Authentische Produkte, die man spüren und schmecken kann

29. Mai 2026
Authentische Produkte, die man spüren und schmecken kann

Foto: Yaroslav Astakhov - stock.adobe.com

Wo sehen Sie im Landkreis Neuwied derzeit die stärksten Chancen für wirtschaftliche Entwicklung, wenn Unternehmen, Banken und öffentliche Akteure gezielt zusammenarbeiten?

Thomas Paffenholz: Im Landkreis Neuwied haben wir flächendeckend gute Infrastrukturen sowie freie Kapazitäten, sowohl in den Städten als auch in den ländlichen Regionen. Das bietet eine solide Grundlage für wirtschaftliche Entwicklung und neue Unternehmensansiedlungen. Letztendlich bleibt die passende Standortwahl branchenabhängig und richtet sich stark nach der Unternehmensgröße sowie dem daraus resultierenden Bedarf an Flächen und Kapazitäten.

Für uns liegen die besten Voraussetzungen für die Zukunftsfähigkeit der Region nicht nur in der rein wirtschaftlichen Betrachtung, auch die persönliche Perspektive spielt eine wichtige Rolle: Eine gute Verkehrsanbindung, digitale Versorgung durch Breitband, ein adäquates Angebot an KITAs, Schulen und medizinischer Versorgung sowie Freizeitmöglichkeiten - all diese Faktoren tragen dazu bei, dass die Region für Unternehmen und Menschen attraktiv und lebenswert bleibt.

Harald Schmillen, Wirtschaftsförderung Landkreis Neuwied

Herr Schmillen, Gewerbe- und Industrieflächen werden als Schlüsselthema genannt. Wie groß ist der Druck im Landkreis Neuwied bei verfügbaren Flächen und welche Zielkonflikte treten dabei am häufigsten auf?

Wir betonen immer, dass der Landkreis Neuwied sehr wirtschaftsstark ist und wir eine sehr gute Mischung aus Hidden-Champions, Global-Playern und mittelständischen Unternehmen sowie Handwerkern und Freiberuflern haben, die den Landkreis Neuwied sehr resilient gegen einzelne äußere Veränderungen machen und gleichzeitig für ein kontinuierliches Wachstum und eine ausgeglichene Entwicklung sorgen. Die breite Aufstellung macht den Unterschied. Wir wollen es genau so, denn die Alternative wäre von einer Branche und damit vom Wohl und Wehe dieser einen Branche abhängig zu sein. Das ist toll, wenn es läuft aber eben auch katastrophal, wenn es nicht läuft.

Kommunale frei verfügbare Gewerbe- und Industrieflächen sind derzeit ein seltenes Gut in nahezu allen Regionen in Deutschland. Überregionale Ansiedlungen passieren nach wie vor insbesondere aus logistischen Gründen, also z. B. einer sehr guten Verkehrsanbindung des neuen Standortes, aber auch ganz klar auf Basis der Verfügbarkeit von Fachkräften und auch von der Verfügbarkeit von Flächen an sich. Mittlerweile haben sich Investoren aber auch daran gewöhnt, dass Flächen nicht mehr unendlich auf Vorrat verfügbar sind und beginnen entsprechend früh mit der Flächensuche und partnerschaftlichen Flächenentwicklung. Das ist grundsätzlich eine positive Entwicklung, da das gegenseitige Verständnis in diesem Prozess wächst und es zu einem insgesamt passenderen Projekt für alle Seiten wird.

Bei den Zielkonflikten einen Partner oder einen Namen zu nennen, würde den Kern der Frage verfehlen. Es geht einfach darum, dass sich bitte jeder Leser und jede Leserin klar macht, dass es im Grunde keine ungenutzte Fläche in Deutschland mehr gibt. Überall, auf jedem Quadratmeter, liegt mindestens ein Interesse. Und somit sind bei gefühlter zunehmender Flächenknappheit auch die Zielkonflikte stark ausgeprägt.

Wirtschaftsförderung für mehr Lebensqualität: Kann man mit der Vermarktung guter regionaler Produkte bei Gästen, Bewohnern und gesuchten Fachkräften punkten?

Ja, unser Projekt, der Naturgenuss Rhein Westerwald, ist ein Erfolgsmodell. Wir bündeln in unserem Netzwerk und mit viel Engagement die Stärken heimischer Nahrungsmittelproduzenten und die Bedürfnisse heimischer Gastronomen. Dabei stehen immer die Region, unsere Heimat, und die Menschen im Fokus. Die Menschen, die mit Leidenschaft und Hingabe tagtäglich das Beste aus sich und ihren Produkten herausholen. Alles, damit die Qualität stimmt, der eigene Name gewertschätzt werden kann und damit Preis und Leistung im Einklang sind. Wir lieben diese Herangehensweise und die damit verbundene Erdung und Ehrlichkeit sehr. Denn dafür stehen wir alle gemeinsam im Naturgenuss - für authentische Produkte, die man spüren und schmecken kann.

Selbstverständlich strahlt eine solche Initiative auch auf die Region, die Heimat und auch auf Menschen aus, die sich für uns interessieren, hier ein paar Tage verbringen und mit Akteuren aus dem Netzwerk in Berührung kommen. Da entsteht dann positive Neugier und Interesse. Und im Wettbewerb der Regionen, in dem die harten Standortfaktoren eigentlich längst von allen bedient werden, zählen eben gerade Argumente wie Lebensqualität und Authentizität immer mehr. Und da haben wir tatsächlich einiges zu bieten und auch noch immer noch Luft nach oben. Da bin ich für die nächsten Jahre sehr zuversichtlich.

Viele Standortfragen sind nicht von einer Stelle allein zu lösen. In welchen Bereichen funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Kreis, Kommunen, Wirtschaft und Versorgern bereits gut - und wo braucht es mehr Verbindlichkeit?

Die Zusammenarbeit im Landkreis Neuwied zwischen allen Beteiligten ist gut. Jeder kann jederzeit zum Telefonhörer greifen und offene Fragen besprechen. Das ist ein großes Plus im Vergleich zu deutlich größeren Kreisen und Verwaltungen, in denen dann auch mitunter das persönliche Kennen nicht mehr gegeben ist. Auch die notwendigen formalen Abläufe zwischen den Beteiligten funktionieren. Wir bekommen das immer wieder positiv zurückgespiegelt, wenn uns Anfragen von Personen aus anderen Regionen in Deutschland erreichen. Diese Personen schätzen die Geschwindigkeit der Kontaktaufnahme und das persönliche Wort sehr. Mehr Verbindlichkeit brauchen wir aus meiner Sicht an dieser Stelle nicht. Schließlich müssen alle Abläufe im Endeffekt zu einem klaren Ergebnis führen. Da ist Verbindlichkeit Pflicht.

Wenn Sie den Standort Landkreis Neuwied in einem Satz an Investoren beschreiben müssten: Welche Stärke ist heute überzeugend, und welche Schwäche muss die Region dringend angehen?

„Der Landkreis Neuwied überzeugt mit einem breiten Branchenmix, einer sehr guten Verkehrsanbindung und einer vorteilhaften geografischen Lage, die es Investoren ermöglichen, zügig ihre Ziele zu verwirklichen.“ Das ist der eine Satz für die Investoren. Alles, was dieser Zielerreichung im Weg steht, muss die Region dringend angehen. red