"Für mich ist alles außer Waldesch Ausland“: Jürgen Portz und Rundoor

Aus einer Garage entstand ein bundesweit tätiges Unternehmen mit rund 200 Beschäftigten – doch der Gründer hält konsequent an seiner Heimat als Firmenstandort fest.

24. September 2026
"Für mich ist alles außer Waldesch Ausland“: Jürgen Portz und Rundoor

Ein Muss: auf jedem Servicefahrzeug muss ihr Heimatdorf Waldesch zu lesen sein. Auch Fahrzeuge der Servicemitarbeiter in ganz Deutschland fahren mit dem markanten MYK. Foto: Petra Dettmer

Als Jürgen Portz (58) im Jahr 2006 den Schritt in die Selbstständigkeit wagte, war an ein bundesweit tätiges Unternehmen gar nicht zu denken. Rundoor begann klein: im Eigenheim mit einem Mitarbeiter und einer Garage als improvisiertem Lager. Heute beschäftigt das Unternehmen rund 200 Menschen und ist mit seinen Servicefahrzeugen in ganz Deutschland unterwegs. Sein Zentrum aber ist Waldesch mit seinen 2400 Einwohnern geblieben. 

„Ich bin Urwaldescher“, sagt Portz. Für ihn ist Heimat nicht bloß ein Ort auf der Landkarte, sondern ein Teil der eigenen Identität. „Für mich ist alles außer Waldesch Ausland.“ Diese Haltung prägt nicht nur sein Privatleben, sondern auch die Entwicklung und Ausrichtung seines Unternehmens.

Der Start mit einer Garage

Der Anfang seiner Selbstständigkeit war abenteuerlich. Störungen mussten in ganz Deutschland behoben werden, von Berlin bis München und Stuttgart. Portz und sein Mitarbeiter waren mit einem Skoda Octavia unterwegs, den sie „Emma“ nannten. Einer fuhr, der andere schlief auf der Rückbank. Werkzeug und Ersatzteile lagen im Auto. Unterdessen nahm Ehefrau Annette zu Hause Telefonate mit neuen Aufträgen entgegen.

Auch die Garage wurde zum Firmenstandort. „Zwischen Kartoffeln und Möhren lagen die Ersatzteile“, erinnert sich Portz. Aus dieser improvisierten Situation entwickelte sich ein Unternehmen, das heute automatische Türen, Rolltore, Sektionaltore, Schnelllauftore und Brandschutztüren bundesweit einbaut und betreut. 

Waldesch auf jedem Fahrzeug

Es folgten immer mehr Aufträge. Servicepunkte in ganz Deutschland mit Technikern vor Ort wurden aufgebaut, während Waldesch der Mittelpunkt bleibt. Rund 35 Techniker sind weiterhin am Heimatstandort tätig. 

Besonders wichtig ist Portz, dass die Verbindung zur Region sichtbar bleibt. Die Firmenfahrzeuge tragen das Kennzeichen MYK und den Hinweis auf Waldesch. Selbst in Berlin, München, Dresden, Amsterdam oder auf Helgoland soll erkennbar sein, wo das Unternehmen zu Hause ist. 

Wachstum mit Grenzen

Rundoor hätte längst noch größer werden können. Anfragen aus Österreich, Holland oder vom Berliner Flughafen wurden jedoch teilweise abgelehnt. „Ich hätte Aufträge für 500 oder 600 Menschen, aber ich will die Heimat als Standort nicht aufgeben. Erwäre für mehr Aufträge zu klein.“

Dieses Nein fällt nicht immer leicht. Rundoor soll zwar weiter wachsen, aber ohne seine Wurzeln zu verlieren. Selbst der wiederholte Ausbau des Firmengeländes verändert daran nichts. Inzwischen wird bereits zum sechsten Mal angebaut, weil Lager- und Büroflächen immer wieder zu klein werden. 

Heimat als Verantwortung

Heimatverbundenheit zeigt sich für Portz nicht nur auf Fahrzeugen und in Gesprächen. Er unterstützt den Sportverein, das DRK, die Feuerwehr, den Männergesangverein, Musikverein und Veranstaltungen im Ort. Zum 20-jährigen Firmenjubiläum haben er und seine Frau für das Dorf eine große Feier mit Band, Bimmelbahn und Höhenfeuerwerk ausgerichtet.

Bodenständig trotz großer Namen

Rundoor arbeitet heute mit zahlreichen bekannten Unternehmen und betreut Türen an großen Standorten, in Stadien und sogar auf Schiffen. Für Portz bleiben solche Aufträge besondere Erfolge, doch sie verändern seinen Blick auf die eigene Herkunft nicht. „Wir sind schon wirklich sehr, sehr groß geworden“, sagt er. Wenn er morgens auf das Firmengelände fährt und die vielen Fahrzeuge sieht, „dann denke ich immer, das ist nicht uns.“ Petra Dettmer