
Am 5. November vergangenen Jahres führten Schülerinnen und Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrer der BBS Alice Salomon Linz/Neuwied im Rahmen der Festwoche zum 125-jährigen Bestehen ein eigens für diesen Anlass verfasstes Musik-Theaterstück zum Thema „Menschlichkeit“ auf. Die Aufführung fand im Schlosstheater Neuwied statt, das an diesem Abend bis auf den letzten Platz gefüllt war.
Im Mittelpunkt des Theaterstücks steht die Lehrerin Alice, die nach 25 Jahren einen Brief ihrer alternden Mutter erhält. Die Mutter, inzwischen pflegebedürftig, bittet Alice um Unterstützung und appelliert dabei an deren Menschlichkeit. Für Alice stellt diese Bitte eine große Herausforderung dar, da ihre eigene Kindheit durch psychische und körperliche Gewalt seitens der Mutter geprägt war. Sie steht somit vor der schwierigen Frage, ob sie ihrer Mutter aus Menschlichkeit helfen soll oder ob die Vergangenheit diese Hilfe unmöglich macht. Gleichzeitig wird das Thema Menschlichkeit grundsätzlich hinterfragt: Was bedeutet Menschlichkeit wirklich? Wie kann man im Alltag menschlich handeln?
Auf dem Schulhof begegnet Alice schließlich fünf Schülerinnen und Schülern, die mit ihren ganz persönlichen Geschichten unterschiedliche Facetten von Menschlichkeit beleuchten. Diese Begegnungen zeigen Alice, dass die vielfältigen Hintergründe und Erlebnisse ihrer Schülerinnen und Schüler auch vielfältige Perspektiven auf das Thema ermöglichen. So kann Menschlichkeit als Erkenntnis, Gefühl, Traum, Signal oder Haltung verstanden werden. Durch die Vielzahl dieser Sichtweisen gelingt es Alice, Menschlichkeit sowohl im Großen als auch im Kleinen besser zu begreifen. Ob ihr diese Erkenntnisse jedoch bei der konkreten Entscheidung, ihrer Mutter zu helfen, weiterhelfen, lässt das Stück bewusst offen.
Im Sinne des epischen Theaters bleibt es dem Publikum überlassen, nach der Aufführung selbst über die Frage der Menschlichkeit nachzudenken. Text und Regie übernahm Thomas Schweikert.
