Von Menschen für Menschen

Warum regionaler Journalismus seit 80 Jahren wichtig ist und wichtig bleiben wird

02. Juni 2026
Chefredakteur Lars Hennemann Foto: Kevin Rühle
Chefredakteur Lars Hennemann Foto: Kevin Rühle

Die Rhein-Zeitung wird 80 Jahre alt. Seit 1946 schreiben Redakteurinnen und Redakteure über Themen rund um Rhein, Mosel, Nahe, Ahr, Lahn und Sieg. Und über die wunderschöne Region, die sich um diese Flüsse im nördlichen Rheinland-Pfalz herum erstreckt. Mit ihnen gemeinsam verkaufen Kolleginnen und Kollegen Anzeigen, lassen die Druckmaschinen rotieren, verteilen neben der Zeitung auch Anzeigenblätter und vieles mehr und halten in Verwaltung, Service und Technik alles am Laufen, was ein Verlag jeden Tag braucht, um erfolgreich zu sein.

Die Rhein-Zeitung war und ist erfolgreich. Aus den Anfängen der Nachkriegszeit wuchs mit dem Mittelrhein-Verlag, in dem die Rhein-Zeitung erscheint, ein bedeutendes mittelständisches Unternehmen, das heute über 800 Menschen beschäftigt. Hinzu kommen mehrere Tausend Zustellerinnen und Zusteller. Und natürlich schlägt im Jahr 2026 das Herz des Medienhauses auch längst digital. Die Website rhein-zeitung.de wird über acht Millionen Mal jeden Monat aufgerufen, das E-Paper, das in diesem Jahr bei uns 25 Jahre alt wird, wächst im zweistelligen Prozentbereich, und mit 247GRAD hat sich mittlerweile auch eine ebenso renommierte wie schlagkräftige Digitalagentur unter dem Dach des Verlages eingefunden.

Regionaler Journalismus und alles, was ihn schützt und stützt, hat also in Koblenz nicht nur Tradition, sondern auch jede Menge Zukunft. Eine wichtige Feststellung in Zeiten, in denen in anderen Staaten längst von Nachrichtenwüsten und allem, was diese in einer Gesellschaft auslösen, berichtet werden muss. Redaktionen wie die der Rhein-Zeitung und ihrer Heimatausgaben, in der 120 Menschen arbeiten, sind kein Allheilmittel gegen Hass, Lüge und Hetze, womit wir uns leider immer öfter in unseren alltäglichen Debatten auseinandersetzen müssen. Aber sie sind ein wichtiges Bollwerk im ständigen Ringen um Freiheit, Achtung des Gegenübers und Selbstbestimmtheit.

Das sind und bleiben sie im Übrigen weiterhin trotz aller Unkenrufe, die den Zeitungen schon lange keine Zukunft mehr bescheinigen. Und ferner trotz einer (Wirtschafts-Politik, die die freie Presse zwar gerne in jeder Sonntagsrede lobt, aber danach den Verlagen von montags bis freitags die Latte, über die sie für wirtschaftlichen Erfolg springen müssen, immer höher legt. Erst langsam scheint manchem Funktionär im Angesicht der Erkenntnis, dass man, wenn die freie Presse verschwindet, Demokratie mit globalen Algorithmen und ihren in der Regel einigermaßen wertefreien Besitzern verhandeln muss, ein gewisses Umdenken zu dämmern. Zumindest bei den Akteuren der politischen Mitte. Denen an den linken und rechten Rändern, die weiterhin nur spalten und mit Hilfe vermeintlich ausschließlich segensreicher Technik am Ende jede Freiheit ersticken wollen, sei versichert: Dagegen sind wir weiterhin Bollwerk, das ist seit 80 Jahren unser Auftrag und ist genau deshalb auch seit 77 Jahren im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland abgesichert.

Aber nicht nur das Auf und Ab der Politik prägt unser Verständnis von regionalem Journalismus und macht es so einzigartig und unersetzlich. Wir schreiben über das Leben vor Ort in allen seinen Facetten und Orten: Betriebe, Schulen, Kitas, Sportplätze, Traumpfade, Bahnhöfe, Weinstuben, Arztpraxen, und und und. Und deshalb finden Sie in dieser Beilage 80 Texte von 80 Journalistinnen und Journalisten, die heute, 80 Jahre nach Gründung der Rhein-Zeitung, für sie schreiben. Und vor allem für Sie, liebe Leserinnen und Leser!

Manche dieser 80 Kolleginnen und Kollegen sind schon lange dabei, manche erst seit kurzer Zeit. Jeder und jede hatte sich für diese Beilage der Aufgabe zu stellen, eine einzige Geschichte herauszugreifen, von der er oder sie bis heute sagt „Das ist das Thema, das mich bis heute selbst als Autor und Autorin am meisten bewegt.“ Auf Papier, auf Displays, als Podcast oder als Video.

Deshalb finden Sie diese Geschichten nun hier. Jede für sich vollkommen subjektiv ausgewählt, in loser, zufälliger Reihenfolge. Aber, liebe Leserinnen und Leser: Sie werden sehen, dass diese Geschichten in ihrer Gesamtheit genau das ergeben, was wir jeden Tag tun: Wir bilden das Leben der Region ab. In all seiner Schönheit, seiner Bedeutung, seiner Kultur, seiner Hektik und manchmal leider auch seinem Schrecken.

Es sind Menschen, die das tun. Menschen, die ihren Beruf gelernt haben und diesen Beruf lieben. Sie üben ihn in der Gewissheit aus, dass genau das auch im mit Macht heraufziehenden KI-Zeitalter den Unterschied ausmachen wird. Natürlich setzt auch die Rhein-Zeitung in vielen Abteilungen längst KI in all ihren Spielarten ein. Die Redaktion macht dies auf der Homepage transparent. Aber am Ende entscheiden bei uns immer Menschen über das, was publiziert wird und was nicht.

Noch viel entscheidender ist aber etwas anderes: Natürlich kann KI schneller recherchieren, schreiben und vieles andere mehr als Menschen das jemals konnten oder können werden. Aber KI kennt die Menschen nicht, die in diesen Texten vorkommen. Und deshalb ist es so wichtig und wird es so bleiben, dass die selbst recherchierten Themen, die in der Rhein-Zeitung und in ihren Digitalangeboten Platz finden, auch in Zukunft von Menschen verfasst und verantwortet werden.

80 Jahre Rhein-Zeitung sind somit also gleichermaßen Vermächtnis wie Versprechen. Wir sind und bleiben das maßgebliche regionale Medium im nördlichen Rheinland-Pfalz. Weil wir so arbeiten, wie wir arbeiten. In allen Abteilungen des Verlages. Für Sie, liebe Leserinnen und Leser und für Sie, liebe Kundinnen und Kunden. Wir danken Ihnen für Ihre Treue und Verbundenheit, ohne die unsere Arbeit nicht möglich wäre. Und wir versprechen, Sie dabei nie aus dem Blick zu verlieren. Von Mensch zu Mensch.

Ihr

Lars Hennemann
Chefredakteur

Die Geschichte der Rhein-Zeitung und des Mittelrhein-Verlags

1946 Peter Josef Stein und Dr. Wilhelm Nowack erhalten die Lizenz zur Herausgabe der Rhein-Zeitung. Sie gründen die Rhein-Mosel-Verlag GmbH, die Vorgängerin des Mittelrhein-Verlags.

1948 Verlagsdirektor Walter Twer gründet mit den Chefredakteuren Oscar Richardt und Michael Weber die Mittelrhein-Verlag GmbH (MRV).

1949 Der MRV nimmt in Nassau seine erste eigene Hochdruck rotationsmaschine in Betrieb.

1951 Der MRV errichtet in der Koblenzer Stegemannstraße ein Druckhaus mit leistungsfähigen Maschinen.

1966 Im Koblenzer Industriegebiet Rheinhafen erwirbt der Verlag ein 20.000 Quadratmeter großes Grundstück für ein neues Druckhaus. Die Einweihung ist am 2. Juli 1968.

1969 Die Rhein-Zeitung gibt sich als eine der ersten deutschen Tageszeitungen ein Redaktionsstatut, das die Zuständigkeit von Verlag- und Redaktion regelt. An zwei Augustwochenenden erfolgt ohne Produktionsunterbrechung der Umzug von Setzerei, Redaktion und Anzeigenabteilung von der Stegemannstraße ins neue Druckhaus in der August-Horch-Straße.

1975 Die Gesamtauflage der Rhein-Zeitung überschreitet erstmals die Zahl von 200.000 Exemplaren.

1978
Walterpeter Twer tritt mit 30 Jahren als Gesellschafter und Mitverleger in den Mittelrhein-Verlag ein. Er wird Verlagsleiter, später weiterer Geschäftsführer.

1979 Die RZ-Hilfsaktion HELFT UNS LEBEN gegründet. Am 1./2. September erscheint letztmals eine Ausgabe der Rhein-Zeitung im Bleisatz.

1987 Nach geheimer Vorbereitung erscheint in der Landeshauptstadt erstmals die Mainzer Rhein-Zeitung.

1995 Geburt von RZ-Online: Am 26. Januar startet der Mittelrhein-Verlag die Internetpräsenz seiner Rhein-Zeitung. Erstmals kann die RZ online gelesen werden.

1999 Das neue RZ-Maskottchen für die „Sommerspaß“-Aktion wird von Lesern auf den Namen Summi getauft.

2001 Start des E-Papers am 30. Mai. Erstmals erscheint die Onlineversion der gedruckten Rhein-Zeitung in Printansicht. Der Mittelrhein-Verlag ist damit weltweit Vorreiter.

2004 HELFT UNS LEBEN feiert sein 25-jähriges Bestehen mit einer großen Gala. In den 25 Jahren kamen 25 Millionen Euro für Hilfsprojekte zusammen.

2010 Grundsteinlegung des neuen Druckhauses an der A61. Es wird im Mai 2012 mit zwei hochmodernen Druckmaschinen offiziell eingeweiht. Zugleich startet auch die digitale RZ-Version für iPad und iPhone.

2017 Thomas Regge tritt als neuer Geschäftsführer in den Mittelrhein-Verlag ein. Ab April wird die Rhein-Zeitung im Druckzentrum auf nunmehr drei Offset-Rotationsmaschinen produziert.

2018 Der Mittelrhein-Verlag erweitert sein Druckhaus an der A61 um einen großen Logistik-Komplex und erhöht somit seine Kapazität deutlich.

2020 Baubeginn des neuen Medienhauses des Mittelrhein-Verlages.

2021 Lars Hennemann wird Chefredakteur. Alle Verlagsabteilungen ziehen in das neue Medienhaus.

2023 Der Mittelrhein-Verlag feiert seinen 75. Geburtstag.

2025 Der Mittelrhein-Verlag erwirbt die Koblenzer Digitalagentur 247GRAD.

2026 Die Rhein-Zeitung feiert ihren 80. Geburtstag.