Aus einem verlassenen US-Militärlazarett wurde ein Hochschulstandort mit überregional sichtbarem Nachhaltigkeitsprofil: Der Umwelt-Campus Birkenfeld feiert 2026 sein 30-jähriges Bestehen. Der offizielle Festakt für geladene Gäste ist für den 19. Juni geplant, am 20. Juni lädt der Campus zum Tag der offenen Tür für alle Interessierten ein. Das Jubiläum markiert drei Jahrzehnte Entwicklung vom Konversionsstandort zur Nachhaltigkeitshochschule. Die Geschichte des Campus beginnt Anfang der 1990er-Jahre. Auf Initiative des damaligen Birkenfelder Landrats Ernst Theilen beschloss das Land Rheinland-Pfalz 1993, das verlassene US-Militärgelände in Neubrücke in einen neuen Hochschulstandort umzuwandeln. Aus dem früheren Militärlazarett wurde damit eines der prägenden Konversionsprojekte im Hunsrück.
Schon der Start zeigte, dass der neue Standort auf mehr Interesse stieß als erwartet. Zur Eröffnung 1996 waren 120 bis 175 Anmeldungen prognostiziert worden. Tatsächlich begannen mehr als 550 Studierende in den ersten fünf Diplomstudiengängen. Damit entwickelte sich der Campus früh zu einem sichtbaren Bildungs- und Standortprojekt in der Region.
Nachhaltigkeit als Profil
Der Umwelt-Campus ist seit seiner Gründung auf ein konsequent ökologisches Konzept ausgerichtet. Er gilt als Europas erster Zero-Emission-Campus und wird bilanziell vollständig klimaneutral betrieben. Das bedeutet: Die Energie- und Wärmeversorgung wird rechnerisch vollständig aus erneuerbaren Quellen gedeckt. Dazu tragen Photovoltaik, Geothermie und die Nahwärmeversorgung über die Anbindung an das Biomasseheizkraftwerk der OIE bei, das unter anderem regionales Holz und biogene Abfälle nutzt. Ergänzt wird das Konzept durch intelligente Licht-, Lüftungs- und Regenwassernutzungssysteme. So verbindet der Campus akademische Nutzung mit einer ressourcenschonenden Infrastruktur.


Die Ausrichtung hat dem Standort wiederholt überregionale Sichtbarkeit verschafft. Im Oktober 2025 wurde der Umwelt-Campus darüber informiert, dass er den Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2026 in den Kategorien „Schulen und Hochschulen“ sowie „Aus- und Weiterbildung“ erhält. Bei der Preisverleihung im Dezember 2025 kamen schließlich drei Auszeichnungen zusammen: Neben den beiden angekündigten Preisen erhielt der Campus überraschend auch den Sonderpreis im Transformationsfeld „Gesellschaft“. Auch im weltweiten UI GreenMetric Ranking erreichte der Standort 2025 Spitzenwerte: Platz vier in der Gesamtwertung und Platz eins in der Kategorie „Education and Research“, national bleibt der Campus seit 2017 auf Platz eins.
Forschung mit regionaler Wirkung
Heute engagieren sich am Umwelt-Campus rund 1.700 bis 1.800 Studierende, Lehrkräfte und Mitarbeitende aus mehr als 40 Nationen (Stand Wintersemester 2025/26]. Die beiden Fachbereiche Umweltplanung/-technik sowie Umweltwirtschaft/-recht stehen für eine interdisziplinäre Ausbildung mit starkem Fokus auf den Stoffkreislauf.
Für die Region ist der Campus damit mehr als ein Hochschulstandort. Er steht für Strukturwandel, Fachkräftebindung und praxisnahe Forschung. Projekte in Klimaschutz und Kreislaufwirtschaft haben regionale Strahlkraft. Praxisnahe Forschungsprojekte unterstützen Unternehmen bei der Optimierung komplexer, nachhaltiger Systeme.
Der Umwelt-Campus Birkenfeld zeigt, wie aus Konversion ein Standortprofil entstehen kann. Drei Jahrzehnte nach der Gründung verbindet der Campus Bildung, Forschung, Nachhaltigkeit und regionale Wirtschaft. Für den Kreis Birkenfeld ist das Jubiläum deshalb mehr als ein Rückblick: Es verweist darauf, welche Bedeutung Wissen, Fachkräfte und ökologische Innovation für künftige Standortentwicklung haben können. red
