Vielfalt macht Bildung komplett

Berufsbildende Schulen in Neuwied setzen auf individuellen Austausch für ein facettenreiches Miteinander

17. Januar 2026
Vielfalt macht Bildung komplett

Foto: Drazen - stock.adobe.com

Es geht um Anerkennung, Wertschätzung und um gleiche Chancen auf Bildung und Erfolg: Das ist Vielfalt. Seit Jahren zeichnet sich die Gesellschaft in Deutschland und auch in Neuwied durch einen Facettenreichtum aus, der Stadt und Land besonders macht und wachsen lässt. Doch nirgendwo zeigt sich der Begriff der Vielfalt und Vielseitigkeit so stark wie an Schulen. In Neuwied sind es vor allem die berufsbildenden Einrichtungen, die mit ihren zahlreichen Bildungsabschlüssen, ihrer internationalen Schülerschaft und ihrem Bestreben nach Austausch, Kreativität und Individualität das Thema nicht nur ins Zentrum rücken, sondern zum gelebten Alltag machen. An der Alice-Salomon-Schule (ASS), der David-Roentgen-Schule (DRS), der Ludwig-Erhard-Schule (LES) sowie der BBS Heinrich-Haus setzten sich seit Jahren Lehrerinnen und Lehrer sowie Schülerinenn und Schüler gleichermaßen für Vielfalt ein – und diese betrifft nicht nur die Projekte und das Lehrangebot, sondern auch den täglichen Umgang miteinander. 

Seien es Austauschprogramme, demokratische Lehrinhalte oder das Streben nach mehr Bildungsgerechtigkeit: An der Alice-Salomon-Schule setzen sich Schulleiterin Doris Schulte-Schwering und ihr Kollegium schon lange für ein vielfältiges Miteinander ein. Besonders stolz ist man zum Beispiel auf das Berufsvorbereitungsjahr, das sich insbesondere an junge Menschen mit Migrationshintergrund oder besonderem Unterstützungsbedarf richtet. „Wir fördern sprachliche, soziale und fachliche Kompetenzen und unterstützen die Schüler und Schülerinnen gezielt beim Übergang in Ausbildung oder Beruf“, erklärt Schulte-Schwering. Auch das Startchancen-Programm rückt Vielseitigkeit in den Mittelpunkt, indem Schüler individuell gefördert werden, unabhängig von Herkunft oder sozialen Voraussetzungen, und der regelmäßig stattfindende Demokratietag dient als Beispiel für Meinungsfreiheit und motiviert, Verantwortung zu übernehmen.

„Unser Schuljubiläum stand außerdem ganz im Zeichen von Respekt, Toleranz und gelebter Vielfalt, denn unter dem Motto ›125 Jahre Menschlichkeit‹ wurden zahlreiche Aktionen und Projekte durchgeführt, die das Miteinander an unserer Schule stärken“, berichtet Schulte-Schwering, die auch das vielfältige Miteinander beim Schulsanitätsdienst, die Weltoffenheit beim Erasmus+-Programm und das bewusste Handeln im Sinne der Nachhaltigkeit nicht unerwähnt lässt. 

Wie gelebte Vielfalt aussehen sollte, weiß man auch an der David-Roentgen-Schule. Dort zeigt sich der Facettenreichtum bereits an den verschiedenen Nationen, die gemeinsam lernen, lachen und sich austauschen. Auch die Vielzahl der Schulabschlüsse trage zum Thema Vielfalt bei. Das betont auch DRS-Schulleiter Dirk Oswald: „Es gibt unterschiedliche Schulformen und Bildungsabschlüsse, und auch die Altersstruktur an einer so großen Berufsbildenden Schule steht für Vielfalt.“

Ebenso wie die Alice-Salomon-Schule setzt auch die David-Roentgen-Schule auf den kulturellen Austausch über das Programm Erasmus+, und vielfältige Angebote für nahezu alle Schulformen ermöglichen Auslandspraktika, Gruppenmobilitäten oder Gedenkstättenfahrten. Auch der Besuch von EU-Institutionen, Schulpartnerschaften und die Teilnahme an internationalen Wettbewerben zeigen, wie vielseitig der Schulalltag an der DRS ist. 

„In der Schulentwicklung konzentriert sich ein Handlungsfeld aktuell auf die Themen Demokratie, Vielfalt und Toleranz“, berichtet Oswald, und ergänzt, dass in verschiedenen Fächern aller Klassenstufen feste Bausteine im Unterricht etabliert werden sollen. Ergänzt mit Workshops wie Queernet – Umgang mit Vielfältigkeit – oder durch eine Auseinandersetzung mit aktuellen Themen wie der LBTGQ-Bewegung zeigt sich, dass Vielfalt auch im aktuellen Kontext Anwendung findet.

Syrien, Afghanistan, Ukraine, China, Philippinen, Somalia und Kuba: Wer Vielfalt dieser Art sucht, wird an der Ludwig-Erhard-Schule fündig. Und was auf der einen Seite eine Herausforderung ist, stellt auf der anderen Seite auch eine hervorragende Chance auf Bildungsgleichheit dar, und dies spiegelt sich in zahlreichen Projekten wider. Aktiv sind dabei nicht nur die Lehrerinnen und Lehrer, sondern auch die Schülerinnen und Schüler selbst. So fand Anfang Dezember ein vorweihnachtliches Projekt statt, von dem LES-Abteilungsleiterin Antonia Knoll berichtet: „Klassen des beruflichen Gymnasiums, Fachrichtung Gesundheit und Soziales, bastelten gemeinsam mit dem BVJ-S Weihnachtsbaumschmuck, um damit den Weihnachtsbaum im Foyer der LES zu dekorieren.“ Dabei fungierten die Schüler des BGY als Lernbegleiter. Auf diese Weise lernten die BVJ-Schüler die deutsche Sprache anhand des praktischen Arbeitens. Erst im vergangenen Jahr wurde das Berufsvorbereitungsjahr mit dem Schwerpunkt Sprachförderung in der LES etabliert, das in Zusammenarbeit mit der ASS und dem HeinrichHaus durchgeführt wird. „Grund dafür war die große Menge von Schülern, die durch die ASS alleine nicht mehr bewältigt werden konnte“, sagt Knoll. 

Doch nicht nur bei Schülerprojekten, sondern im gesamten Schulalltag wird das sprachliche Miteinander vielfältig in den Mittelpunkt gerückt. „Die LES weiß, dass Sprache ein Schlüsselfaktor für gelingende Integration und Lernerfolg ist, darum ermöglicht sie herkunftssprachlichen Unterricht und unterstützt mit Sprachfördermaßnahmen“, berichtet Schulleiter Gido Fischer.

Nicht zuletzt ist die LES als UNESCO-Projektschule aktiv, sodass Aspekte wie internationale Verständigung, Frieden, Menschenrechte und Nachhaltigkeit immer wieder in den Schulalltag integriert werden. 

Kaum eine Berufsbildende Schule ist so stark von Vielfalt geprägt wie das Heinrich-Haus. Dass diese aber nicht immer etwas mit Austauschprojekten, unterschiedlichen Ethnien oder facettenreichen Bildungsabschlüssen zu tun haben muss, stellt die BBS immer wieder auf beeindruckende Weise unter Beweis, denn beim Heinrich-Haus setzt man auf offene Projekte, die Schülerinnen und Schüler zusammenführen, durch Kreativität und Aktualität überzeugen und den Teamgeist auf ganz besondere Art und Weise fördern. Das betont auch Frauke Schmitz, die an der BBS unter anderem für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist: „Der Schulalltag lebt von Wissen und Lernen, und auch von Gemeinschaft, Kreativität, Engagement und frischen Impulsen.“ Und wie das aussehen kann, konnte man unter anderem bei der Projektwoche erleben, die im vergangenen Jahr unter dem Motto „Abwechslung erleben – Gemeinschaft stärken“ stand und ein vielfältiges Programm bot. Ein Höhepunkt war dabei ein Theaterprojekt, in dem sich sechs Schülerinnen großen Themen wie Religionsfreiheit und Meinungsfreiheit stellten und dabei Mut, Offenheit und vollen Einsatz bewiesen.

Nicht weniger vielfältig präsentiert sich die von Lehrerin Eva Kerres initiierte Mädchen-Sprechstunde, die sich an junge Frauen richtet und sie unterstützt, ihre persönlichen Potenziale zu entfalten und ein selbstbewusstes und selbstbestimmtes Leben zu führen. „Die Mädchen-Sprechstunde erfuhr im ersten Jahr so viel Zulauf, dass sie auch weiterhin angeboten wird“, freut sich Kerres über den Erfolg und die positive Resonanz bei den Schülerinnen an der BBS Heinrich-Haus.

So unterschiedlich die Ansätze sein mögen, die Berufsbildenden Schulen in Neuwied leben und fördern Vielfalt. Denn alle Schülerinnen und Schüler haben dieselben Chancen verdient und das gleiche Recht auf Erfolg, Bildung und Wachstum.