Jede Weltmeisterschaft braucht ihre Gesichter. Spieler, an denen sich Hoffnungen, Träume und manchmal ganze Fußballnationen festhalten. 2026 ist die Auswahl besonders groß: Legenden wollen es noch einmal wissen, Weltklasseprofis stehen im besten Alter, und eine neue Generation drängt mit Tempo, Technik und großer Selbstverständlichkeit auf die größte Bühne des Fußballs.
Kylian Mbappé kennt diese Bühne längst. 2018 wurde er mit Frankreich Weltmeister, 2022 schoss er im Finale gegen Argentinien drei Tore und musste am Ende doch zusehen, wie Lionel Messi den Pokal in die Höhe stemmte. Nun kommt Mbappé in einem Alter, in dem viele große Spieler ihre beste Phase erreichen. Seine Mischung aus Antritt, Abschlussstärke und Kälte vor dem Tor macht ihn zum vielleicht gefährlichsten Einzelspieler des Turniers. Wenn Frankreich weit kommt, wird der Weg fast zwangsläufig über ihn führen.
Messi und Ronaldo: Der letzte Tanz?
Bei Lionel Messi schwingt immer noch Magie mit. Der Argentinier hat 2022 in Katar erreicht, was ihm so lange gefehlt hatte: den WM-Titel. Und doch bleibt die Frage reizvoll, was er bei einem weiteren Turnier noch zeigen kann. Er muss nicht mehr beweisen, dass er zu den Größten der Geschichte gehört. Gerade das kann ihn gefährlich machen. Messi spielt nicht mehr jeden Gegner schwindelig wie in jungen Jahren, aber er sieht weiterhin Pässe, die andere nicht einmal ahnen.
Ähnlich emotional ist der Blick auf Cristiano Ronaldo. Portugal besitzt längst mehr als nur seinen Rekordmann. Bruno Fernandes, Bernardo Silva, Rafael Leão oder Vitinha stehen für eine Auswahl, die technisch stark und breit besetzt ist. Trotzdem bleibt Ronaldo die große Figur. Er ist Symbol, Antreiber und Reizpunkt zugleich. Ob als Stammkraft, Joker oder Leitwolf: Seine Rolle wird eines der großen Themen.
Die neue Generation übernimmt

Der spannendste Name der jungen Garde heißt Lamine Yamal. Spaniens Flügelspieler bringt genau das mit, was ein Turnier entzünden kann: Mut im Eins-gegen-eins, Spielfreude, Tempo und diese Unbekümmertheit, die ältere Gegenspieler nervös macht. Spanien hat nach dem EM-Titel wieder dieses Gefühl, den Ball und den Gegner kontrollieren zu können. Yamal gibt dieser Mannschaft zusätzlich etwas Wildes.
Auch Jude Bellingham passt perfekt in diese Zeit. England hat oft Teams mit großen Namen geschickt, aber selten eine so spannende Mischung aus Kraft, Technik und Torgefahr. Bellingham ist kein klassischer Zehner, kein reiner Achter, kein gewöhnlicher Anführer. Er ist von allem etwas – und genau deshalb so wertvoll. Zusammen mit Harry Kane, Bukayo Saka und Phil Foden kann er England eine offensive Wucht geben, die auch große Gegner beschäftigt.
Samba, Wucht und Torinstinkt
Brasilien sucht seit 2002 den sechsten Stern. Neymar war lange das Gesicht dieser Sehnsucht, doch 2026 dürfte der Fokus stärker auf Vinícius Júnior liegen. Sein Tempo, seine Dribblings und seine Lust am direkten Duell sind brasilianischer Straßenfußball im Hochgeschwindigkeitsformat. Rodrygo und Endrick stehen ebenfalls für eine Offensive, die jederzeit explodieren kann. Die Frage ist wie so oft: Wird aus individueller Klasse auch eine stabile Turniermannschaft?
Norwegen bringt mit Erling Haaland einen Stürmer mit, den kein Verteidiger gern über 90 Minuten bewachen möchte. Haaland braucht nicht viele Ballkontakte, um ein Spiel zu entscheiden. Ein Laufweg, eine Flanke, ein kurzer Moment Unordnung – und schon steht er dort, wo es weh tut. Für neutrale Fans ist seine WM-Premiere ein Gewinn, für Gegner eine Dauerwarnung.
Gastgeber mit großen Gesichtern
Auch die drei Gastgeber haben ihre Figuren. Christian Pulisic ist das Gesicht der USA-Auswahl, die zu Hause mehr will als nur ein ordentliches Turnier. Er bringt Tempo, Torgefahr und Erfahrung aus Europas Topligen mit. Alphonso Davies steht für Kanadas Aufbruch. Kaum ein Außenbahnspieler schaltet so schnell vom Verteidigen ins Angreifen um. Mexiko wiederum wird von seiner Leidenschaft leben – und von Spielern, die wissen, welche Wucht das Estadio Azteca entwickeln kann, wenn das Publikum erst einmal loslegt.
Dazu kommen Stars, die nicht immer ganz oben auf den Favoritenlisten stehen, aber Spiele allein prägen können: Mohamed Salah, wenn Ägypten auf Umschaltmomente lauert. Son Heung-min, der Südkorea seit Jahren trägt. Federico Valverde, der Uruguays Spiel mit Energie, Härte und Klasse antreibt. Jamal Musiala und Florian Wirtz, die mit ihrer Leichtigkeit enge Räume öffnen können.
Am Ende gewinnt selten der größte Star allein. Weltmeister wird, wer aus Talent, Form, Fitness, Teamgeist und Nervenstärke das beste Paket schnürt. Aber die Bilder, die bleiben, gehören oft den Spielern, die in einem einzigen Moment etwas Besonderes schaffen: ein Sprint über den halben Platz, ein Pass durch die letzte Lücke, ein Tor in der Nachspielzeit. Genau auf solche Augenblicke wartet die Fußballwelt. red
