Zukunft des Landkreises Birkenfeld rückt in den Fokus

Beim Zukunftsforum haben Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Verwaltung über die Entwicklung der Region beraten

23. Mai 2026
Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Verwaltung präsentieren beim Zukunftsforum Landkreis Birkenfeld die unterzeichnete Absichtserklärung zur gemeinsamen Standortentwicklung. Foto: IHK Koblenz
Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Verwaltung präsentieren beim Zukunftsforum Landkreis Birkenfeld die unterzeichnete Absichtserklärung zur gemeinsamen Standortentwicklung. Foto: IHK Koblenz

Der Landkreis Birkenfeld sucht nach Antworten auf wirtschaftliche Schwächen, Fachkräftefragen und Lücken in der Infrastruktur. Beim Zukunftsforum Landkreis Birkenfeld ging es deshalb nicht nur um eine Bestandsaufnahme, sondern um die Frage, wie Kommunen, Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung künftig enger zusammenarbeiten können. Am Ende der Veranstaltung stand eine gemeinsame Absichtserklärung zur Standortentwicklung.

Rund 50 Vertreter aus Unternehmen, Politik, regionalen Institutionen und Wissenschaft nahmen an dem Treffen teil. Einen zentralen Bezugspunkt bildete der Zukunftsatlas 2025, den Dr. Anna Heugel von der Prognos AG vorstellte. Die Analyse zeichnet für den Landkreis Birkenfeld ein gemischtes Bild. Er zählt zu den Regionen mit „leichten bis hohen Risiken“. Handlungsbedarf sieht die Studie unter anderem bei Schulabbrüchen, Arbeitslosigkeit, Wirtschaftswachstum, Digitalisierung, Forschung, erneuerbaren Energien und Verkehrsanbindung.

Gleichzeitig verfügt der Landkreis über erkennbare Stärken: moderates Bevölkerungswachstum, Zuzug junger Erwachsener und mehr hochqualifizierte Beschäftigte. Auffällig ist die geringe Zahl unbesetzter Ausbildungsstellen. Laut Zukunftsatlas erreicht der Landkreis hier bundesweit Rang 38. Das spricht für eine enge Verbindung zwischen Betrieben, Schulen und jungen Menschen. Eine besondere Rolle spielt weiterhin die Schmuck- und Edelsteinbranche rund um Idar-Oberstein. Sie prägt die Region kulturell und wirtschaftlich und gibt ihr ein Profil, das nur wenige Standorte in Deutschland vorweisen können. Diskutiert wurde deshalb auch, wie diese Stärke stärker in ein gemeinsames Konzept für die wirtschaftliche Entwicklung eingebunden werden kann.

Aus den Beratungen ergaben sich mehrere Schwerpunkte. Neue Lern- und Arbeitsorte sollen Unternehmen, Studierende und Auszubildende stärker zusammenbringen. Als Ansatzpunkte gelten der Ökompark Heide-Westrich, der Heinrich-Hertz-Campus in Birkenfeld, Netzwerke wie „HartSpröde“ sowie Projekte des Umwelt-Campus zur Kreislaufwirtschaft im ländlichen Raum. Zum anderen sollen kleine und mittlere Unternehmen stärker bei Digitalisierung, Energiefragen und neuen Produktionsformen unterstützt werden. Der Umwelt-Campus Birkenfeld soll dabei eine wichtige Rolle spielen als Partner für Forschung, Beratung und den Transfer von Wissen in die Betriebe. Gerade für kleinere Unternehmen kann dieser Austausch entscheidend sein, weil sie technische und organisatorische Veränderungen oft nicht allein bewältigen können.

Ein weiterer Schwerpunkt bleibt die Infrastruktur. Projekte wie die Hunsrückspange und der Ausbau der B41 wurden als wichtig für Erreichbarkeit, Mobilität und Planungssicherheit genannt. Davon hängen nicht nur Unternehmensentscheidungen ab, sondern auch die Attraktivität des Landkreises für Beschäftigte, Auszubildende und Familien.

Die zum Abschluss unterzeichnete Absichtserklärung enthält noch keinen konkreten Maßnahmenplan. Sie soll zunächst die Zusammenarbeit zwischen Stadt, Landkreis, Verbandsgemeinden, Wirtschaft, Hochschule und Regionalinitiative strukturieren. Die Partner wollen Standortentwicklung, Gewerbeflächen, Infrastruktur sowie Ausbildung, Forschung und Innovation künftig enger abstimmen. Entscheidend wird nun sein, ob aus der gemeinsamen Erklärung belastbare Projekte entstehen. Für den Landkreis Birkenfeld dürfte daran viel hängen seine wirtschaftliche Entwicklung, seine Attraktivität für Fachkräfte und die Frage, ob regionale Stärken künftig besser genutzt werden. red