Viele Stimmen für ein Vermächtnis

Das Weihnachtsmusical bringt Werner Zupps letztes Projekt auf die Bühne der Marktkirche

24. September 2026
Viele Stimmen für ein Vermächtnis

Bei einer früheren Aufführung verwandelten Chor, Darsteller und Musiker die Marktkirche in eine große Bühne. Foto: Dr. Georg Scharfenberger

In Neuwied war er eine Institution: Der langjährige evangelische Pfarrer Werner Zupp sorgte mit modernen Konzepten und seinem einnehmenden Wesen dafür, dass die Marktkirche zu einem Begegnungsort wurde. Neben seiner seelsorgerischen Tätigkeit war er auch ein leidenschaftlicher Kulturvermittler. Von ihm organisierte Konzerte, Lesungen und andere Veranstaltungen lockten regelmäßig viele Menschen in die Marktkirche. 

Sein überraschender Tod kurz nach seiner Pensionierung Anfang 2025 hinterließ in Neuwied eine große Lücke. Ein Projekt, an dem er kurz vor seinem Tod arbeitete, soll nun doch noch Wirklichkeit werden: ein Weihnachtsmusical, an dem viele Menschen aus der Region beteiligt sein werden. 

Schon in den Jahren 2012, 2014 und 2017 hatte die Interpretation der Weihnachtsgeschichte für großen Andrang in der Marktkirche gesorgt. Gemeinsam mit seiner Schwester Petra hatte Zupp im vergangenen Winter geplant, das Musical 2026 noch einmal auf die Bühne zu bringen. Nach seinem Tod war zunächst offen, ob daraus etwas werden würde. „Wir haben intensiv überlegt, ob wir das ohne meinen Bruder tatsächlich können und wollen“, erzählt Petra Zupp. 

Die Antwort fiel am Ende eindeutig aus: Ja. Auch die Begeisterung des Gospelchors „Klangfarben“ für das Projekt trug dazu bei. Viele waren der Überzeugung, dass eine Weiterführung ganz im Sinne des Verstorbenen sei – und auch eine angemessene Würdigung. „Das wird für uns alle sicherlich emotional schwierig. Aber am Ende fiel die Entscheidung leicht, weil das sicher in seinem Sinne gewesen wäre“, sagt Petra Zupp. 

Erzählt wird die Weihnachtsgeschichte nach dem Lukasevangelium. Die Zupp-Geschwister haben das Stück zusammen mit ihrem Neffen Daniel Scharfenberger geschrieben. Um an die bisherigen Erfolge anzuknüpfen, ist erneut jede Menge ehrenamtliches Engagement gefragt. Dabei steht zwar der Gospelchor im Mittelpunkt – hinzu kommen unter anderem Sängerinnen und Sänger des Menschenkinder-Chors aus Waldbreitbach. Den leitet Petra Zupp seit über 30 Jahren. Rund 15 bis 20 Kinder werden voraussichtlich dabei sein, viele davon im Kindergartenalter. „Die machen das gut und freuen sich“, sagt Zupp. Für sie ist es schön zu erleben, wie selbstverständlich verschiedene Generationen bei dem Projekt zusammenkommen. 

Ergänzt wird das Ensemble durch Instrumentalisten und Darsteller für Sprechrollen. Ein großes Projekt, an dem sich mehr als 100 Menschen ehrenamtlich beteiligen. 

Petra Zupp hat sich einiges aufgebürdet. Sie arbeitet im Synodalen Jugendreferat der evangelischen Kirche und ist es gewohnt, Menschen zusammenzubringen und Projekte zu organisieren. Trotzdem ist ein solches Musical eine besondere Herausforderung – vor allem, weil es um mehr geht als eine Neuauflage früherer Aufführungen. 

„Wir haben das Musical für all die geöffnet, die Werner in irgendeiner Weise verbunden waren“, sagt Zupp. Menschen, die ihn gekannt haben, aber auch solche, die schon immer einmal bei einer Musicalproduktion mitmachen wollten, sind Teil des Projekts. So wird aus dem persönlichen Abschied zugleich ein Gemeinschaftsprojekt. 

Viel Vorbereitungsarbeit ist bereits erledigt. Ab November starten die Hauptproben, damit bis zu den beiden Aufführungen am 5. und 6. Dezember 2026 in der Marktkirche alles perfekt läuft. Für Petra Zupp bedeutet das Projekt weit mehr als die Organisation einer Veranstaltung. Sie hält damit eine Idee ihres Bruders lebendig – und schafft zugleich einen Ort, an dem Menschen gemeinsam etwas auf die Beine stellen. Dass dafür viele Stunden freiwilliger Arbeit nötig sind, gehört für sie dazu. Es liegt ihr einfach am Herzen, Menschen für eine gemeinsame Sache zu begeistern. 

Dieses Weihnachtsmusical erzählt nicht nur die altbekannte Geschichte. Es zeigt auch, was möglich wird, wenn viele Menschen ihre Zeit, ihre Fähigkeiten und ihre Begeisterung zusammenbringen. Rainer Claaßen