„Ich wollte vom Beifahrersitz auf den Fahrersitz kommen“

Wie Scale Data Start-ups den Weg in den Markt ebnet

07. Mai 2026
„Ich wollte vom Beifahrersitz auf den Fahrersitz kommen“

Datengetriebene Strategien im Blick: Scale Data unterstützt Start-ups dabei, Märkte systematisch zu analysieren, Vertrieb aufzubauen und Wachstum gezielt zu steuern. Foto: phimprapha - stock.adobe.com

Vor zwei Jahren hat Philipp Frisch den Schritt gewagt, den viele nur planen: raus aus der Konzernwelt, hinein in die Unsicherheit – und die Freiheit – eines eigenen Unternehmens. Mit Scale Data hat er ein Start-up im Technologiezentrum Koblenz aufgebaut, das sich auf ein oft unterschätztes Problem spezialisiert: den strukturierten Markteintritt und Vertrieb für junge Technologieunternehmen. 

Vom Konzern zum Gründer

Der Werdegang von Frisch ist dabei entscheidend. Aufgewachsen in der Region Karlsruhe, begann er seine Laufbahn im Fußball, während seines BWL-Studiums beim Prüfkonzern DEKRA. Dort arbeitete er mehr als fünf Jahre und übernahm zuletzt Verantwortung für mehrere Standorte. Diese Zeit beschreibt er als lehrreich, aber auch als begrenzend. „Ich habe dort sehr viel lernen dürfen – die Leitplanken, die man in der Arbeitswelt braucht. Aber ich habe auch gemerkt: Große Strukturen verändern sich nur sehr langsam.“

Der Wunsch nach mehr unternehmerischer Freiheit führte ihn schließlich in die Start-up-Welt. Nach Stationen im Business Development und Vertrieb sowie einer prägenden Zeit in einem Schweizer Sport-Tech-Unternehmen, wo er als erster Mitarbeiter zum Gründerteam stieß, fiel die Entscheidung zur eigenen Gründung. „Ich wollte vom Beifahrersitz auf den Fahrersitz kommen“, sagt Frisch rückblickend. 

Die Idee hinter Scale Data

Die Idee für Scale Data entstand nicht aus dem Nichts, sondern aus wiederkehrenden Beobachtungen. Viele Unternehmen, insbesondere Start-ups und mittelständische Betriebe, verfügen zwar über innovative Produkte, haben jedoch keinen klar strukturierten Vertrieb. „Viele Organisationen haben den Vertrieb nie wirklich systematisch aufgebaut – immer sehr wenig datengetrieben“, erklärt Frisch. Genau hier setzt Scale Data an, indem das Unternehmen Business Development, Go-to-Market-Strategien und Vertrieb als Dienstleistung anbietet und dabei nicht nur berät, sondern aktiv in die Umsetzung geht. 

Fokus auf israelische Start-ups

Start-upper Philipp Frisch bietet Startups einen strukturierten Markteintritt und Vertrieb in der DACH-Region. Foto: Petra Dettmer
Start-upper Philipp Frisch bietet Startups einen strukturierten Markteintritt und Vertrieb in der DACH-Region. Foto: Petra Dettmer

Ein besonderer Fokus liegt auf der Zusammenarbeit mit israelischen Start-ups. Frisch hat früh eine Verbindung zu dem dortigen Ökosystem aufgebaut und ist bis heute beeindruckt von dessen Dynamik. „Ich habe das Ökosystem dort kennengelernt – die Geschwindigkeit, das Mindset. Das hat mich begeistert.“ Israel gilt als eine der führenden Start-up-Nationen weltweit, und viele Unternehmen streben schnell in internationale Märkte. Während der Blick häufig in Richtung USA geht, positioniert sich Scale Data als Partner für den Eintritt in die DACH-Region. Dabei verfolgt das Unternehmen einen klaren Qualitätsanspruch und lehnt auch Projekte ab. „Wir sagen auch ganz klar nein, wenn wir keinen skalierbaren Mehrwert sehen.“ 

Zielmarkt analysieren

Die Arbeitsweise von Scale Data ist stark analytisch geprägt. Am Anfang steht immer eine ehrliche Bewertung des Start-ups, gefolgt von einer Analyse des Zielmarktes. Daraus entwickelt sich ein klares Bild der potenziellen Kunden sowie der passenden Vertriebsstrategie. Besonders wichtig ist dabei der Aufbau von Partnernetzwerken, über die Produkte und Lösungen in den Markt getragen werden. „Es bringt nichts, mit einem Partner zu arbeiten, der nicht zur Zielgruppe passt. Das muss von Anfang an stimmen“, betont Frisch. 

Spezialisierung auf Cyber Security

Im Laufe der Zeit hat sich das Unternehmen thematisch klar positioniert. Heute liegt der Schwerpunkt auf Cyber Security, Defence und angrenzenden Technologiebereichen wie Künstlicher Intelligenz sowie Virtual und Mixed Reality. Diese Fokussierung ist das Ergebnis eines Lernprozesses. „Wenn man einen klaren Fokus hat, kommt man deutlich weiter“, sagt Frisch. Gerade im Bereich Cyber Security sieht er enormes Wachstumspotenzial, gleichzeitig aber auch große Herausforderungen für viele Unternehmen. „Für viele ist das kein Marathon, sondern ein Ironman.“

Ein konkretes Beispiel für die Arbeit von Scale Data ist das Unternehmen Commugen, das Softwarelösungen im Bereich Governance, Risk und Compliance entwickelt. Hier unterstützte Scale Data nicht nur beim Aufbau eines Partnernetzwerks, sondern auch bei der Gewinnung erster Kunden. „Am Ende geht es darum, echten Umsatz zu schaffen“, so Frisch.

Scale Data ist ein Beispiel dafür, wie sich Erfahrung aus Konzernwelt und Start-up-Praxis verbinden lässt, um neue Wege im Markt zu gehen. „Am Ende geht es darum, nachhaltig etwas aufzubauen – mit echtem Mehrwert“, resümiert Philipp Frisch.