Viele Betriebe wollen investieren, elektrifizieren oder neue Prozesse aufbauen. An welchen Punkten wird die Energieinfrastruktur dabei zum Engpass - und wo wird die Lage häufig unterschätzt?
Bislang kommt es im Netz der Syna nur punktuell zu Situationen, in denen das bestehende Netz an seine Grenzen gerät. Das passiert meistens dort, wo Unternehmen ihren Energiebedarf in kurzer Zeit deutlich verändern, beispielsweise durch große PV-Einspeisungen, den Umstieg auf elektrische Prozesswärme oder den Aufbau von Ladeinfrastruktur.
Im Rahmen der Energiewende ist an dieser Stelle die frühzeitige Abstimmung zwischen Betrieben und Netzbetreiber wichtig, um bereits vorab zu klären, welche Leistung zukünftig aus dem Netz bezogen bzw. in das Netz eingespeist werden soll. Auf diese Weise kann die Syna den Netzausbau gezielter und damit vor allem zeiteffizienter und auch wirtschaftlicher vorantreiben.
Welche Rolle spielt die Zusammenarbeit zwischen Netzbetreiber, Kommunen und Wirtschaftsförderung, damit Projekte in der Region schneller in die Umsetzung kommen?
Wie bereits erwähnt, ist die gemeinsame Abstimmung und der Austausch über die Maßnahmen im Zuge der Energiewende entscheidend. Nur gemeinsam können die Herausforderungen beim Netzausbau gestemmt werden und dabei Faktoren wie Zeiteffizienz, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit entsprechend mitgedacht und umgesetzt werden.
Mit Blick auf die nächsten Jahre: Welche Weichen sollte der Landkreis Neuwied jetzt stellen, damit Energieversorgung kein Wachstumshemmnis wird?
Es ist von entscheidender Bedeutung, die gute und enge Zusammenarbeit aller Beteiligten fortzusetzen, um den Herausforderungen im Zuge der Energiewende gemeinsam zu begegnen. Dabei wird es wichtig sein, auch weiterhin an einen Tisch zu kommen, um Planung und Umsetzung des Netzausbaus so effizient wie möglich anzugehen.
Vorstandsvorsitzender Thomas Paffenholz und Vorstandsmitglied Marc Sinkewitz von der Sparkasse Neuwied
Herr Paffenholz, die Konjunkturstimmung zeigte zu Beginn des Jahres vorsichtigen Optimismus. Spiegelt sich das aus Sicht der Sparkasse bereits in mehr Investitionsbereitschaft regionaler Unternehmen wider?
Thomas Paffenholz: Der anfängliche Optimismus vieler Unternehmen ist aktuell (März 2026) wieder etwas zurückgegangen. Unsicherheiten in den Märkten, schwankende Kostenentwicklungen bei den Energiepreisen und Lieferketten sowie geopolitische Entwicklungen sind stets Faktoren, die die Investitionsentscheidungen maßgeblich beeinflussen. Wir beobachten in solchen Fällen eher eine zurückhaltende Nachfrage vor allem bei kleinen und mittelständischen Betrieben. Viele Unternehmen wägen ihre Schritte sehr sorgfältig ab, da die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nach wie vor von rasanten Veränderungen geprägt sind.
In diesen Zeiten ist besonders die persönliche Beziehung zwischen Berater und Kunde entscheidend. Unsere Kundinnen und Kunden schätzen die Nähe zu ihrem Berater sehr. Gleichzeitig nehmen sie zunehmend auch mediale Zugangswege beispielsweise für die Beantragung von Krediten in Anspruch, was den Prozess effizienter gestaltet, ohne dabei den persönlichen Kontakt zu verlieren.
Bei welchen Vorhaben erleben Sie aktuell die größte Zurückhaltung - Expansion, Modernisierung, Nachfolge, Energieinvestitionen oder Personalaufbau?
Marc Sinkewitz: Wir sehen derzeit die größte Zurückhaltung bei Internationalisierungs- und Expansionsvorhaben. Bestehende Lieferketten sind weiterhin stark unter Druck und neue Lieferbeziehungen lassen sich nur schwer aufbauen. Aktuelle politische Verwerfungen erschweren vielen Unternehmen das Streben nach neuen Auslandsmärkten. Besonders der Zugang zum US-amerikanischen Markt ist durch hohe Eintrittsbarrieren wie Zölle angeschlagen. Neue Chancen ergeben sich hingegen, wenn Abkommen wie Mercosur genutzt werden, die es den Unternehmen ermöglichen, auf Basis von Notwendigkeit und Offenheit neue Handelsbeziehungen zu etablieren.
Hohe Kosten und unsichere Rahmenbedingungen belasten Unternehmen weiter. Wie verändert das die Finanzierungsgespräche mit mittelständischen Betrieben im Landkreis Neuwied?
Thomas Paffenholz: Insbesondere die stark steigenden Rohstoffpreise verteuern den Einkauf der Unternehmen erheblich und schmälern ihre Margen, zumal sich diese Kosten nicht ohne Weiteres an die Kunden weitergeben lassen. Gleichzeitig ist noch unklar, in welchem Umfang sich diese Preisentwicklung auf die Energieaufwendungen der Betriebe auswirken wird.
In dieser Situation wird eine adäquate Liquiditätsreserve besonders wichtig: Sie ermöglicht es Unternehmen, flexibel auf Marktereignisse zu reagieren und sich an sich verändernde Rahmenbedingungen anzupassen. Wer dies umsetzt, verschafft sich einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Unsere Kundinnen und Kunden können sich darauf verlassen, dass sie bei uns schnelle und verlässliche Kreditentscheidungen erhalten. Dabei haben wir einen genauen Blick auf Finanzierungen, die vor allem Effizienzsteigerungen, Ressourcenschonung, Digitalisierung und Innovationen vorantreiben. Ein zentraler Hebel ist dabei der Zugang zu öffentlichen Fördermitteln. Wir beraten umfassend, strukturieren die Finanzierung und begleiten die Unternehmen aktiv bei der Nutzung aller verfügbaren Programme.
Das Thema Nachfolge wird in den Unterlagen hervorgehoben. Welche Herausforderungen sehen Sie aus Bankensicht bei Unternehmensübergaben in der Region besonders häufig?
Marc Sinkewitz: Ein zentrales Thema bei Unternehmensübergaben ist der Fachkräftemangel, der die Klärung der Nachfolge zusätzlich erschwert. Häufig fehlt es an geeigneten Nachfolgern, die sowohl die fachliche Qualifikation als auch das unternehmerische Know-how mitbringen. Dies bleibt eine der größten Herausforderungen für den Mittelstand in unserer Region. Die Sparkasse versteht sich auch hier als verlässlicher Partner: Wir bringen Angebot und Nachfrage zusammen und unterstützen die Finanzierung der Unternehmensnachfolge. Auch in diesem Bereich kommen öffentliche Mittel zum Einsatz, um eine nachhaltige Lösung zu ermöglichen.
