Wenn es nach Weihnachten duftet - die Tradition des Plätzchenbackens

Vom Luxusgebäck zum Familienritual: Plätzchenbacken gehört zu den schönsten Bräuchen der Adventszeit

21. November 2025
Wenn es nach Weihnachten duftet - die Tradition des Plätzchenbackens

Aus Teig wird Tradition - mit Sternen, Herzen und viel Mehl in der Luft beginnt der Advent. Foto: matttilda - stock.adobe.com

Es klappert das Blech, Kinderfinger drücken Sterne und Herzen in den Teig, und der Duft von Vanille und Zimt legt sich über das ganze Haus. Spätestens jetzt ist klar: Weihnachten ist nicht mehr weit. Kaum ein Ritual weckt so viele Erinnerungen wie das Plätzchenbacken - eine Tradition, die seit Jahrhunderten Bestand hat und doch jedes Jahr aufs Neue frisch duftet.

Von Klosterküchen und Königshäusern

Süßes Gebäck zu Weihnachten gibt es schon seit dem Mittelalter. In Klöstern wurden zur Feier großer Festtage kleine Honigkuchen und Mandeltaler gebacken - ein Symbol für Freude und Fülle. Zucker, Zimt oder Nelken waren damals kostbare Gewürze aus fernen Ländern und galten als Zeichen von Wohlstand. Nur wohlhabende Familien konnten sich den Luxus leisten, Gebäck mit diesen Zutaten zuzubereiten.

Erst im 19. Jahrhundert wurde das Backen für alle erschwinglich. Der Zuckerpreis fiel, das Backpulver kam auf, und plötzlich dufteten auch in bürgerlichen Küchen die ersten Plätzchen. Aus dem seltenen Luxus wurde ein Familienritual - und aus dem Blech voller Kekse ein Sinnbild für Gemeinschaft.

Backen als Herzenssache

Vanillekipferl, Spekulatius, Zimtsterne - der Duft von Kindheit und Weihnachten zugleich. Foto: photocrew - stock.adobe.com
Vanillekipferl, Spekulatius, Zimtsterne - der Duft von Kindheit und Weihnachten zugleich. Foto: photocrew - stock.adobe.com

Plätzchenbacken ist mehr als Handarbeit - es ist ein Stück Familiengeschichte. Jede Generation bringt ihre eigene Note ein: die Großmutter mit ihrem Rezeptbuch, das längst Butterflecken trägt, die Kinder mit Eifer und Mehl im Haar. Manche backen nach alten Rezepten, andere probieren Neues. Doch am Ende zählt nur der Moment, wenn alle gemeinsam am Tisch sitzen, Teig naschen, lachen und der Duft durchs Haus zieht.

Viele bewahren ihre liebsten Rezepte auf vergilbten Karteikarten, liebevoll mit Anmerkungen versehen: „mehr Zimt“, „nicht zu dünn ausrollen“. Diese Zettel sind kleine Zeitkapseln - Erinnerungen aus Mehl und Zucker. Und wer sie beim Backen in den Händen hält, spürt: Es geht nicht nur um Gebäck, sondern um das Gefühl, etwas weiterzugeben.

Tradition trifft Zeitgeist

Heute ist die Vielfalt größer denn je. Neben klassischen Butterplätzchen und Vanillekipferln gibt es vegane, glutenfreie oder zuckerreduzierte Varianten. Statt aufwendig zu verzieren, setzen viele auf Natürlichkeit - Nüsse, Hafer, Dinkel oder Gewürze aus fairem Handel. Backen ist wieder im Trend, nicht als Pflicht, sondern als Achtsamkeit. Ein Nachmittag am Ofen ist für viele zur kleinen Pause vom Alltag geworden - ein Ort, an dem Zeit keine Rolle spielt.

Und wenn das letzte Blech aus dem Ofen kommt, sich der süße Duft im Haus verteilt und die ersten Kekse noch warm probiert werden, weiß man: Es sind nicht die Zutaten, die Weihnachten besonders machen - es ist das gemeinsame Tun. red


Zwei Rezepte mit Geschichte und Herz

Vanillekipferl - der Duft der Kindheit

Zart, buttrig, leicht zerbrechlich - Vanillekipferl sind der Inbegriff von Weihnachtsgebäck. Ihr feiner Duft erinnert an Großmutters Küche und an Nachmittage, an denen die Zeit stehen blieb.

Zutaten:
250 g Mehl, 210 g Butter, 100 g gemahlene Mandeln, 80 g Zucker, 1 Päckchen Vanillezucker, 1 Prise Salz, Puderzucker + Vanillezucker zum Wälzen

Zubereitung:
Mehl, Mandeln, Zucker, Vanillezucker und Salz mischen. Butter in Stückchen dazugeben und rasch zu einem glatten Teig verkneten. Teig 1 Stunde kühl stellen. Kleine Stücke zu Kipferln formen, auf ein mit Backpapier belegtes Blech legen und bei 175 °C (Ober-/Unterhitze) etwa 10-12 Minuten backen. Noch warm in einer Mischung aus Puder- und Vanillezucker wälzen.

Tipp: Kipferl sind nach zwei bis drei Tagen perfekt mürbe.

Schokoladenmakronen - schnell, saftig, sündhaft gut

Diese kleinen Schokoladenberge duften herrlich nach Kakao und Nüssen - und gelingen immer, auch ohne Mehl. Ideal für die letzte Adventswoche oder zum Verschenken.

Zutaten:
3 Eiweiß, 150 g Zucker, 200 g gemahlene Haselnüsse, 2 EL Kakaopulver, 1 TL Zimt, 1 Prise Salz

Zubereitung:
Eiweiß mit Salz steif schlagen, Zucker nach und nach einrieseln lassen. Nüsse, Kakao und Zimt vorsichtig unterheben. Mit zwei Teelöffeln kleine Häufchen auf Backpapier setzen und bei 160 °C (Umluft) etwa 15 Minuten backen. Abkühlen lassen - fertig!

Tipp: In einer Blechdose aufbewahrt, bleiben sie bis zu drei Wochen frisch (theoretisch).

Zubereitung: Eiweiß mit Salz steif schlagen, Zucker nach und nach einrieseln lassen. Nüsse, Kakao und Zimt vorsichtig unterheben. Mit zwei Teelöffeln kleine Häufchen auf Backpapier setzen und bei 160 °C (Umluft) etwa 15 Minuten backen. Abkühlen lassen - fertig! Tipp: In einer Blechdose aufbewahrt, bleiben sie bis zu drei Wochen frisch (theoretisch).

Fünf Tipps fürs perfekte Plätzchenbacken

So gelingen Weihnachtskekse wie aus der Backstube - mit Herz, Ruhe und dem richtigen Timing.

Teig braucht Zeit: Kühle ist das Geheimnis: Der Teig sollte vor dem Ausrollen mindestens eine Stunde im Kühlschrank ruhen. So lässt er sich besser verarbeiten und behält beim Backen seine Form.

Aromen früh einarbeiten: Vanille, Zitronenschale, Zimt oder Nüsse entfalten ihr Aroma am besten, wenn sie direkt in den Teig kommen - nicht erst beim Verzieren. Wer mag, lässt den Teig über Nacht ziehen: So wird er besonders aromatisch.

Gleichmäßige Stärke: Beim Ausrollen hilft ein Lineal oder Teighölzer als Abstandshalter - so werden alle Plätzchen gleich dick und backen gleichmäßig durch. Dünne Plätzchen verbrennen sonst leicht an den Rändern.

Auf Sicht backen: Jeder Ofen ist anders. Lieber zwei Minuten zu früh als zu spät herausnehmen - Plätzchen garen auf dem Blech nach. Goldgelb statt dunkelbraun ist das Ziel.

Gut verpackt ist halb genossen: Frisch gebackene Plätzchen sollten vollständig auskühlen, bevor sie in Dosen wandern. Sorten mit starkem Aroma (z. B. Zimt oder Lebkuchen) getrennt lagern - sonst schmeckt alles gleich. Ein Apfelstück hält sie wochenlang weich.