Vom Kinderherd zum Zwei-Sterne-Koch: Yannick Noack im Fährhaus Koblenz

Wie die Großmutter und ein prägendes Erlebnis bei Dieter Müller seine Leidenschaft fürs Kochen weckten und den Weg in die Spitzengastronomie ebneten

01. Januar 1970
Vom Kinderherd zum Zwei-Sterne-Koch: Yannick Noack im Fährhaus Koblenz

Yannick Noack in seinem Element: Im „GOTTHARDT'S“ im FÄHRHAUS Koblenz führt der Zwei-Sterne-Koch heute seine eigene Küche. Foto: Sascha Perrone

Für Yannick Noack begann die Karriere nicht mit einem Ausbildungsplatz und auch nicht in einer Restaurantküche. Sie nahm ihren Anfang bei seiner Großmutter – am heimischen Herd, mit frisch gekochten Mahlzeiten und einer Familie, in der Genuss schon früh eine wichtige Rolle spielte. „Ich hatte das große Glück, sehr früh zu wissen, was ich in meinem Leben tun möchte“, erzählt Noack. Dieses frühe Wissen führt er vor allem auf seine Familie zurück. Zwar kam sie nicht aus der Gastronomie, doch Essen und Genuss gehörten zum Alltag: „Ich bin in einer sehr ess-affinen Familie groß geworden.“ 

Die Großmutter als erste Lehrmeisterin

Einen besonders großen Einfluss hatte seine Großmutter. Schon als Kind verbrachte Noack viel Zeit bei ihr und erlebte dabei ihre große Leidenschaft fürs Kochen. Auch das gemeinsame Essen hatte in der Familie einen festen Platz. „Meine Oma ist eine großartige Köchin“, sagt er. Jeden Mittag kam frisches Essen auf den Tisch – und Noack durfte nicht nur zuschauen. „Dadurch, dass ich jeden Vormittag bei meiner Großmutter war, später nach dem Kindergarten und der Schule, waren wir eh immer sehr viel am Kochen“, erinnert er sich. Mit der Zeit wurde aus dem Beobachter ein kleiner Helfer: Er durfte mitarbeiten, vorbereiten und immer mehr Verantwortung übernehmen. Mit sechs Jahren wünschte sich Noack einen eigenen Herd – keinen Spielzeugherd, sondern einen richtigen kleinen Herd mit zwei Kochplatten und Backofen. Die Familie erfüllte ihm diesen ungewöhnlichen Weihnachtswunsch. „Und so hat sich der ganze Wahnsinn, sage ich mal, entwickelt.“

Das erste große Geschmackserlebnis

Schon als Kind war die Kochjacke mehr als Verkleidung: Die Begeisterung fürs Kochen begleitete Yannick Noack von klein auf. Foto: Yannick Noack
Schon als Kind war die Kochjacke mehr als Verkleidung: Die Begeisterung fürs Kochen begleitete Yannick Noack von klein auf. Foto: Yannick Noack

Auch außerhalb der eigenen Küche lernte Noack früh die Welt der gehobenen Gastronomie kennen. Mit fünf Jahren besuchte er gemeinsam mit seiner Familie das Restaurant von Dieter Müller im Schlosshotel Lebach, das damals mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnet war.

Für den Jungen wurde dieser Restaurantbesuch zu einem prägenden Erlebnis. „Das war für mich so ein Aha-Erlebnis“, sagt Noack. Ihn beeindruckte nicht nur das Essen, sondern die gesamte Atmosphäre: die vielen Mitarbeitenden, die großen Tischdecken und der festliche, beinahe zeremonielle Charakter eines damaligen Spitzenrestaurants.

„Ich war total angetan von diesem ganzen Brimborium“, beschreibt er rückblickend. Auch wenn die Gastronomie heute legerer und entspannter auftrete, habe ihn die besondere Inszenierung nachhaltig fasziniert. Der Restaurantbesuch zeigte ihm, dass Kochen weit mehr sein kann als die Zubereitung einer Mahlzeit: Es kann ein Erlebnis schaffen, Menschen zusammenbringen und Erinnerungen prägen. 

Ein Gourmetkochkurs mit sieben

Ein Jahr später erzählte Noacks Großmutter ihm, dass Dieter Müller auch Kochkurse veranstaltete. Für Noack stand sofort fest: An einem solchen Kurs wollte er teilnehmen. Das Problem: Es handelte sich um Kurse für Erwachsene. 

Doch seine Familie unterstützte ihn – und schenkte ihm zu Weihnachten einen Gutschein. Mit sieben Jahren durfte Noack seine Großmutter zum Kochkurs von Dieter Müller begleiten. Statt den Jungen wegen seines Alters beiseitezustellen, band Müller ihn aktiv ein. Noack durfte Kartoffeln und Erdbeeren zubereiten. „Er hat mich wirklich wunderbar mit eingebunden“, sagt Noack. Vor allem die menschliche Haltung des Spitzenkochs blieb ihm im Gedächtnis. 

Dieser Kurs wurde zum Wendepunkt: „Das war so der Stein, der das Ganze ins Rollen gebracht hat. Der Funke zum Zünden.“ Von diesem Moment an wusste Noack, welchen Weg er einschlagen wollte. 2023 wurde Yannick Noack mit 29 Jahren zum jüngsten Küchenchef Deutschlands eines Zwei-Sterne-Restaurants. Heute verteidigt er seine zwei Michelin-Sterne bereits im zweiten Jahr in Folge im „GOTTHARDT’S by Yannick Noack“ im FÄHRHAUS Koblenz und bereitet seinen Gästen einen ebenso wundervollen Abend, wie er ihn als Fünfjähriger bei Dieter Müller erleben durfte. Petra Dettmer