Richtig suchen und fündig werden

Wie der Kreis Neuwied um Talente wirbt - und warum Berufsorientierung zur Schlüsselressource wird

29. Mai 2026
Richtig suchen und fündig werden

Fachkräfte gewinnen beginnt bei Orientierung: Im Kreis Neuwied bringen Ausbildungsmessen, digitale Angebote und regionale Netzwerke junge Talente und Unternehmen frühzeitig zusammen. Foto: NDABCREATIVITY - stock.adobe.com

Die Arbeitswelt ist in einem starken Wandel begriffen. Alte Gewissheiten tragen nicht mehr weit, neue Berufsbilder entstehen, während andere unbemerkt verschwinden. In diesem Übergang wird die Frage nach der richtigen beruflichen Richtung zu einer der entscheidenden Weichenstellungen - für den Einzelnen ebenso wie für eine Region, die ihre wirtschaftliche Zukunft sichern will. Der Kreis Neuwied steht dabei exemplarisch für viele mittelständisch geprägte Räume in Deutschland: leistungsfähig, gut vernetzt, aber im Wettbewerb um Fachkräfte zunehmend gefordert.

Die erste Entscheidung zählt

Wer heute am Anfang seines Berufslebens steht, sieht sich mit einer Vielzahl an Optionen konfrontiert. Ausbildung, duales Studium oder doch ein späterer Einstieg über Weiterbildung? Orientierung ist dabei weniger Kür als Notwendigkeit geworden. Hier setzt die Arbeit der IHK Koblenz an: als Lotse in einem zunehmend unübersichtlichen Terrain.

Mit Ausbildungsmessen und Formaten wie dem Berufe-Festival bringt sie Jugendliche in direkten Kontakt mit Unternehmen - ein niedrigschwelliger Zugang zu einer oft abstrakt wirkenden Arbeitswelt. Digitale Initiativen wie das Online-Angebot Durchstarter.de “ oder die Kampagne #könnenlernen verlängern diese Begegnung ins Netz und sprechen eine Generation an, die Informationen vor allem dort sucht. Gleichzeitig richtet sich der Blick nicht nur auf die jungen Menschen selbst: Eltern und Schulen werden durch Formate wie Meet & Eat-Abende oder Schulbesuche bewusst einbezogen. Denn Berufsentscheidungen entstehen selten im luftleeren Raum.

Wettbewerb um Köpfe

Während Jugendliche ihren Weg suchen, stehen Unternehmen vor einer anderen Herausforderung: Sie müssen gefunden werden. Der Fachkräftemangel ist längst kein viel beschriebenes Szenario mehr, sondern betriebliche Realität. Gerade im Kreis Neuwied, wo viele kleine und mittlere Unternehmen das Rückgrat der Wirtschaft bilden, entscheidet die Fähigkeit zur Personalgewinnung zunehmend über Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit.

Die IHK Koblenz versteht sich hier als strategischer Partner. Sie berät Betriebe in Fragen der Arbeitgeberattraktivität, unterstützt bei der Rekrutierung von Auszubildenden und öffnet Perspektiven durch Erwerbsmigration. Gleichzeitig geht es um mehr als kurzfristige Lösungen: Aufstiegswege und langfristige Bindung rücken stärker in den Fokus.

Netzwerke statt Einzelkämpfer

Was sich abzeichnet, ist ein Paradigmenwechsel. Fachkräftesicherung wird zur Gemeinschaftsaufgabe. Veranstaltungen und Projekte dienen nicht nur der Information, sondern auch der Vernetzung - ein Austausch von Erfahrungen, Strategien und nicht zuletzt von Zuversicht. Themen wie aktuelle HR-Trends werden aufgegriffen und in den regionalen Kontext übersetzt.

So entsteht im Kreis Neuwied eine Initiative oder sagen wir Bewegung, um eine Region arbeitsfähig zu halten, indem man sie anschlussfähig macht - für junge Menschen, für Unternehmen und für die Anforderungen einer Wirtschaft, die sich schneller wandelt als je zuvor. Kolja Matzke


Mitgestalten, vernetzen, verändern

IHK: Die Stimme der Wirtschaft vor Ort

Die IHK-Regionalgeschäftsstelle Neuwied ist für die Wirtschaft in der Region mehr als nur eine Anlaufstelle: Sie ist Knotenpunkt, Sprachrohr und Mitgestaltungsraum für Unternehmen, die ihre Zukunft aktiv in die Hand nehmen wollen. Rund 108.000 Mitgliedsunternehmen im gesamten Kammerbezirk der IHK Koblenz profitieren von der engen Verzahnung zwischen Haupt- und Ehrenamt - und dem Anspruch, wirtschaftspolitische Entwicklungen nicht nur zu begleiten, sondern mitzugestalten. „Die Stärke unserer Arbeit liegt im Dialog“, sagt Regionalgeschäftsführerin Kristina Kutting. „Wir sind nah an den Unternehmen, kennen ihre Themen und tragen sie dorthin, wo Entscheidungen getroffen werden.“

Ein starkes Netzwerk für starke Interessen

Ob Gründung, Nachfolge, Ausbildung oder Transformation - die Regionalgeschäftsstelle bündelt Perspektiven und Herausforderungen aus der unternehmerischen Praxis. Das zentrale Ziel: passgenaue wirtschaftliche Rahmenbedingungen schaffen. Dabei sind es die Unternehmerinnen, Unternehmer und Führungskräfte selbst, die ihre Stimme einbringen: als Mitglieder der Vollversammlung, in Regionalbeiräten, Fachausschüssen oder Netzwerken. Die Vollversammlung als zentrales Entscheidungsorgan gibt die strategische Richtung der IHK vor. In den Regionalbeiräten fließen regionale Perspektiven direkt in politische Diskussionen ein, während Fachausschüsse konkrete Impulse zu Themen wie Fachkräfte, Digitalisierung oder Energie erarbeiten. Ergänzt wird dieses Gremiensystem durch Programme wie die IHK-Lotsen - ehemalige Unternehmerinnen und Unternehmer, die ihr Know-how ehrenamtlich an Gründer oder Übernehmende weitergeben. „Es beeindruckt mich immer wieder, wie viel Expertise und Engagement in unseren Reihen steckt“, so Kutting. „Unser Ehrenamt lebt nicht vom Zuschauen, sondern vom Mitmachen.“

Mit ihren Netzwerken schafft die IHK Koblenz Räume für Austausch, Innovation und branchenübergreifende Zusammenarbeit. Im KI-Netzwerk diskutieren Unternehmen aus dem nördlichen Rheinland-Pfalz beispielsweise praxisnahe Anwendungen Künstlicher Intelligenz und geben Best Practices weiter. Der 2023 gegründete Unternehmerinnenausschuss wiederum setzt sich für die Sichtbarkeit von Frauen in der Wirtschaft ein - mit politischer Vernetzung, gezielter Öffentlichkeitsarbeit und neuen Vorbildern. „Ob Technologiethemen oder Gleichstellung - unsere Netzwerke spiegeln die Vielfalt der Wirtschaft“, erklärt Kutting. „Sie verbinden Menschen, Ideen und Regionen. Und genau das brauchen wir für eine zukunftsfähige Standortentwicklung.“

Impulse aus der Praxis - direkt an die Politik

Ein wichtiges Instrument für konkreten Einfluss ist der IHK-Bürokratiemelder: Über ein Online-Formular können Unternehmen unnötige Bürokratiehürden melden. Diese Rückmeldungen fließen in die wirtschaftspolitische Arbeit ein - für mehr Effizienz, weniger Belastung und praxistaugliche Regulierung. Die Regionalgeschäftsstelle selbst tritt regelmäßig in den Dialog mit Kommunen, Landespolitik, Hochschulen und Verbänden. Ob bei Veranstaltungen, Wirtschaftsgesprächen oder Fachforen: Die IHK bringt unternehmerische Perspektiven auf die Bühne - faktenbasiert, lösungsorientiert und nah an der Realität der Betriebe. Wer sich bei der IHK engagiert, bringt nicht nur eigene Erfahrungen ein, sondern gewinnt auch neue Einblicke, Kontakte und Gestaltungsmöglichkeiten. Das Ehrenamt in der IHK ist ein aktiver Teil wirtschaftlicher Verantwortung. „Mitmachen heißt mitgestalten“, bringt es Kutting auf den Punkt. „Und je mehr Unternehmerinnen und Unternehmer sich einbringen, desto schlagkräftiger ist unsere gemeinsame Stimme.“

Infos: www.ihk.de/koblenz, Suchnummer 1476576