Schängelmarkt in Koblenz: Vom Handelsimpuls zum traditionsreichen Stadtfest

Burgunderfest, Kunsthandwerk und Koblenzer Mundart prägen eine Veranstaltung, die aus den Herbstwochen von 1976 hervorgegangen ist.

17. September 2026
Schängelmarkt in Koblenz: Vom Handelsimpuls zum traditionsreichen Stadtfest

Zwischen den Ständen in der Schloßstraße herrscht dichtes Gedränge. Der Kunsthandwerkermarkt bietet einen zusätzlichen Anlass zum Stöbern und findet in diesem Jahr zum 30. Mal statt. Foto: Koblenz-Stadtmarketing GmbH

Der Schängelmarkt verdankt seine Entstehung einem handfesten Anliegen: Die Koblenzer Innenstadt sollte belebt, der Handel gestärkt werden. Dafür riefen Oberbürgermeister Willi Hörter und Pressereferent Karl Oster 1976 die „Koblenzer Herbstwochen“ ins Leben. Aus ihnen ging später der Schängelmarkt hervor. Mit den Jahren entwickelten sich innerhalb des Stadtfestes eigene Traditionen. Dazu trugen auch Geschäftsleute bei, deren Engagement über die Ladentür hinausreichte. 

Freunde aus Burgund zu Gast

An der Oberen Löhr begann die Verbindung nach Frankreich mit persönlichen Bekanntschaften. Seit 1985 laden die dortigen Geschäftsleute Freunde aus Burgund nach Koblenz ein. Diese Kontakte führten zur Idee des Burgunderfestes. Was die Beteiligten privat verband, wurde damit auch Teil des öffentlichen Stadtlebens. Die Geschäftsleute empfingen ihre französischen Gäste, und die Besucher des Schängelmarkts konnten mitfeiern. 

Beim Familienprogramm im Schlossrondell finden die Kinder ihre Plätze ganz vorn. Foto: Gabriel Volkovic/Koblenz-Stadtmarketing GmbH
Beim Familienprogramm im Schlossrondell finden die Kinder ihre Plätze ganz vorn. Foto: Gabriel Volkovic/Koblenz-Stadtmarketing GmbH

So erhielt die Obere Löhr ihren französischen Akzent. In der Schloßstraße fand unterdessen das Kunsthandwerk einen festen Platz. Dort hatte der Kunsthandwerkermarkt bereits 2004 einen beachtlichen Umfang erreicht: Zu seiner achten Ausgabe kamen mehr als 100 Kunsthandwerker. Neben den ansässigen Geschäften bot sich den Besuchern damit ein umfangreiches zusätzliches Angebot. Für diesen Teil des Schängelmarkts allein konnte man sich schon etwas Zeit nehmen. 

Beide Märkte gehören zur Geschichte eines Festes, das von unterschiedlichen Gastgebern gestaltet wurde. Die persönlichen Beziehungen nach Burgund fanden darin ebenso Raum wie die Arbeiten der Kunsthandwerker. Aus dem ursprünglichen Impuls für den Handel waren eigene Anziehungspunkte in den Straßen der Innenstadt gewachsen. 

Internationale Gäste und Koblenzer Mundart

Die Gäste aus Burgund waren nicht die einzigen, die internationale Spezialitäten zum Schängelmarkt mitbrachten. 2013 gabes im Altengraben ein Straßenfest mit Essen und Getränken aus zwölf Herkunftsländern. Neben dem Burgunderfest hatte damit auch ein breiterer kulinarischer Austausch Platz im Programm. Bei aller Offenheit für Gäste blieb auch die eigene Stadt ein Thema. So konnten die Koblenzer 2004 ihren schönsten Mundartbegriff wählen. Zur Eröffnung des Schängelmarkts wurde „Wutzebubbesje“ gekürt – auf Hochdeutsch „der kleine Dreckspatz“. Das Wort setzte sich unter anderem gegen „Schatzebubbesje“, also Liebling oder Schatz, durch. 

Aus dem Wunsch, den Handel zu stärken, war längst ein Fest geworden, das die Koblenzer selbst mitgestalteten. Das ist es bis heute geblieben. red