Wer im Westerwald unterwegs ist, rechnet mit Wäldern, Höhenzügen und weiten Blicken. Umso überraschender ist ein Ort, an dem das eigentliche Abenteuer erst beginnt, wenn es bergab geht. In Steinebach an der Sieg wartet mit der Grube Bindweide ein Besucherbergwerk, das tief hineinführt in die Geschichte des Eisenerzbergbaus – und in eine Welt, in der plötzlich alles kühler, dunkler und stiller wird. Die Einfahrt erfolgt mit einer originalen Grubenbahn, die Besucher fast 800 Meter in den Stollen bringt. Dort unten wird spürbar, wie hart die Arbeit der Bergleute einst gewesen sein muss.
Mit der Grubenbahn in den Berg
Schon die Fahrt unter Tage hat ihren eigenen Reiz. Statt bloß Vitrinen und Schautafeln zu betrachten, erlebt man hier den Bergbau unmittelbar: im engen Stollen, an den historischen Abbaubereichen und in einer Umgebung, die viel eindrucksvoller wirkt als jede trockene Geschichtsstunde. Die Führung macht anschaulich, wie Mensch und Technik im Westerwälder Erzbergbau zusammenwirkten. So wird aus einem Museumsbesuch eine kleine Zeitreise in die Arbeitswelt vergangener Generationen.
Ein Ausflugsziel für Familien und Entdecker
Gerade für Familien liegt der Reiz der Grube Bindweide in dieser Mischung aus Abenteuer und Wissen. Die Grubenbahn, die besondere Atmosphäre unter Tage und die echten Spuren des Bergbaus machen den Besuch auch für Kinder spannend. Gleichzeitig ist das Ziel kein reiner Lernort, sondern ein Ausflugsziel mit Erlebnischarakter – eines, bei dem Geschichte nicht erklärt werden muss, weil sie sich vor Ort beinahe von selbst erzählt.
Barrierearm unter Tage
Bemerkenswert ist auch, dass die Anlage über Tage und die Einfahrt in den Berg barrierearm beziehungsweise barrierefrei zugänglich sind. Das ist bei historischen Bergwerken keineswegs selbstverständlich. Einschränkungen gibt es allerdings im zugehörigen Museum über Tage, das nicht vollständig barrierefrei ist. Wer den Besuch plant, sollte außerdem bedenken, dass im Bergwerk ganzjährig nur etwa 10 Grad Celsius herrschen – warme Kleidung und festes Schuhwerk gehören daher unbedingt dazu.
Besonderheit im Berg: der Heilstollen
Eine außergewöhnliche Besonderheit der Grube Bindweide liegt noch tiefer im Berg: der Heilstollen in einer ehemaligen Pulverkammer. Er ist die einzige zertifizierte Einrichtung dieser Art in Rheinland-Pfalz. Das konstante Klima mit rund 10 Grad Celsius und sehr hoher Luftfeuchtigkeit schafft dort besondere Bedingungen; die nahezu staub- und allergenfreie Luft wird von vielen Menschen mit Atemwegsbeschwerden als wohltuend empfunden. So verbindet die Grube Bindweide Industriekultur mit einem Aspekt, den man an einem Ausflugsziel dieser Art kaum erwarten würde.
Ein Stück Westerwald, das in Erinnerung bleibt
Wer nach dem Besuch wieder ans Tageslicht kommt, nimmt meist mehr mit als nur ein paar interessante Fakten. Die Grube Bindweide zeigt, dass der Westerwald nicht nur an der Oberfläche viel zu erzählen hat. Man fährt hinein in den Berg – und mitten hinein in ein Stück Regionalgeschichte, das überraschend lebendig geblieben ist. red
Info
Anfahrt: Besucherbergwerk Grube Bindweide, Bindweider Straße 2, 57520 Steinebach an der Sieg. Parkplätze sind direkt vor Ort vorhanden.
Öffnungszeiten: regulär von April bis Oktober; mittwochs, samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr, letzte Führung um 16.30 Uhr. Für Gruppen sind nach Anmeldung auch Sonderführungen möglich. Eine vorherige Anmeldung ist ratsam.
Hinweis: Das Museum über Tage ist nicht vollständig barrierefrei; im Bergwerk herrschen etwa 10 Grad Celsius.
Website: www.bindweide.de
