Erst hängen sie dicht an dicht am Baum, wenig später stapeln sich Eimer und Körbe in der Garage. Apfelkuchen ist gebacken, Mus gekocht, Nachbarn und Verwandte sind versorgt. Trotzdem bleibt noch reichlich übrig. Wer die Apfelernte nicht im Gras verfaulen lassen will, kann sie zu Saft pressen lassen. Nach Anmeldung nehmen manche Betriebe bereits 50 Kilogramm an. Je nach Betrieb gibt es den Saft aus den eigenen Äpfeln zurück oder die angelieferte Menge wird mit fertigem Apfelsaft verrechnet.
Welche Äpfel in die Presse dürfen
Der richtige Erntezeitpunkt richtet sich nach der Sorte. Frühe Äpfel sind schon im August reif, späte erst im Oktober. Statt nur auf den Kalender zu schauen, hilft die Drehprobe: Den Apfel leicht anheben und vorsichtig drehen. Löst sich der Stiel ohne Kraft vom Ast, ist die Frucht meist so weit. Braune Kerne allein sagen dagegen noch nicht genug aus.

Mostäpfel müssen keinen Schönheitspreis gewinnen. Kleine Schalenfehler sind kein Problem. Angefaulte, schimmelige, angenagte oder stark beschädigte Früchte haben in der Presse jedoch nichts verloren. Das gilt auch für Äpfel, die länger im nassen Gras gelegen haben. Am besten wird erst kurz vor dem Termin gesammelt. Blätter, Zweige und ungeeignete Früchte lassen sich dabei gleich aussortieren.
Auch auf eine einzige Sorte kommt es nicht an. Süße, säuerliche und herbe Äpfel dürfen gemeinsam verarbeitet werden. Praktisch bei alten Gartenbäumen, von denen niemand mehr weiß, wie die Sorte eigentlich heißt.
Was beim Pressen geschieht
In der Mosterei werden die Äpfel gewaschen und von einer Mühle zu Maische zerkleinert. Daraus holt die Presse den Saft; übrig bleibt der feste Trester. Der Saft läuft durch einen Filter und wird kurz auf etwa 78 Grad erhitzt. Damit werden natürlich vorkommende Hefen inaktiviert, die den Saft sonst in Gärung bringen könnten. Weitere Zusätze braucht es nicht. Wie viel am Ende zusammenkommt, hängt von Sorte, Reife und Saftgehalt ab. Aus 50 Kilogramm Äpfeln werden meist 30 bis 35 Liter Saft.
Zapfhahn statt Flaschenkiste
Viele Mostereien füllen den Saft in Drei-, Fünf- oder Zehn-Liter-Beutel mit Zapfhahn. Der Karton drum herum gibt Halt und schützt vor Licht. Wird Saft entnommen, zieht sich der Beutel zusammen. Luft gelangt kaum hinein. Ungeöffnet kann der Saft bis zu zwei Jahre halten, angebrochen etwa acht Wochen bis drei Monate. Entscheidend sind die Hinweise der jeweiligen Mosterei. Die Boxen stehen am besten kühl und trocken. Schütteln oder auf den Kopf stellen sollte man sie nicht. Den Karton kann man häufig im nächsten Jahr wieder mitbringen.
Ein Grund, die Bäume zu pflegen
Auf den Westerwälder Streuobstwiesen wachsen noch alte Sorten wie Westerwälder Grünling, Kesseltaler Streifling oder Lohrer Rambur. Sie sind im Handel kaum zu finden. Zugleich bieten die Wiesen Tausenden Tier- und Pflanzenarten Lebensraum. Werden die Äpfel genutzt, lohnt sich auch die Pflege der Bäume eher. Was im September zu viel war, steht im Winter als Saft im Keller. red
