Saft und Honig – aus der Region in bester Qualität

Nachhaltige Produktion vor Ort - damit hat sich das Ehepaar Puderbach schon beschäftigt, als es noch kein Dauertrend war

01. Januar 1970
Saft und Honig – aus der Region in bester Qualität

Christoph und Silvia Puderbach zwischen ihren Bienenstöcken bei Anhausen. Aus der übernommenen Imkerei entwickelte sich die „Kleine Honigfabrik“, später kam die Mosterei hinzu. Foto: Rainer Cloaẞen

Silvia Puderbach ist Betriebswirtin, ihr Mann Christoph Ingenieur – und beide sind (noch) in ihren Berufen tätig. Doch ganz offensichtlich fehlt beiden bei der Bürotätigkeit etwas. Sie haben viel Zeit und Energie in zwei Projekte gesteckt: Zunächst in die „Kleine Honigfabrik“, die dann um die „Kleine Saftfabrik“ erweitert wurde. An verschiedenen Orten in der Region bieten sie die hier erzeugten Produkte an – mit Erfolg, denn lokal produzierte Lebensmittel in ausgezeichneter Bioland-Qualität sind gefragt. 

Silvia Puderbach kommt aus einer Familie, in der Landwirtschaft zwar eine große Rolle spielte. Als für sie Mitte der Achtzigerjahre eine Entscheidung bezüglich des Berufs anstand, kam eine Ausbildung in diesem Bereich aber nicht in Frage. „Ich selbst hätte vielleicht Interesse gehabt, aber meine Eltern haben mir eindringlich abgeraten“, erinnert sie sich. Die Liebe zur Natur hat sie jedoch nie verloren. Schon immer hat sie sich nicht nur in der Umgebung von Anhausen am Rand des Westerwaldes gerne draußen aufgehalten. 

Der Einstieg in die Imkerei kam zufällig zustande. Ihr Vater hielt – auf Wunsch der Kinder – Bienen. Als er damit altersbedingt Schluss machen wollte, übernahm das Paar. „Wir wussten am Anfang gar nicht, was alles dazugehört“, erinnern sie sich. Ein weiterer Imker im Ort nutzte die Gelegenheit, und bot den beiden auch seine Völker an. Auch diese Herausforderung nahmen sie an – und hatten so plötzlich alle Hände voll zu tun. In den Nebengebäuden des ehemaligen Bauernhofes entstand ein Schleuderraum, Lagerflächen und Verarbeitungsräume – oft aus der Not heraus, aber zunehmend mit Blick auf effiziente Arbeitsabläufe. Die Nachfrage nach Honig, Kerzen und anderen Bienen-Produkten war groß. 

Ein zusätzlicher Impuls kam später aus einer anderen Richtung: Auf Grundstücken des Ehepaars gab es mehrere Streuobstwiesen. Als immer mehr Mostereien die Arbeit einstellten, entstand die Idee, selbst Apfelsaft herzustellen. Die ersten Versuche mit einer kleinen Presse waren mühsam und zeitintensiv. Aber das neue Angebot sprach sich schnell herum, so dass schnell erste Kunden die Hobby-Mosterei nutzten. 

Immer wieder war es der Ingenieursgeist von Christoph Puderbach, der dazu führte, Technik und Abläufe zu optimieren. Insbesondere 2016 wurde die Produktion professionalisiert – und das Hobby in eine Firma überführt. Die Produktionsmenge stieg so innerhalb weniger Jahre auf mehrere zehntausend Liter pro Saison. „Wir mussten unsere Ausstattung immer wieder anpassen, um weiterhin in bester Qualität produzieren zu können. Insbesondere die automatisierte Presse hat uns da nach vorne gebracht“, erklärt Christoph Puderbach. 

Inzwischen basiert das Geschäftsmodell auf drei Säulen: der Imkerei, der Lohnmosterei für Privatkunden und der Verarbeitung eigener Früchte von gepachteten und familiären Flächen. In begrenztem Umfang werden zertifizierte Äpfel zugekauft. Großen Wert legen die beiden auf die Bioland-Zertifizierung. Die ist mit strengen Vorgaben und zusätzlichem Aufwand verbunden – sorgt aber auch für beste Qualität. 

„Wir haben mit Honigfabrik und Mosterei unzählige Stunden verbracht. Mit der Produktion, der Optimierung der Abläufe, dem Lernen von der Natur und natürlich auch dem Verkauf auf verschiedenen Märkten in der Region, im Verkaufsautomaten im Ort sowie dem Online-Shop. Das ist zwar anstrengend – aber auch sehr befriedigend“, sagen die beiden. 

Ihr Fazit fällt positiv aus: Der Betrieb läuft stabil, die Nachfrage ist vorhanden, und die Kombination aus Imkerei und Mosterei ergänzt sich gut. Weitere Expansion ist derzeit nicht geplant. Stattdessen setzen die Betreiber auf ein Maß, das sich mit ihrem Alltag vereinbaren lässt – und auf die Qualität regionaler Produkte, die immer mehr Menschen zu schätzen wissen. Rainer Claaßen