Materna in Koblenz: Neuer Standort zwischen Defence, Digitalisierung und Visionen

IT- und Beratungsdienstleister baut Präsenz aus, stärkt Nähe zur Bundeswehr und setzt auf Innovation in Logistik, Sicherheit und KI – mit Rückkehrer Ulrich Bötzel an der Spitze.

07. Mai 2026
Materna in Koblenz: Neuer Standort zwischen Defence, Digitalisierung und Visionen

Senior Vice President Ulrich Bötzel freut sich über den neuen Standort in Koblenz. Hier wird der Bereich Defence von Materna neu aufgebaut. Foto: Petra Dettmer

Koblenz ist um einen bedeutenden Player reicher: Der IT- und Beratungsdienstleister Materna hat sich neu in der Stadt positioniert – mit klarer strategischer Ausrichtung. Mit Ulrich Bötzel kommt ein Schängel als Senior Vice President wieder zurück in die Heimat. „Ich bin in Koblenz geboren und aufgewachsen“, sagt Bötzel. Für ihn sei es wichtig gewesen, „hier auch wieder eine Heimat zu bieten“ – vor allem für viele Mitarbeitende aus der Region, die bislang überwiegend im Homeoffice gearbeitet haben. Der neue Standort soll genau das ändern: mehr Austausch, mehr Identität, mehr Nähe. 

Nähe zum Kunden als strategischer Vorteil

Neben der persönlichen Verbundenheit spielt ein weiterer Faktor eine zentrale Rolle: Koblenz ist ein Schlüsselstandort für die Bundeswehr. Mit dem Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung (BAAINBw) sitzt hier einer der wichtigsten Auftraggeber im Defence-Bereich. „Da ist es wichtig, auch vor Ort präsent zu sein“, erklärt Bötzel, um Beziehungen zu stärken und Projekte enger zu begleiten. Bötzel selbst war Offizier und ist seit über 30 Jahren im Defence-Umfeld tätig. 

Vom Behörden-Dienstleister zum Defence-Spezialisten

Materna ist kein Neuling auf dem Markt. Das 1980 gegründete Unternehmen der Familien Materna und an de Meulen mit Sitz in Dortmund beschäftigt mehrere tausend Mitarbeitende und war lange vor allem im öffentlichen Sektor aktiv – von Bundesministerien bis hin zu zentralen IT-Strukturen des Bundes. Doch mit der neuen strategischen Ausrichtung gewinnt ein Bereich deutlich an Gewicht: Defence – Verteidigung. „Die Materna Gesellschafter haben beschlossen, Defence aus dem Public-Sektor herauszunehmen und ein eigenes Portfolio aufzubauen“, beschreibt Bötzel den Grund für die Niederlassung in Koblenz.

Heute geht es längst nicht mehr nur um klassische IT-Dienstleistungen. Materna verbindet Softwareentwicklung mit strategischer Beratung, Prozessoptimierung und innovativen Technologien. 

Was Materna eigentlich macht

Für Außenstehende ist das Geschäft oft schwer greifbar. Ulrich Bötzel bringt es mit einem Augenzwinkern auf eine einfache Formel: „Alles, was irgendwie klickbar ist.“ Tatsächlich steckt hinter dieser Aussage ein breites Spektrum an Leistungen. Materna entwickelt Softwarelösungen für die Bundeswehr, berät bei komplexen Geschäftsprozessen und arbeitet an digitalen Plattformen für Logistik, Kommunikation und Sicherheit.

Ein Beispiel ist die militärische Logistikdrehscheibe Deutschland: Hier geht es darum, Truppenbewegungen effizient zu planen – inklusive Routen, Transportmitteln und Zollabwicklung. „Wir digitalisieren im Grunde genommen die Logistik“, erklärt er. „Dazu gehört auch im Ernstfall, die Kapazitätsplanungen von Verfügbarkeiten des Sanitätsdienstes. Wie viele und welche Verletzten können in welches Krankenhaus mit welchen Transportmitteln verbracht werden.“ Aber auch die Drohnendetektion und -abwehr gehört zum Portfolio von Materna.

Auch im Alltag begegnet man Technologien des Unternehmens häufiger, als man denkt. Die bekannte Warn-App „NINA“ stammt ebenso von Materna wie Systeme zur Verkehrssteuerung auf deutschen Autobahnen. Diese könnten im Ernstfall sogar genutzt werden, um militärische Transporte gezielt zu priorisieren. 

Sicherheit, Kl und digitale Infrastruktur

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Schutz kritischer Infrastrukturen. Mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz analysiert Materna beispielsweise Videodaten, erkennt unbefugte Personen und erstellt automatisch Lagebilder. „Der Störfaktor ist oft der Mensch“, sagt Bötzel. „Eine Kamera allein reicht nicht – entscheidend ist die intelligente Auswertung.“ Auch sichere Kommunikationslösungen gehören zum Portfolio. Spezielle Apps sorgen dafür, dass sensible Daten auf mobilen Endgeräten gesichert sind – selbst dann, wenn private Smartphones genutzt werden. „Ultramobile Kommunikation läuft im BMVg über unsere App, unabhängig ob Android oder iOS.“ 

Zufriedenheit - mit Luft nach oben

Mit dem Start in Koblenz zeigt sich das Unternehmen zufrieden. Die Zusammenarbeit mit Kunden funktioniert, der Kontakt zur Wirtschaftsförderung ist gut, und das Team fühlt sich vor Ort wohl. Und doch sieht Bötzel ungenutztes Potenzial: „Das Netzwerk könnte besser funktionieren.“ Vor allem das Thema Defence werde in Koblenz und Rheinland-Pfalz noch nicht ausreichend genutzt. Andere Bundesländer seien hier deutlich weiter – mit gezielten Initiativen, Veranstaltungen und politischer Unterstützung. „Warum gibt es solche Formate nicht hier?“, fragt Netzwerker Bötzel. „Warum sagt man nicht: Lass uns gemeinsam etwas aufbauen?“ 

Visionen für die Region

Seine Vorstellungen gehen über das eigene Unternehmen hinaus. Er wünscht sich ein starkes Netzwerk aus Wirtschaft, Politik und Forschung – und denkt sogar an ein Innovationszentrum für Defence und Gesundheitswesen. „Es gibt zwei Bereiche, die in Zukunft besonders wichtig sind: Defence und Health. Und wir haben beides hier“, sagt er. Koblenz bringe ideale Voraussetzungen mit: Bundeswehr, Krankenhäuser, Industrie. Nun gehe es darum, diese Stärken stärker zu verknüpfen. 

Ein Standort mit Perspektive

Materna versteht sich in Koblenz nicht nur als neuer Arbeitgeber, sondern als Teil einer größeren Entwicklung. Die Ansiedlung ist ein Signal: für Wachstum, für Innovation – und für das Vertrauen in die Region. „Ich wünsche mir, dass wir hier gemeinsam etwas aufbauen – für die Wirtschaft und für die Zukunft“, so Bötzel. Petra Dettmer