Mayens Schafmarkt zeigt die Wurzeln des Lukasmarkts

Zucht, Tradition und Landschaftspflege treffen mitten im Volksfest aufeinander

24. September 2026
Mayens Schafmarkt zeigt die Wurzeln des Lukasmarkts

Schafhalter präsentieren ihre Tiere auf dem Viehmarktplatz - Zucht und fachlicher Austausch gehören fest zum Mayener Schafmarkt. Fotos: EMC Studios

Noch bevor sich die Fahrgeschäfte in der Innenstadt füllen, beginnt an diesem Mittwoch ein ganz anderer Teil des Lukasmarkts. Auf dem Viehmarktplatz an der Polcher Straße stehen Schafe im Mittelpunkt. Am 14. Oktober startet dort um 7 Uhr der Schafmarkt. Nach Angaben der Stadt Mayen ist er der einzige seiner Art in Rheinland-Pfalz – und damit weit mehr als ein Nebenprogramm des großen Volksfestes. 

Denn hier zeigt sich, wo der Lukasmarkt herkommt. Heute prägen Karussells, Buden und Krammarkt das Bild. Seine Wurzeln liegen jedoch im Handel. Bereits 1405 erhielt der Markt seinen heutigen Namen, nachdem die Mayener Jahrmärkte auf neue Termine gelegt worden waren. Bis heute erinnern die traditionellen Viehmarkttage daran: dienstags die Pferde, mittwochs die Schafe. 

Wie zu alten Zeiten auf den Viehmarkt

2026 bekommt diese Verbindung zur Landwirtschaft ein besonders anschauliches Bild. Schäfer Friedel Bous aus Mayen-Alzheim zieht mit seiner Schafherde auf den Viehmarktplatz ein – so, wie Herden und Hirten früher zum Markt kamen. Gegen 10 Uhr wird die Herde auf dem Platz erwartet. Der Einzug ist Teil der Übergabe des Hirtenstabs im Jahr des Internationalen Hirtenzugs 2026. Damit greift der Schafmarkt eine Tradition auf, die über Jahrhunderte zum Alltag auf dem Land gehörte. Wo heute Lastwagen und Viehanhänger den Transport übernehmen, waren Hirten früher mit ihren Tieren zu Fuß unterwegs. Herden auf Straßen und Wegen gehörten vielerorts ganz selbstverständlich zum Landschaftsbild. 

Die Übergabe des Hirtenstabs richtet den Blick zugleich auf den Beruf selbst. Schäfer bewirtschafteten mit ihren Herden Grünland, Wiesen und Weideflächen und prägten dadurch Landschaften, die heute als typisch für ganze Regionen gelten. Der Programmpunkt erinnert deshalb nicht nur an die Vergangenheit, sondern stellt auch die heutige Arbeit der Schafhalter in den Mittelpunkt.

Zuchtarbeit auf dem Viehmarkt

Im Mittelpunkt stehen die Tiere: Beim Mayener Schafmarkt werden unterschiedliche Schafrassen vorgestellt und begutachtet.
Im Mittelpunkt stehen die Tiere: Beim Mayener Schafmarkt werden unterschiedliche Schafrassen vorgestellt und begutachtet.

Der Mittwoch in Mayen ist kein Streichelzoo mit etwas Folklore. Für Schafhalter und Züchter ist der Markt ein Treffpunkt, an dem Tiere vorgestellt, Zuchtarbeit sichtbar gemacht und Erfahrungen ausgetauscht werden. Der Schafhalterverband organisiert jährlich wechselnd eine Gebrauchsherdenschau oder eine Herdbuchschau mit Prämierung. Unterschiedliche Rassen, Zuchtlinien und Leistungen stehen dabei im Blickpunkt. 

Wie groß die Spannweite sein kann, zeigte der Schaftag 2025. Damals brachten 20 Betriebe 80 Tiere aus 16 verschiedenen Rassen nach Mayen. Neben einer Rassedemonstration gab es eine Bockschau und einen Vorführwettbewerb für den Schäfernachwuchs. Darunter waren auch seltene Landschafrassen. Besucher konnten Unterschiede zwischen den Rassen unmittelbar erleben und mehr über Zucht und Haltung erfahren.

Hinter dem Schaubild steckt ein Wirtschaftszweig, der im Alltag leicht aus dem Blick gerät. Im November 2024 wurden in den landwirtschaftlichen Betrieben von Rheinland-Pfalz rund 61.100 Schafe gezählt. Rund 550 Betriebe hielten Schafe. 

Vierbeinige Landschaftspfleger

Welche Bedeutung die Tiere über die Landwirtschaft hinaus haben, zeigt sich wenige Kilometer außerhalb Mayens. Die Wacholderheiden der Osteifel sind durch jahrhundertelange Nutzung und Beweidung mit Schafen entstanden. Die Tiere halten Gräser und junge Gehölze kurz und verhindern, dass offene Flächen verbuschen. Auf schwer zugänglichen Hängen können Herden Flächen pflegen, auf denen Maschinen kaum einsetzbar sind. 

Der stachelige Wacholder wird von den Tieren weitgehend gemieden und konnte sich deshalb in der Weidelandschaft behaupten. Was Wanderer heute etwa rund um Arft oder Langscheid als charakteristische Heidelandschaft erleben, ist damit auch das Ergebnis jahrhundertelanger Weidewirtschaft. 

Genau diese Verbindung macht den Schafmarkt zu mehr als einem historischen Programmpunkt des Lukasmarkts. Wenn Friedel Bous am 14. Oktober mit seiner Herde auf den Viehmarktplatz zieht und dort der Hirtenstab übergeben wird, wird für einen Moment sichtbar, wie eng Markt, Tierhaltung und Landschaft früher zusammengehörten – und warum Schafe bis heute ihren Teil dazu beitragen, die Kulturlandschaft der Eifel zu erhalten. red