Neuwied: Gaming mal anders

Initiator Axel Hillenbrand lädt zu einer Zeitreise ins Flippermuseum ein. Die meisten Geräte sind nicht nur Ausstellungsstücke, sondern auch spielbereit.

09. Mai 2026
Neuwied: Gaming mal anders

Zwischen Kultgeräten und Lichteffekten: Axel Hillenbrand präsentiert im Neuwieder Flippermuseum einen Teil der umfangreichen Sammlung spielbereiter Automaten aus fast 100 Jahren Flippergeschichte. Foto: Jakob Buhry

Es gab Zeiten, da fanden sich Flipperautomaten in vielen Kneipen und Gaststätten. Genau betrachtet, darf man die Geräte als Vorgänger der seit Jahrzehnten so beliebten Videospiele sehen. Heute ist es gar nicht mehr so einfach, eine Gelegenheit zu finden, seine Geschicklichkeit an den Kugeln zu demonstrieren. Es sei denn, man macht einen Besuch im Flippermuseum in Neuwied. In einem unscheinbaren Gebäude – früher ein Wohnhaus – direkt bei der Innenstadt findet sich weit mehr als eine Sammlung alter Spielautomaten: Es ist ein lebendiges Stück Technik- und Popkulturgeschichte. 

Die Wurzeln des Museums liegen in einer privaten Leidenschaft. Initiator Axel Hillenbrand entdeckte Anfang der 2000er-Jahre seine Begeisterung für Flipperautomaten. „Als die Geräte früher noch an vielen Orten zu finden waren, gehörte ich sicher nicht zu den Enthusiasten – es gab immer Leute, die deutlich besser spielen konnten als ich. Aber fasziniert haben mich die Geräte schon damals“, erinnert er sich. 2006 erinnerte er sich an diese Leidenschaft–und legte mit dem Kauf seines ersten Geräts den Grundstein für eine Sammlung, die schnell wuchs. Was zunächst im eigenen Wohnumfeld begann – mit Automaten im Wohnzimmer und Keller – entwickelte sich über die Jahre zu einem immer umfangreicheren Bestand. Schließlich wurde aus dem Hobby ein gemeinschaftliches Projekt: Zusammen mit Gleichgesinnten gründete Hillenbrand einen Verein, der das Museum heute betreibt. Seither hat sich das Flippermuseum zu einem der größten seiner Art in Deutschland entwickelt. Rund 150 Geräte aus fast 100 Jahren Flippergeschichte sind hier versammelt. Die Ausstellung reicht von frühen, rein mechanischen Modellen bis hin zu elektronischen Automaten mit aufwendigen Sound- und Lichteffekten. Die meisten Geräte sind dabei nicht nur Ausstellungsstücke, sondern spielbereit – ein Konzept, das den besonderen Reiz des Museums ausmacht. 

Während klassische Museen oft nach Wegen suchen, die ausgestellten Exponate mit Leben zu füllen, gehört das Mitmachen hier zum Konzept. Es wird nicht nur geschaut, sondern emotional und aktiv erlebt. Besucher können selbst spielen, Geräusche, Lichteffekte und das typische „Klacken“ der Maschinen erleben – und so nachvollziehen, warum Flipperautomaten über Jahrzehnte hinweg fester Bestandteil der Alltagskultur waren. Zudem erzählen die Geräte Geschichten: Von technischen Innovationen, von unterschiedlichen Aspekten der Popkultur, von Film und Zeitgeist. Und wer während der Öffnungszeiten nicht genug von den eigenwilligen Kugeln bekommt, kann in einem der drei Flipperhotel-Zimmer übernachten – in jedem davon steht ein Flippergerät kostenlos zur Verfügung. Ein Besuch im Flippermuseum ist mehr als Nostalgie. Hier kann man eine unterschätzte Kulturform erleben. Einige Spiele sind im Eintrittspreis schon enthalten – die meisten Besucher tauschen mit Freude weitere Euros gegen die der D-Mark nachempfundenen Spielmarken ein. Wer selbst den Kugelabschuss betätigt, merkt schnell, dass die Faszination Flipper ungebrochen ist. Das zeigt sich auch darin, dass bis heute neue Maschinen gebaut werden. Und im September steht für das Flippermuseum schon das 20. Jubiläum an. Rainer Claaßen

Burghotel und Restaurant „Auf Schönburg“ empfiehlt:

Das Turmmuseum lädt Besucher dazu ein, Geschichte und regionale Besonderheiten in besonderem Ambiente zu entdecken.

Burg Schönburg
Schönburg 1
55430 Oberwesel
hotel-schoenburg.com/turmmuseum


Info

Extraball – Deutsches Flippermuseum, Hermannstraße 9, 56564 Neuwied
Mitten in der Innenstadt gelegen, Parkplätze in der Umgebung vorhanden

Öffnungszeiten: Regulär geöffnet an jedem Samstag und Sonntag von 14 bis 18 Uhr. (Für Gruppen, Schulklassen oder Betriebsfeiern sind nach Absprache auch Sonderöffnungszeiten möglich).

Eintrittspreise: Erwachsene zahlen 6 Euro, Kinder (bis 15 Jahre) 3,50 Euro und Familien 12 Euro. In jedem Eintrittsticket sind bereits einige Freispiele enthalten.

Spielbetrieb: Weitere Spiele können am Kassenhäuschen erworben werden – getauscht wird dabei stilecht in D-Mark-Münzen, mit denen die alten Automaten laufen.

Website: www.flippermuseum.eu