Spezialisten mit internationaler Reichweite

Acht Hidden Champions zeigen die wirtschaftliche Bandbreite des Rhein-Hunsrück-Kreises

19. Oktober 2026
Spezialisten mit internationaler Reichweite

Stärke durch Spezialisierung: Die Hidden Champions im Rhein-Hunsrück-Kreis stehen für technisches Know-how, Innovation und internationale Märkte. Foto: ImageFlow - stockadobe.com

Straßenbaumaschinen aus Boppard, Weinbautechnik aus Simmern, Automatisierungslösungen aus Rheinböllen oder Klimatechnik aus Dörth: Im Rhein-Hunsrück-Kreis sitzen Unternehmen, deren Namen außerhalb ihrer Branchen nicht jedem geläufig sind, deren Produkte und Lösungen aber auf internationalen Märkten eine wichtige Rolle spielen. In der Übersicht des Forschungszentrums Mittelstand der Universität Trier, Stand Juni 2024, werden acht Unternehmen aus dem Kreis als Hidden Champions geführt: BOMAG, CAQ AG Factory Systems, DFH Haus, ERO, Glatthaar Keller, HAHN Automation, PYREG und Sebapharma. 

Für die Einordnung gelten klare Kriterien. Hidden Champions müssen in ihrem Markt zu den weltweit führenden Unternehmen gehören, mindestens 20 Mitarbeiter beschäftigen und seit mehr als zehn Jahren bestehen. Der Jahresumsatz liegt zwischen fünf Millionen und einer Milliarde Euro. Nach der jüngsten öffentlich verfügbaren Gesamterhebung des Forschungszentrums Mittelstand der Universität Trier, Stand Juni 2024, werden acht Unternehmen aus dem Kreis als Hidden Champions geführt. 

Die acht Unternehmen decken sehr unterschiedliche Geschäftsfelder ab. BOMAG steht für Verdichtungs- und Straßenbautechnik, ERO für Maschinen im Weinbau und HAHN Automation für Automatisierung und Robotik. CAQ entwickelt Softwarelösungen für Qualitätsmanagement und industrielle Prozesse. DFH und Glatthaar Keller verbinden Bauwirtschaft mit industrieller Vorfertigung. Sebapharma ist mit Gesundheits- und Körperpflegeprodukten international präsent, PYREG entwickelt Anlagen zur Pyrolyse und zur Nutzung organischer Reststoffe. 

Gerade diese Mischung ist für die Wirtschaftsstruktur des Kreises bemerkenswert. International tätige Spezialisten finden sich hier nicht nur im klassischen Maschinenbau, sondern auch in Software, Bau, Gesundheitsprodukten und Umwelttechnik. Damit spiegeln die Unternehmen mehrere Felder wider, die sich durch Digitalisierung, Automatisierung und neue Anforderungen an Energie- und Ressourceneffizienz verändern. 

Auch für den regionalen Arbeitsmarkt haben die Unternehmen Gewicht. BOMAG, DFH und HAHN Automation werden im Mittelstandsatlas jeweils der Größenklasse mit mindestens 500 Beschäftigten zugeordnet. Hinzu kommen weitere mittelständische Unternehmen mit spezialisierten Arbeitsplätzen. Gefragt sind unter anderem Fachkräfte in Produktion und Konstruktion, in Softwareentwicklung, Vertrieb, Service und Verwaltung. Für junge Menschen entstehen dadurch Ausbildungs- und Berufsmöglichkeiten in Unternehmen, die von Standorten im Rhein-Hunsrück-Kreis aus auf internationalen Märkten arbeiten. 

Zur wirtschaftlichen Stärke gehört auch eine ausgeprägte Innovationslandschaft. Der Mittelstandsatlas nennt für den Rhein-Hunsrück-Kreis 369 Patentanmeldungen, darunter 49 aus dem Mittelstand. Grundlage dieser Zahlen ist die Patentdatenbank PATSTAT mit Datenstand 2021. Insgesamt werden 16 patentierende Unternehmen ausgewiesen, davon zwölf mittelständische. Die Hidden Champions stehen damit nicht isoliert, sondern sind Teil einer breiteren Struktur technologieorientierter Betriebe. 

Seit einer Untersuchung aus dem Jahr 2021 hat sich die Zahl der für den Kreis erfassten Hidden Champions von fünf auf acht erhöht. Der Begriff selbst ist dabei kein amtliches Gütesiegel und erlaubt keine Aussage darüber, wie sich Umsatz oder Beschäftigung eines Unternehmens aktuell entwickeln. Er beschreibt vielmehr eine besondere Marktstellung zum jeweiligen Untersuchungszeitpunkt. 

Für den Rhein-Hunsrück-Kreis zeigen die acht Unternehmen vor allem eines: Wirtschaftliche Spezialisierung und internationale Reichweite sind nicht auf große Industriezentren beschränkt. Von Boppard über Simmern und Rheinböllen bis Dörth arbeiten Betriebe an Technologien und Produkten, die weit über die Region hinaus gefragt sind – und zugleich qualifizierte Beschäftigung und technisches Know-how am Standort verankern. red