Wer beim Koblenzer Ruderclub Rhenania auf die vergangenen Jahrzehnte blickt, stößt immer wieder auf einen Namen: Lutz Itschert. Seit 2003 steht er als Präsident an der Spitze des Vereins, im Vorstand arbeitet er bereits seit 1987 mit. Sein Ehrenamt beschränkt sich dabei längst nicht auf Koblenz. Auch im Ruderverband Rheinland übernimmt Itschert seit vielen Jahren Verantwortung.
Der Weg in den Verein begann nach seiner Rückkehr nach Koblenz Anfang der 1980er-Jahre. 1987 wurde Itschert Beisitzer im Vorstand der Rhenania, 2000 übernahm er das Amt des Schatzmeisters. Drei Jahre später wurde er zum Präsidenten gewählt. Eine Aufgabe, die er bis heute ausübt.
Damit gehört Itschert seit fast vier Jahrzehnten zu denjenigen, die den Vereinsbetrieb hinter den Kulissen organisieren. Gerade dort zeigt sich, wie viel Zeit ein solches Ehrenamt tatsächlich beansprucht. Vorstandssitzungen, Gespräche mit Trainern und Aktiven, finanzielle Fragen, Veranstaltungen, Kontakte zu Verbänden und Sponsoren sowie die Vertretung des Vereins nach außen gehören zum Alltag.
Viel Arbeit abseits des Wassers

Ein Ruderverein besteht nicht nur aus Booten, Training und Regatten. Damit Sportlerinnen und Sportler ihrem Hobby oder dem Leistungssport nachgehen können, müssen zahlreiche organisatorische Aufgaben erledigt werden. Material muss angeschafft und gepflegt, Nachwuchsarbeit organisiert und Veranstaltungen vorbereitet werden. Hinzu kommen Fragen rund um Finanzen, Fördermöglichkeiten und die langfristige Entwicklung des Vereins.
Als Präsident laufen viele dieser Themen bei Itschert zusammen. Dabei ist die Rhenania breit aufgestellt. Neben dem Leistungssport spielen Breitensport, Mastersrudern, Nachwuchsarbeit und Gesundheitsangebote eine Rolle.
Das Ehrenamt endet für Itschert jedoch nicht am Koblenzer Bootshaus. Seit 2011 ist er Vorsitzender des Ruderverbandes Rheinland. Dort geht es um die Interessen mehrerer Vereine, um sportliche Rahmenbedingungen und um die Entwicklung des Rudersports über Koblenz hinaus. Auf Landesebene ist er ebenfalls seit Jahren in Verbandsstrukturen eingebunden.
Der Aufwand dafür lässt sich kaum an einzelnen Terminen festmachen. Vieles entsteht neben Beruf und Privatleben, häufig am Abend oder am Wochenende. Dazu kommen Regatten, Versammlungen, Saisoneröffnungen, Ehrungen und Gespräche mit Vereinen und Verbänden.
Warum man das über Jahrzehnte macht
Fragt man Lutz Itschert nach seiner Motivation für das aufwändige Ehrenamt, hat er nachvollziehbare Erklärungen dafür: „Zum einen ist mein Ziel, Jugendlichen das Rudern anzubieten. Dies gilt sowohl für den Breitensport wie auch für den Leistungssport mit dem Ziel an Wettkämpfen und Regatten teilzunehmen und erfolgreich zu sein. In einem Sportverein aktiv zu sein, identifizieren Heranwachsende mit einer Art Heimat. Als Mannschaftssport hat Rudern dabei eine erziehende und charakterbildende Wirkung.
Zum anderen motiviert mich die Erfahrungen unserer älteren Mitglieder, die in ihrer Jugend erfolgreich waren und bestätigen, dass diese Erfahrungen einen positiven Einfluss auf ihr Leben hatten. Beides zusammen ist eine Art Generationenvertrag, zu dem ich gerne meinen Beitrag leisten möchte.“
Bei einem Engagement, das sich über fast 40 Jahre erstreckt, reicht kurzfristige Begeisterung allein nicht aus. Itschert weist bei Versammlungen und Festen im Verein regelmäßig darauf hin, dass ein Sportverein nur funktionieren kann, wenn Trainer, Übungsleiter, Eltern, Helfer und Unterstützer gemeinsam Verantwortung übernehmen.
Dabei geht es nicht allein um Medaillen oder sportliche Erfolge. Vereine bieten Trainingsmöglichkeiten, bringen Generationen zusammen und schaffen für Kinder und Jugendliche eine sportliche Heimat. Diese Strukturen aufrechtzuerhalten, ist ein wesentlicher Teil der ehrenamtlichen Arbeit. 2018 erhielt Itschert für sein Engagement den Sport-Obelisken des Landes Rheinland-Pfalz. An seiner Arbeit änderte die Auszeichnung wenig. Auch Jahre später ist er weiter als Präsident und Verbandsfunktionär tätig.
Für die Rhenania rückt inzwischen ein besonderes Datum näher. 2027 wird der Koblenzer Ruderclub 150 Jahre alt. Ein Jubiläum, dessen Vorbereitung ebenfalls Organisation und Zeit erfordert.
Lutz Itscherts Weg zeigt damit vor allem, wie Ehrenamt in der Praxis aussieht: viele Termine, Verantwortung, Abstimmung und Arbeit, die Außenstehende oft kaum wahrnehmen. Auf dem Wasser sind am Ende die Ruderinnen und Ruderer zu sehen. Damit sie dort unterwegs sein können, muss an Land allerdings einiges funktionieren. Arno Boes
