Holz verbindet Generationen

Olaf Wolf hat einst bei Leonie Bothes Großvater gelernt - heute gibt er sein Wissen an dessen Enkelin weiter

01. Januar 1970
Holz verbindet Generationen

Keine Angst vor teuren Maschinen: Olaf Wolf bildet Leonie an einem CNC-gesteuerten Bearbeitungszentrum zum Fräsen, Bohren und Nuten der Werkstücke aus. Am Display wird programmiert, was die Maschine dann abarbeitet. Foto: Hwk Koblenz

Schreinerazubine Leonie Bothe (19) hätte es nicht besser treffen können. Ihr Lehrbetrieb besteht aus zwei Mitarbeitern – ihrem Chef Olaf Wolf und noch einem weiteren Tischlermeister. Wenn Leonie Fragen hat, sind die Antworten wohl durchdacht und zeugen von langer Erfahrung. Und zudem darf sie jetzt schon, Anfang des zweiten Lehrjahrs, an Maschinen, von denen andere Azubis träumen, sie bedienen zu dürfen. 

Sie ist vom ersten Schritt eines Projekts an involviert. Im Tischlerbetrieb von Meister Olaf Wolf entsteht kein Möbelstück nach Schema F. Jedes Projekt beginnt mit einer Idee, einer Planung und einer Holzliste – und nimmt dann Schritt für Schritt Gestalt an. Gemeinsam wird überlegt, was passt und wie sich eine Idee am besten umsetzen lässt. 

Leonie ist dabei von Anfang an mittendrin: beim Zuschnitt, an den Maschinen, beim Aufbau und bei der Suche nach guten Lösungen. „Ich darf hier wirklich richtig mit anpacken und mithelfen“, erzählt sie. 

In ihrer Berufsschulklasse, die gerade einmal aus sieben Auszubildenden besteht, lernen die meisten in größeren Betrieben. Dort durchläuft man während der Ausbildung häufig einzelne Abteilungen. Ein fertiges Möbelstück bekommt man dabei nicht unbedingt zu sehen. In Wolfs Werkstatt ist das anders. Leonie darf von Beginn an möglichst viele Arbeitsgänge kennenlernen. Sie und ihr Kollege unterstützen sich dann gegenseitig an den Maschinen.

Dass sie gerade hier ihre Ausbildung macht, ist kein Zufall. Empfohlen wurde ihr der Betrieb auch deshalb, weil Wolf einst bei ihrem Großvater, ihrem „Stief-Opa“, gelernt hat. Nach einer Berufsberatung bei der Handwerkskammer bekam sie mehrere Adressen – doch sie legte sich schnell auf Wolfs Firma fest. „Und dann wurde ich, Gott sei Dank, angenommen“, sagt sie glücklich. 

Der Betrieb ist bewusst klein geblieben. Wolf wollte nie möglichst viele Mitarbeiter beschäftigen. „Ich habe den Beruf gelernt, weil mir der Beruf Spaß macht.“ Wichtig sind ihm die direkte Arbeit mit den Kunden, die eigene Gestaltung und das sichtbare Ergebnis. Vom Schuhschrank über Küchen und Kleiderschränke bis zu Betten und Tischen entsteht alles individuell. Besonders gefragt sind maßgefertigte Stauraumlösungen. 

Der Maschinenpark ist für die Betriebsgröße beachtlich, sogar eine CNC-Maschine gehört dazu. Wolfs Schwerpunkt liegt im Möbelbau. Gelegentlich führen Aufträge ihn weit über den Westerwald hinaus – bis nach Berlin oder an den Lago Maggiore. Der Kern aber bleibt die Werkstatt und der persönliche Kontakt. „Bei uns ist es viel Vertrauenssache“, sagt Wolf. Kunden kaufen kein Möbelstück von der Stange, sondern eine Idee, die erst noch Wirklichkeit werden muss. 

Was beide an ihrem Beruf lieben, ist der Werkstoff selbst. „Jedes Holz sieht anders aus und man kann so viel Verschiedenes daraus machen“, sagt Leonie. Holz habe Charakter. Wolf fasziniert außerdem der Weg zum Ziel: „Stück für Stück sieht man, was daraus wird.“ Seine Möbel sollen Jahrzehnte überdauern. 

Leonie schätzt an ihrem Ausbildungsplatz, dass sich Zeit für sie genommen wird. „Selbst wenn man es mal nicht verstanden hat, kann man noch mal nachfragen, ohne dass jetzt irgendjemand sauer ist.“ Fehler gehörten dazu. Wolf wiederum schätzt Leonies Aufnahmefähigkeit, Freundlichkeit und Bereitschaft, zuzuhören. „Qualitäten, die man heute nicht mehr so häufig findet“, lobt Wolf. Petra Dettmer