Wenn sich am höchsten Feiertag des rheinischen Brauchtums, am Rosenmontag, der närrische Lindwurm durch Koblenz bewegt, sehen die Zuschauer Musik, Garden, Festwagen und Tausende Aktive. Was kaum jemand sieht, sind die Monate der Vorbereitung dahinter. Einer, der genau dort seit vielen Jahren die Fäden zusammenhält und somit zur heimatlichen Identifikation wesentlich beiträgt, ist Olav Kullak.
Der 1968 geborene Koblenzer ist mit der Fastnacht groß geworden. Mit neun Jahren begann seine karnevalistische Laufbahn bei der KA-JU-LÜ. Er half hinter den Kulissen, kümmerte sich um Technik, tanzte im Männerballett, trat als Redner auf und sprang sogar einmal für den erkrankten Sitzungspräsidenten ein. Zwischendurch war er auch in die Organisation der legendären Jugend-Kappensitzung eingebunden. Später wechselte er zum Lützeler Carnevals-Verein und wurde 1999 selbst Koblenzer Prinz: „Olav I. von Feuer und Flamme“.
Vom Bühnenakteur zum Organisator
Der Name passte auch zu seinem Beruf und seinem zweiten Ehrenamt bei der Feuerwehr. Doch für Kullak blieb Karneval nie nur Bühne und Orden. Mit den Jahren verlagerte sich sein Engagement immer stärker in die Organisation. Seit 2010 gehört er dem Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Koblenzer Karneval, kurz AKK, an. Seit 2014 ist er Zugmarschall, seit 2022 zusätzlich Geschäftsführer der AKK gGmbH.
Was nach einem repräsentativen Amt klingt, ist vor allem Arbeit. Der Zugmarschall organisiert nicht einfach nur den Rosenmontagszug. Zu seinem Bereich gehören die großen Außenveranstaltungen der AKK, Gespräche mit Behörden, Sicherheitsfragen, Rettungswege, Fahrzeugunterlagen und die technische Kontrolle der Karnevalswagen. Vor dem großen Zug fährt Kullak gemeinsam mit den zuständigen Stellen durch die Stadt, prüft Fahrzeuge und Unterlagen und sorgt dafür, dass am Veranstaltungstag möglichst wenig dem Zufall überlassen bleibt.
Dabei helfen Kenntnisse aus seinem Berufsleben. Als Zugführer der Berufsfeuerwehr Koblenz kennt Kullak Gefahrenabwehr, Einsatzorganisation und die Bedeutung klarer Kommunikationswege. Dieses Wissen nimmt er mit ins Ehrenamt. Freie Rettungsgassen, Funkkontakt zu Sicherheitskräften oder schnelle Entscheidungen bei Zwischenfällen sind für ihn keine theoretischen Fragen. Beruf und Ehrenamt treffen sich hier auf eine für Koblenz wertvolle Weise.


Viel Arbeit für einen unbeschwerten Rosenmontag
Der zeitliche Aufwand ist erheblich. Ein Rosenmontagszug entsteht nicht in einigen Tagen. Monate vorher beginnen Anträge, Besprechungen und Abstimmungen. Am Zugtag selbst trägt Kullak Verantwortung für einen närrischen Lindwurm mit Tausenden Aktiven und einem Publikum in den Straßen, das in die Zehntausende geht. Danach folgen Auswertung und Nachbereitung. Und Rosenmontag ist nur einer von mehreren großen Terminen im Kalender der AKK.
Warum macht jemand das über Jahrzehnte? Bei Kullak liegt die Antwort weniger in großen Worten als in seiner eigenen Geschichte. Er hat den Koblenzer Karneval aus fast jeder Perspektive erlebt: als Helfer, Bühnenakteur, Vereinsmitglied, Prinz, Hofmarschall, Vorstandsmitglied und Zugmarschall. Aus dem Spaß an der Fastnacht ist mit den Jahren Verantwortung für eine heimatliche Tradition geworden, die ohne die Arbeit im Hintergrund nicht funktionieren würde.
Dass Ehrenamt dabei nicht immer gemütlich ist, gehört dazu. Gerade bei Großveranstaltungen müssen Entscheidungen getroffen werden, die später kaum jemand bemerkt. Läuft alles reibungslos, bleibt ein großer Teil dieser Arbeit unsichtbar. Erst wenn etwas nicht funktioniert, wird deutlich, wie viele Menschen geplant, geprüft, telefoniert und organisiert haben.
Olav Kullak steht damit beispielhaft für eine Seite des Karnevals, die am Straßenrand leicht übersehen wird. Heimat entsteht hier nicht nur beim Schunkeln und Feiern, sondern auch in Sitzungen, auf Rundfahrten zur Wagenabnahme, am Funkgerät und bei langen Abenden mit Organisationsplänen. Damit am Ende Zehntausende unbeschwert „Kowelenz Olau“ rufen können, muss vorher jemand dafür sorgen, dass alles zusammenpasst. Brauchtum und seine Tradition sind für viele das pure Gefühl von Heimat. Olav Kullak gehört zu den „Aktivisten“, denen es gelingt, diese Gefühle immer wieder zu wecken. Arno Boes
