Wenn es um die häusliche Pflege geht, fällt ehrliche Kommunikation in der Familie oft schwer. Denn das Spannungsfeld zwischen den Bedürfnissen und Wünschen der pflegebedürftigen Menschen und den Möglichkeiten und Grenzen ihrer Angehörigen ist groß und birgt viel Konfliktpotenzial.
„Unserer Erfahrung nach steht in einer Pflegesituation häufig allein das Wohlbefinden der pflegebedürftigen Person im Zentrum, während die Angehörigen ihre Bedürfnisse nicht deutlich machen und zurückstellen“, sagt Pflegeberaterin Jana Wessel. Um die Pflege langfristig sicherzustellen, müsse man aber dafür sorgen, dass es allen Beteiligten gut geht. „Deshalb ist es wichtig, rechtzeitig ins Gespräch zu kommen. Wenn das nicht funktioniert, sollte man sich Hilfe von außen dazu holen – etwa aus dem Bekanntenkreis oder durch eine Pflegeberatung.“
Beratung für alle Beteiligten
Eine Pflegeberatung ist nämlich nicht nur für die Pflegebedürftigen da, sondern für alle, die in die Pflegesituation eingebunden sind. „Sie dient der Prävention und ist sehr wichtig, weil sonst die pflegende Person schnell die nächste pflegebedürftige Person sein kann“, bringt Wessel es auf den Punkt. Für gesetzlich Versicherte stehen die Pflegestützpunkte zur Verfügung. Wer Schwierigkeiten mit der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege hat, Entlastungsmöglichkeiten im Alltag sucht, eine Auszeit überbrücken muss oder einfach nicht mehr kann, bekommt an diesen Anlaufstellen fachkundige Unterstützung.
Vermittlung und Entlastung
Als neutrale Dritte können die Pflegeberaterinnen und -berater eine gute Kommunikation unterstützen und das Verständnis füreinander verbessern. Außerdem kennen sie alle Möglichkeiten der Entlastung, die pflegende Angehörige in Anspruch nehmen können. Dazu zählen beispielsweise Angebote zur Unterstützung im Alltag wie eine Haushaltshilfe für den Pflegebedürftigen, die Begleitung bei Arztbesuchen oder Betreuungsgruppen. Für die zeitweise Vertretung der Pflegeperson können die Verhinderungs- und Kurzzeitpflege genutzt werden. Auch Tages- und Nachtpflege sowie der Einsatz eines Pflegedienstes etwa für das Duschen bieten oft wertvolle Unterstützung. So lässt sich die Pflegesituation für alle Beteiligten deutlich verbessern. djd
