Polymer hält an Weidenberg fest - Baustart erst 2027

Das Unternehmen plant weiter mit ihrer 50-Millionen-Euro-Investition in Idar-Oberstein

23. Mai 2026
Der Baustart für die geplante Produktionsstätte der Polymer-Gruppe in Idar-Oberstein ist nach aktuellem Stand für 2027, spätestens 2028 vorgesehen. Foto: Mit Kl generiert / ChatGPT
Der Baustart für die geplante Produktionsstätte der Polymer-Gruppe in Idar-Oberstein ist nach aktuellem Stand für 2027, spätestens 2028 vorgesehen. Foto: Mit Kl generiert / ChatGPT

Lange war unklar, wann am Weidenberg tatsächlich gebaut wird. Nun hält die Polymer-Gruppe aus Bad Sobernheim an ihrem Vorhaben in Idar-Oberstein fest - trotz verzögertem Zeitplan und schwacher Konjunktur. Nach aktueller Planung sollen die umfangreichen Erdarbeiten im Industriegebiet „Weidenberg“ 2027 beginnen, spätestens 2028.

Das Projekt reicht zurück ins Jahr 2021. Damals hatte der Kunststoff-Hersteller angekündigt, in Idar-Oberstein eine neue Produktionsstätte aufzubauen. Die Investition wurde mit 50 Millionen Euro beziffert. Bei der Ankündigung war von rund 300 hochwertigen und zukunftssicheren Arbeitsplätzen die Rede. Im Mittelpunkt steht die Tochter Sobico, mit der sich die Polymer-Gruppe stärker auf biologisch abbaubare Kunststoffe ausrichten will.

In der Region war zuletzt Unsicherheit über den Stand des Projekts entstanden. Die Frage lautete: Wann geht es los, und liegt der Bau möglicherweise auf Eis? Nach Darstellung des Unternehmens bleibt der Standort Weidenberg zentraler Bestandteil der Zukunftsstrategie. Der neue Standort soll Wachstumsmöglichkeiten für die Herstellung von Kunststoff-Compounds schaffen.

Verzögerung, aber kein Rückzug

Die Verzögerung fällt in eine schwierige wirtschaftliche Phase. Die Polymer-Gruppe erzielte in den vergangenen Jahren kein Mengenwachstum. Zugleich verweist das Unternehmen auf eine verbesserte Ertragskraft: Das EBITDA stieg von 2023 bis 2025 von 8,4 Millionen Euro auf 9,2 Millionen Euro. Die Kennzahl beschreibt das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Für die kommenden Jahre erwartet die Gruppe nach eigener Darstellung eine Belebung in verschiedenen Geschäftsbereichen, besonders in der Baukonjunktur. Trotz zuletzt sehr schwacher Jahre bestehe in Deutschland ein großer Wohnraumbedarf, der zu einem Aufschwung im Bau führen werde. Für Polymer ist diese Erwartung relevant, weil der geplante Standort Anwendungen im Bausektor ebenso abdecken soll wie im Automobilsektor, im Verpackungssegment und im Konsumgüterbereich.

Einen besonderen Schwerpunkt setzt das Unternehmen weiter auf Biokunststoffe. In diesem Bereich erwartet die Polymer-Gruppe starkes Wachstum. Die Tochter Sobico steht für diesen neuen Geschäftszweig. Biologisch abbaubare Kunststoffe können zum Beispiel in Verpackungsfolien eingesetzt werden. Damit verbindet das Unternehmen seine bestehenden Compound-Aktivitäten mit einem Geschäftsfeld, das stärker auf neue Materiallösungen und Nachhaltigkeit ausgerichtet ist.

Standortfrage mit Signalwirkung

Die Polymer-Gruppe hatte 2021 im Industriegebiet „Weidenberg“ eine Industriefläche von 17,5 Hektar erworben. Das Unternehmen wertet diesen Schritt als grundsätzliche Entscheidung für die langfristige Verwurzelung und Weiterentwicklung der Unternehmensgruppe in der Naheregion.

Auch die städtische Wirtschaftsförderung bewertet das Vorhaben weiter positiv. Sie begleitet das Neubauprojekt nach eigenen Angaben von Beginn an. Auch wenn Berichte über Verzögerungen Fragen aufwerfen, sieht sie das Fundament für das Millionenprojekt als gelegt. Aus ihrer Sicht spricht die gestiegene Ertragskraft trotz konjunktureller Flaute für die Solidität des Vorhabens.

Für Idar-Oberstein bleibt der Zeitplan dennoch entscheidend. Zwischen der Ankündigung 2021 und dem geplanten Beginn der Erdarbeiten 2027 oder spätestens 2028 liegt ein langer Zeitraum. Das erklärt die Unsicherheit in der Region, auch wenn das Untemehmen ausdrücklich an dem Projekt festhält. Wirtschaftlich geht es nicht nur um eine neue Produktionsstätte, sondern um industrielle Wertschöpfung, Beschäftigung und die Frage, wie sich der Standort bei zukunftsorientierten Werkstoffen positionieren kann.

Das Polymer-Projekt zeigt eine typische Spannung regionaler Industrieentwicklung: Große Investitionen brauchen langen Atem, besonders in schwachen Konjunkturphasen. Erst mit dem Beginn der Erdarbeiten wird sichtbar werden, ob aus der langfristigen Standortentscheidung auch konkrete industrielle Erweiterung entsteht. red