Als Condrad Sekgwathe und Nicholas Maphane im Frühjahr 2023 nach Rheinböllen kamen, war vieles neu. Das Unternehmen, die Arbeitsabläufe – und sogar das Wetter. Es hatte gerade geschneit, Schnee kannten die beiden bis dahin nur aus dem Fernsehen. Drei Wochen sollte ihr Praktikum bei der HAHN Automation Group dauern. Heute arbeiten beide fest als Mechatroniker in der Montage. Aus einem kurzen Austausch ist eine Geschichte über Ausbildung, Fachkräftesicherung und das Ankommen in einer neuen Heimat geworden.
Der Weg begann in Botswana. Dort absolvierten Condrad und Nicholas eine Ausbildung zum Mechatroniker nach deutschem Vorbild. Sie gehörten zu den ersten Absolventen eines Programms, das im Rahmen der VDMA-Initiative „Skilled Workers for Africa“ gemeinsam mit der botswanischen Regierung aufgebaut wurde. Während ihres Praktikums in Rheinböllen überzeugten die beiden fachlich – und erhielten nach ihrer Rückkehr ein Jobangebot.
Mehr als ein Jahr bis zum Arbeitsbeginn

Doch zwischen Zusage und Arbeitsbeginn lag mehr als ein Jahr. Besonders aufwendig war die Anerkennung ihrer Ausbildung durch die IHK FOSA. Immer wieder mussten Unterlagen nachgereicht werden, teilweise Dokumente, die es in Botswana in dieser Form gar nicht gab. Condrad konnte schließlich im November 2024 nach Deutschland kommen, Nicholas folgte im Januar 2025. HAHN hielt während dieser Zeit Kontakt und unterstützte beim Start – vom Sprachkurs über die Wohnungssuche bis zum Bankkonto.
Heute wohnen beide in Rheinböllen, nur wenige Minuten von ihrem Arbeitsplatz entfernt. Der Arbeitsalltag sei schneller und stärker strukturiert als in Botswana, erzählt Nicholas. Die größte Herausforderung ist bis heute die Sprache. Vieles verstehen die beiden inzwischen gut, beim Antworten fehlt manchmal noch die Sicherheit. Kollegen helfen, erklären und geben ihnen Zeit. Aus Zusammenarbeit ist dabei mehr geworden. „Arbeitskollegen am Tag, Freunde am Abend“, beschreiben Condrad und Nicholas ihr Verhältnis zum Team.
Besuch aus Berlin
Wie nachhaltig aus einem Ausbildungsprojekt persönliche Perspektiven entstehen können, zeigte sich im Juli 2026. Elke Büdenbender, Juristin und Ehefrau von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, besuchte den Standort Rheinböllen. Als Schirmherrin der von 2014 bis 2024 durchgeführten VDMA-Initiative informierte sie sich über deren Ergebnisse und sprach mit den beiden Mechatronikern. Für Condrad und Nicholas schloss sich damit ein Kreis: Aus Teilnehmern eines Ausbildungsprogramms waren längst Kollegen geworden.
Für die HAHN Automation Group ist ihre Geschichte zugleich ein Beispiel dafür, wie internationale Bildungskooperationen bei der Fachkräftesicherung helfen können. Gerade außerhalb großer Ballungsräume ist die Suche nach qualifizierten Mitarbeitenden oft schwierig. Entscheidend sei nicht die Herkunft, betont Pascal Tailliar, Head of People & Culture, sondern die fachliche Qualität. Condrad und Nicholas hätten überzeugt, weil sie gut ausgebildet und motiviert seien.
Eine Chance, die Ausdauer verlangt
Ganz ohne Hürden funktioniert dieser Weg nicht. Die langwierige Anerkennung und die vielen bürokratischen Schritte zeigen, wie viel Ausdauer Unternehmen und Bewerber brauchen. Wer internationale Fachkräfte gewinnen will, muss mehr tun, als einen Arbeitsvertrag anzubieten. Gerade in den ersten Monaten sind Unterstützung und verlässliche Ansprechpartner entscheidend.
Für Condrad und Nicholas hat sich dieser Weg gelohnt. Sie haben im Hunsrück Arbeit gefunden, Freunde gewonnen und eine Perspektive aufgebaut. Beide können sich vorstellen, langfristig zu bleiben – vielleicht eines Tages mit ihren Familien.
Ihre Geschichte zeigt damit auch eine andere Seite von Heimat. Sie muss nicht immer dort liegen, wo jemand geboren wurde. Manchmal entsteht sie erst mit der Zeit – an einem Ort, an dem aus einer beruflichen Chance ein neues Zuhause werden kann. red
