Koblenz: Das Geheimnis echter Schokolade

Die Cahua-Manufaktur von Lucien Krempel und Franka Rössel produziert und verkauft besondere Gaumenfreuden – ohne Zusatzstoffe, Fremdfette oder Aromatricks. Heute ist sie ein Laden und Erlebnisort zugleich.

11. Juni 2026
Koblenz: Das Geheimnis echter Schokolade

Fotos: Koblenz-Touristik GmbH / Philip Brüderle

In dem kleinen gemütlichen Laden in der Görresstraße liegt der Duft von frisch geröstetem Kakao in der Luft. Wer „the secret chocolate lab – Cahua“ in Koblenz betritt, merkt sofort: Hier geht es nicht einfach um Schokolade. Hier geht es um Herkunft, Handwerk – und um zwei Menschen, die ihre Leidenschaft leben. Lucien Krempel und Franka Rössel haben ein Konzept entwickelt, das in der Region einzigartig ist. Sie produzieren ihre Schokolade „bean to bar“ – von der Kakaobohne bis zur fertigen Tafel. 

Der entscheidende Impuls aus Brüssel

Die Idee dazu ist auf verschiedenen Reisen entstanden. Lucien bringt technisches Know-how aus der Süßwarenindustrie mit – hier hat er eine Ausbildung absolviert, und übernahm schon in jungen Jahren Verantwortung im Außendienst. Franka ist ausgebildete Konditormeisterin mit Auslandserfahrung. Den entscheidenden Impuls lieferte ein Besuch in Brüssel: Hier wurde heiße Schokolade angeboten, die so ganz anders schmeckte als alles Vertraute. Intensiver, klarer und überraschend. „Wir waren ja in diesem Bereich durchaus erfahren – aber das hat uns die Augen geöffnet und wurde zur Inspiration“, sagt Krempel. 

Nachdem sie sich intensiv mit dem Hintergrund der Produktion von hochwertigem Kakao beschäftigt haben, wagten sie 2020 den Schritt in die Selbstständigkeit – mitten in der Pandemie. Während der Lockdowns, bauten sie ihre Manufaktur auf. Vieles entstand in Eigenarbeit, auch bei der Produktionstechnik wurde zunächst improvisiert und Prozesse selbst entwickelt. „Wir haben viel ausprobiert und Fehler gemacht – aber genau dafür hatten wir Zeit“, so Krempel.

Ohne Zusatzstoffe, ohne Fremdfette, ohne Aromatricks Heute ist Cahua Manufaktur, Laden und Erlebnisort zugleich. Nur wenige Schritte hinter der kleinen Verkaufstheke findet sich die Produktion: Kakaobohnen werden geröstet, gebrochen, von der Schale getrennt und anschließend ausgiebig in einer Trommel mit Granitwalzen vermahlen. Nur so entsteht Schokolade – ohne Zusatzstoffe, ohne Fremdfette und vor allem ohne Aromatricks. „Damit die Industrieware den Massengeschmack trifft, werden diverse Stoffe beigemischt, die mit Kakao und Schokolade wenig zu tun haben. Wir wählen da ganz bewusst einen anderen Weg“, erklärt Krempel.

Den Unterschied schmeckt man. Je nach Herkunft – ob Costa Rica, Peru oder Uganda – entwickeln die Bohnen eigene Geschmacksprofile. „Das ist wie beim Wein“, erklärt Lucien. Viele Tafeln bleiben bewusst pur, um genau diese Unterschiede erlebbar zu machen. Ergänzt wird das Sortiment durch Varianten mit Gewürzen, Nüssen oder als Aufstrich. 

Qualität und faire Bedingungen gehen hier Hand in Hand

Ein zentrales Thema ist die Herkunft. Cahua arbeitet eng mit den Produzenten zusammen und zahlt deutlich über Weltmarktpreis. Qualität und faire Bedingungen gehen hier Hand in Hand. Zum Teil gibt es gewachsene persönliche Verbindungen zu den Anbauern. Dass diese Philosophie ihren Preis hat, verschweigen die beiden nicht. Eine Tafel kostet deutlich mehr als im Supermarkt. Doch der Vergleich ist bewusst ein anderer: „Lieber einmal im Monat eine richtig gute Schokolade als jede Woche irgendeine“, fasst Krempel die Einstellung der Kunden zusammen. Das Angebot kommt nicht nur bei Privatkunden an. Viele Unternehmen lassen individuell gestaltete Präsente in der Manufaktur fertigen. 

Neben dem Verkauf setzen die beiden auf Vermittlung. In Workshops und Tastings zeigen sie den Weg der Bohne bis zur Tafel, lassen probieren und vergleichen. Schokolade wird in dem Nebenraum der Manufaktur nicht nur verkauft, sondern erklärt.

Trotz wachsender Nachfrage bleiben Krempel und Rössel bewusst auf Kurs. Die Produktion ist begrenzt, die Prozesse aufwendig. „Wir wollen nicht den Überblick verlieren“, sagt Lucien. „Dann würde die Qualität leiden.“ Vielleicht liegt genau darin das Erfolgsgeheimnis von Cahua: die Entscheidung, nicht alles zu wollen – sondern das eine richtig gut. Rainer Claaßen