
Walterpeter Twer, gerade mal drei Jahre jünger als die Rhein-Zeitung, schaut damit im Gespräch mit Chefredakteur Lars Hennemann im Wortsinn auf sein Lebenswerk. Und der erfahrene Gesellschafter und Verleger gibt ein klares Versprechen für die Zukunft ab.
Herr Twer, woran denken Sie spontan, wenn Ihnen jemand sagt „Die Rhein-Zeitung wird 80 Jahre alt“? Und warum?
Ich denke daran, dass ich 77 Jahre alt bin und somit nur drei Jahre jünger als die Rhein-Zeitung. Wenn ich vor diesem Hintergrund also sage, dass die Zeitung mein Leben war, dann ist das bestimmt keine zu große Aussage.
Welche besondere Bedeutung hat ein Medium wie die Rhein-Zeitung insbesondere aufgrund seines regionalen Charakters?
Es liefert nicht nur bloße objektive Berichterstattung. Das ist selbstverständlich. Aber vor allem kommt diese Berichterstattung mitten aus dem Umfeld der Bürger und ist für diese geschrieben. Hier sind und bleiben unsere Wurzeln.
Unabhängiger Journalismus wird ungebrochen als wichtig für die Gesellschaft erachtet. Allerdings werden die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, um ihn herzustellen, immer anspruchsvoller. Welche Erwartungen haben Sie an die Politik?
Gar keine mehr. Was hat man uns nicht alles versprochen, etwa bei der Frage, wie man im ländlichen Raum die Zustellung noch rentabel gestalten kann. Dazu stand immer wieder etwas in Koalitionsverträgen, aber nie ist etwas passiert. Stattdessen hat man durch den Mindestlohn etwa für die Rentner, die wir in der Zustellung beschäftigen, sogar alles nochmals verteuert.
Digitales und Papier sind bei der Rhein-Zeitung schon lange kein Gegensatz mehr. Wie sehen und bewerten Sie die Entwicklung der digitalen Angebote unseres Hauses?
Durchaus erfreulich, aber auch hier gilt: Der Köder muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler. Auch hier muss es also immer die Aufgabe der Redaktion sein, sachlich für die Interessen der Menschen zu schreiben.
Zu welchem Teil der Zeitung greifen oder navigieren Sie als erstes oder besonders gerne? Und Warum?
Da möchte ich eigentlich nichts gesondert herausgreifen. Eine Zeitung ist immer ein vollständiges Angebot. Aber natürlich liegt mir die Lokalberichterstattung besonders am Herzen.
Welche Themen und Recherchen der Rhein-Zeitung sind Ihnen bis heute besonders im Gedächtnis geblieben? Und warum?
Das sind im Laufe der Jahre so viele gewesen, dass es fast unmöglich ist, ein Thema herauszustellen. In der jüngeren Vergangenheit ist es aber mit Sicherheit das Ahrtal und die vielfältige Berichterstattung dazu gewesen.
Kurzer Ausblick: Wie wird die Rhein-Zeitung in den nächsten Jahren weiterhin mit der Zeit gehen und gleichzeitig ihren unverwechselbaren Charakter behalten?
Indem sie so berichtet, wie sie es muss und wie unsere Leser das auch weiterhin erwarten können: objektiv, sachlich, nahe bei den Menschen. Wenn es sein muss entschlossen. In dieser Hinsicht kann ich im Namen der Gesellschafter der Rhein-Zeitung das Versprechen abgeben, dass wir in keiner Weise nachlassen werden.
Gesellschafter
Der Mittelrhein-Verlag, in dem die Rhein-Zeitung und ihre Heimatausgaben erscheinen, ist ein Familienunternehmen.
Vorläufer war der Rhein-Mosel-Verlag, den Peter Josef Stein aus Mayen und Dr. Wilhelm Nowack in Koblenz gründeten und der im Frühjahr 1946 die erste Lizenz für die Herausgabe der Rhein-Zeitung erhielt.
Der MRV wurde am 29. April 1948 gegründet von Verlagsdirektor Walter Twer, Chefredakteur Oscar Richardt und Chefredakteur Michael Weber. Die Kaufleute Erich Schneider und Joachim Ulrich wurden als weitere Gesellschafter aufgenommen.
Der MRV wurde in der Ausgabe vom 5. Mai 1948. erstmals im Impressum als Herausgeber der Rhein-Zeitung genannt.
Heute verteilen sich die Anteile an der MittelrheinVerlag GmbH auf drei Gesellschafter: Verleger Walterpeter Twer und sein Enkel Thoren Twer vereinen die Hälfte der Anteile. Die weiteren 50 Prozent hält der Verleger Dr. Olaf Theisen, dessen Vater Werner Theisen 1975 in den Mittelrhein-Verlag eingestiegen war.
