
Mohammad Nassereddine – oder wie ihn die meisten nennen: Hamudi – ist Schülersprecher der Alice-Salomon-Schule am Standort Linz. Der 22-Jährige engagiert sich seit zwei Jahren für die Interessen der Schülerinnen und Schüler, und hinter ihm liegt eine ganz besondere Bildungsbiografie.
Nach der Grundschule in Deutschland verbrachte er viele Jahre im Libanon und kehrte mit 18 zurück – mit dem Ziel, seine schulische Ausbildung fortzusetzen.
Zunächst ging es nach Neuwied. Geplant war ein Start im Berufsvorbereitungsjahr Sprache (BVJ-S), doch schnell wurde klar: Dort wäre er unterfordert. Stattdessen begann Hamudi das Berufsvorbereitungsjahr mit den Schwerpunkten Wirtschaft, Pflege und sprachsensibler Unterricht. „Meine Klassenlehrerin hat mich echt gerettet. Sie hat mir so viel beigebracht: wie man mit Behörden schreibt, wie man seine Finanzen regelt und einen Budgetplan aufstellt, wie das mit einer eigenen Wohnung läuft und vieles mehr.“ Hamudi lebt alleine und sorgt für sich selbst. Das merkt man: Er erledigt seine Aufgaben zuverlässig, denkt voraus und übernimmt Verantwortung. Mit Ende des BVJs hat Hamudi die Berufsreife in der Tasche.
Nach dem BVJ absolvierte Hamudi die Berufsfachschule I und II an der Alice-Salomon-Schule. „In der BF I hatte ich Hauswirtschaft – ich sag es Ihnen ehrlich, das war nicht meins, aber ich kann es immer noch gebrauchen. Ich habe dadurch auch gute Jobs in Restaurants gefunden.“ Er wechselte von Neuwied nach Linz und profitierte von den Angeboten der Bildungsgänge, zum Beispiel der Belehrung nach dem Infektionsschutzgesetz, oft „Gesundheitszeugnis“ genannt und nötig für Jobs im Ernährungswesen, sowie dem praktischen und theoretischen Unterricht, der über die Grundlagen der Ernährung, Hygiene und Textilpflege aufklärt. Fächer wie Englisch oder Biologie, die er zuvor kaum oder gar nicht hatte, machten ihm Spaß und brachten ihn voran. Der Wechsel in die BF II gelang ihm: „Auch dort wurde mir viel beigebracht. Meine Klassenlehrer haben so lange nachgefragt, bis man wirklich verstanden hat, worum es geht. Der Unterricht war nie langweilig und immer sehr spannend.“
Hamudi schaffte auch die BF II und erreichte damit den qualifizierten Sekundarabschluss I. In der Höheren Berufsfachschule Sozialassistenz (HBFS) kann er neben dem regulären Abschluss das Fachabitur erwerben. Die zweijährige Ausbildung hat einen hohen Praxisanteil. In wöchentlichen Praxistagen erlebt Hamudi Kita und Grundschule. „Oft ist es hilfreich, dass ich mehrere Sprachen spreche. Gerade in der Kita hat mir auch meine Muttersprache Arabisch weitergeholfen.“
Mit Ende dieses Schuljahres wird Hamudi fünf Jahre an der Alice-Salomon-Schule gewesen sein. „Ich habe im Internet schlechte Bewertungen gelesen, aber ich finde, hier stimmt der Spruch, dass man sich ein eigenes Bild machen muss. Mir hat die Schule echt viel gebracht, die Lehrerinnen und Lehrer sind engagiert, und ich habe hier gute Freunde gefunden.“
Und wie geht es weiter? Wenn Hamudi sein Fachabitur besteht, möchte er studieren. Auch ein Praktikum in der Politik kann er sich vorstellen. Sollte das nicht klappen, plant er die Fachschule für Sozialpädagogik, um Erzieher zu werden. Dann bliebe er der Schule doch noch ein paar Jahre erhalten. Vielleicht wieder als Klassen- und Schülersprecher.
Was er seinem jüngeren Ich sagen würde, mit Blick auf eine Zeit, als unklar war, woher die Möbel für die erste Wohnung kommen sollten oder wie es überhaupt weitergeht? „Glaub an deine Ziele, du kannst sie erreichen! Mach was aus deinem Leben, du hast nur das eine!“ Und als Tipp für alle Schülerinnen und Schüler fügt er noch hinzu: „Und leg das Handy weg!“
