Bei immer mehr Wohnungen und Unternehmen führt Glasfaser bis in unmittelbare Nähe des Grundstücks. Nach Berechnungen der BREKO-Marktstudie 2026 liegt die Glasfaserausbauquote inzwischen bei 62 Prozent. Mitte 2022 waren es erst 26,4 Prozent. Innerhalb von vier Jahren hat sich der Anteil damit mehr als verdoppelt. Insgesamt gelten derzeit 28,7 Millionen Wohnungen und Unternehmensstandorte als durch Glasfaser erreichbar. Die Untersuchung wurde von IW Consult im Auftrag des Bundesverbands Breitbandkommunikation BREKO erstellt.
Der Weg bis ins Gebäude bleibt weit
Die Ausbauquote allein sagt allerdings noch nicht, wie viele Gebäude tatsächlich einen Glasfaseranschluss besitzen. Als „Homes Passed“ gilt bereits ein Standort, wenn die Glasfaserinfrastruktur in unmittelbarer Nähe des Grundstücks verläuft. Entscheidend für einen Anschluss im Gebäude sind die sogenannten „Homes Connected“. Hier fällt die Quote deutlich niedriger aus: Ende Juni 2026 waren 13,8 Millionen Wohnungen und Unternehmen tatsächlich mit Glasfaser bis zum Gebäude erschlossen. Das entspricht 29,8 Prozent aller betrachteten Wirtschaftseinheiten. Aktiv genutzt werden 7,9 Millionen Anschlüsse. Gegenüber dem Vorjahr kamen 1,3 Millionen gebuchte Glasfaseranschlüsse hinzu. Weil gleichzeitig deutlich mehr Standorte grundsätzlich erreichbar sind, bleibt die sogenannte Take-up-Rate mit 27 Prozent nahezu unverändert.
Weitere Fortschritte erwartet
Auch für die kommenden Jahre erwartet die Studie weitere Fortschritte, allerdings in unterschiedlichem Tempo. Im Basisszenario könnte die Ausbauquote bis Ende 2026 auf 66,3 Prozent steigen. Die Anschlussquote würde demnach 32,4 Prozent erreichen. Für Ende 2030 bewegen sich die Szenarien bei der Ausbauquote zwischen 84,1 und 89,5 Prozent. Bei den tatsächlich angeschlossenen Gebäuden reicht die Spanne von 40,4 bis 53,7 Prozent. Wie schnell der Ausbau vorankommt, hängt nach Einschätzung der Autoren wesentlich von den Investitionsbedingungen ab.
Rheinland-Pfalz holt auf

Auch in Rheinland-Pfalz ist der Glasfaserausbau innerhalb eines Jahres deutlich vorangekommen. Die Ausbauquote stieg von 46,9 Prozent Mitte 2025 auf 56,8 Prozent im Juni 2026. Damit bleibt das Land allerdings unter dem bundesweiten Durchschnitt von 62 Prozent.
Bei der Anschlussquote ist der Abstand geringer. In Rheinland-Pfalz sind inzwischen 28,8 Prozent der Wohnungen und Unternehmensstandorte bis ins Gebäude mit Glasfaser erschlossen. Ein Jahr zuvor waren es 26,9 Prozent. Deutschlandweit liegt der Wert bei 29,8 Prozent.
Besonders weit ist der Norden. Schleswig-Holstein erreicht bei der Ausbauquote 94 Prozent, Hamburg 92,5 Prozent. Bremen kommt auf 88,9 Prozent. Baden-Württemberg liegt mit 45,4 Prozent am unteren Ende des Vergleichs, Bayern erreicht 53,3 Prozent. Bei der Anschlussquote überschreiten bislang nur Schleswig-Holstein mit 66,7 Prozent und Hamburg mit 50 Prozent die Marke von 50 Prozent.
Hohe Kosten belasten Investitionen
Das hohe Ausbautempo trifft nach Angaben der befragten Netzbetreiber auf schwierigere wirtschaftliche Bedingungen. Im Jahr 2025 wurden insgesamt 15,3 Milliarden Euro in neue und bestehende Breitband-Netzinfrastrukturen investiert. Davon entfielen 9,8 Milliarden Euro auf Wettbewerber der Deutschen Telekom und 5,5 Milliarden auf die Telekom selbst.
Gemessen an ihren Außenumsätzen investieren die Wettbewerber besonders stark. Ihre Investitionsquote lag 2025 bei 29,4 Prozent, bei der Deutschen Telekom waren es 20,9 Prozent. Gleichzeitig sind die Kosten gestiegen. Rund drei Viertel der befragten Unternehmen berichten von höheren Tiefbaukosten. Bei den Materialkosten meldeten 26,6 Prozent einen starken Anstieg. Auch Finanzierungskosten belasten die Unternehmen stärker als noch vor einigen Jahren.
Kooperationen gewinnen deshalb an Bedeutung. Fast 90 Prozent der dafür befragten Unternehmen arbeiten beim Ausbau, beim Betrieb oder bei der Vermarktung von Glasfasernetzen mit Partnern zusammen. Auch der bevorstehende Übergang von den bestehenden Kupfernetzen auf Glasfaser spielt für weitere Investitionen eine Rolle. 47,9 Prozent der befragten Netzbetreiber halten es für wahrscheinlich, in Teilen ihrer Ausbaugebiete weniger zu investieren, falls keine klaren und wettbewerbskonformen Regeln für diesen Wechsel geschaffen werden.
Rechenzentren treiben Nachfrage
Zusätzlichen Bedarf an leistungsfähigen Netzen erzeugen Rechenzentren. Nach einer in der Marktanalyse verwendeten Bitkom-Prognose könnte deren IT-Anschlussleistung in Deutschland von rund 2980 Megawatt im Jahr 2025 auf 5040 Megawatt im Jahr 2030 steigen. Besonders dynamisch entwickeln sich Rechenzentren für Künstliche Intelligenz und Hochleistungsrechnen: Ihre Anschlussleistung soll von 530 auf 2020 Megawatt wachsen.
Unter den Netzbetreibern, die bereits eigene Rechenzentren betreiben und zu ihren Ausbauplänen befragt wurden, stimmen 64,2 Prozent der Aussage eher oder vollständig zu, dass die steigende Nachfrage durch Digitalisierung und KI ihre Erweiterungspläne antreibt. „Wer beim KI-Boom mitspielen will, braucht Hochleistungsnetze“, sagt IW-Ökonom Johannes Ewald.
Für die Marktanalyse beantworteten 183 im BREKO organisierte Netzbetreiber zwischen Mai und Juli 2026 einen Fragebogen. Befragt wurden Führungskräfte der Unternehmen. Die Rücklaufquote lag bei 68,3 Prozent. Für einzelne Themenbereiche fällt die Zahl der Antworten geringer aus. Die Befragung wurde zudem mit Daten unter anderem der Deutschen Telekom, der Bundesnetzagentur und der amtlichen Statistik ergänzt. Damit zeigt die Untersuchung vor allem zwei Entwicklungen: Das Glasfasernetz wächst schnell in die Fläche, der tatsächliche Anschluss der Gebäude hält mit diesem Tempo bislang jedoch nicht Schritt. red/IW
