissen Leichtigkeit zu nehmen. Die ersten Orden hingen bei ihm nicht irgendwo – sie hingen im Kinderzimmer. Vater Schröder war im Vorstand der Kapuzemänner, und so erhielt Oliver schon 1986 seine erste Auszeichnung. Ein Moment, der viel mehr war als ein Stück Metall: Es war ein Versprechen für eine Zukunft im Karneval.
Ein Lebensweg zwischen Zeitung und Narrenzunft
Sein Weg führte ihn zunächst in die Welt der Zahlen und Strukturen – Wehrdienst im Bundeswehrzentralkrankenhaus, Mathematikstudium, später die Ausbildung zum Verlagskaufmann. Seit fast 30 Jahren ist Schröder bei der Rhein-Zeitung tätig, heute als Geschäftsführer der Logistiktochter Mittelrhein LastMile mit Verantwortung für die Zustellung. Dieser berufliche Hintergrund verrät viel über ihn: Er ist jemand, der organisiert, strukturiert, der weiß, wie man Teams führt und Abläufe zum Laufen bringt. Eigenschaften, die ihm im Karneval besonders zugutekommen.
Privat lebt Schröder in St. Sebastian. Mit seiner Frau Ursula, die selbst bei der Narrenzunft Gelb-Rot aktiv ist, teilen sich gleich zwei mit Leidenschaft gefüllte Karnevalskalender. Die beiden Söhne Leo und Simon wachsen mit dem, was in der Familie Schröder selbstverständlich ist: Fastnacht ist etwas, das man lebt.
Vier Jahrzehnte Engagement - und ein Traum, der reifte

Wer Schröders Laufbahn betrachtet, erkennt schnell: Hier handelt es sich nicht um einen Mann, der irgendwann „eingestiegen“ ist. Seine 40 Jahre im Karneval zeigen die ganze Spannweite eines Fastnachtslebens. 1990 stand er im Gefolge von Prinz Otto und Confluentia Elke. In den 1990ern wirbelte er bei der Tanzgarde der Narrenzunft Gelb-Rot über die Bühnen, erzählte Geschichten als Teil der Rednergruppe „Märchenwald“ und tanzte in Männerballetten – mit einem Spaß, der ansteckend war.
Ein entscheidender Moment folgte 2002: Als Mundschenk von Prinz Jupp und Confluentia Jenny erlebte er eine Session, die ihn prägte. Damals, so sagt er selbst, entstand der Wunsch, eines Tages Prinz der Stadt zu werden.
Sein Engagement ging weit über die Bühne hinaus. Seit 2004 ist er im Vorstand der Kapuzemänner aktiv, zunächst als zweiter Vorsitzender, seit 2008 als erster Vorsitzender – ein Mann, der Verantwortung nicht scheut, sondern gestaltet.
Der Blick auf 2026 - ein Versprechen an die Schängel
Im Herbst 2021 erhielt der Verein die Zusage zur Tollitätenstellung für die Session 2025/26. Seitdem wächst etwas, das Schröder schon lange in sich trägt: die Vorfreude. Für ihn ist es nicht nur eine Aufgabe, sondern eine Ehre. Und eine, die er mit der ihm eigenen Mischung aus Organisation, Herz und Humor angeht.
Sein Versprechen ist klar formuliert: Gemeinsam mit seinen Kapuzemännern will er eine Session gestalten, die mitreißend, fröhlich und unvergesslich wird. Ein Satz, der weit mehr ist als eine Floskel. Er fasst zusammen, was er lebt – seit seiner Kindheit, seit seinen ersten Bühnenmomenten, seit seinem ersten Orden.
„Aus Koblenz. Aus Leidenschaft.“: Ein Motto, das seine Geschichte auf den Punkt bringt. red
