
Mit leuchtenden Augen kommen zwei Kinder gemeinsam mit ihrer Mutter den Weg hinunter zurück zum Hof. Noch immer halten sie die Leine ihrer Ziege in der Hand , die gemächlich neben ihnen her trottet. Aufgeregt erzählen sie durcheinander von ihrem Spaziergang, wie weich sich das Fell anfühlt und dass sie einen Namen für das Zicklein gefunden haben: Flöckchen. Die Begeisterung ist ihnen deutlich anzusehen – ein Erlebnis, das mehr war als nur ein Ausflug. Genau solche Momente entstehen auf dem Vulkanhof der Ziegenkäserei in Gillenfeld am Pulvermaar, inmitten des Natur- und Unesco Global Geoparks Vulkaneifel.
Der Vulkanhof besteht seit 1961. 1985 übernahm Inge Thommes-Burbach den Hof zunächst als reinen Kuh-Milchbetrieb von ihren Eltern, bevor sie sich 1995 für einen mutigen Schritt entschied: die Umstellung auf Ziegenhaltung samt eigener Käserei. Die Entscheidung war für die Eifel eher ungewöhnlich. Inges Vermarktungsstrategie: Adressen von Restaurants aus Gastronomieführern heraussuchen, Kühltasche mit Ziegenfrischkäse packen und den Köchen direkt anbieten. Sie hatte Erfolg. Gleich der erste Kunde war das Sternerestaurant Brogsitter. Schon bald stieg Tochter Manuela Holtmann mit ein. Sie entwickelte die Rezepte weiter und hatte neue Ideen. Mittlerweile ist der Hof weit über die Region hinaus bekannt. 2023 wurde der „Eifelmilde mit Weißschimmel“ sogar als weltbester Ziegenkäse mit Gold ausgezeichnet und 2025 bekam er Gold bei der Frankfurt International Trophy.
Besonders bekannt ist der Vulkanhof aber auch für seine Erlebnisangebote. Dazu gehören u. a. Käseworkshops, bei denen Gäste selbst Ziegenkäse herstellen und den Weg „von der Ziege zum Käse“ kennenlernen. In dem Workshop, so erzählt die Leiterin der Käseschule, Martina Regnier, wird der Ablauf vom Stall über den Melkstand bis zur Käserei erklärt. Anschließend stellen die Teilnehmenden in einem kleinen Käsekessel eigenen Käse her. Zuerst wird die frische Rohmilch leicht erwärmt. Dann werden Milchsäurebakterien dazugegeben. Sie sorgen dafür, dass die Milch sauer wird. Danach kommt Lab in die Milch. Dadurch dickt sie ein und es entsteht eine feste Masse, der Käsebruch, und flüssige Molke. Der Käsebruch wird anschließend in kleine Stücke geschnitten. „Das ist der spannendste Moment“, findet Martina Regnier. „Jetzt sieht man, wie immer mehr Molke austritt und der Käsebruch entsteht. Der wird in Formen gefüllt, später nochmal gedreht und dann kann der fertige Käse mit nach Hause genommen werden.“
Auch außerhalb der Käserei bietet der Hof zahlreiche Möglichkeiten, die Tiere und die Natur hautnah zu erleben. Besonders beliebt sind Spaziergänge mit Ziegen, bei denen Besucher die Tiere begleiten und ihre ruhige, oft überraschend zutrauliche Art kennenlernen. Diese Begegnungen schaffen eine besondere Verbindung zwischen Mensch und Tier und machen den Aufenthalt gerade für Familien zu etwas Einzigartigem. „Wir haben sehr viele Wiederholungstäter“, sagt Regnier lachend.


Darüber hinaus ist der Vulkanhof zertifizierter „Lernort Bauernhof“ und „Lernort Nachhaltigkeit“. Regnier, die sich auch in Bauernhofpädagogik weitergebildet hat, erklärt das Konzept: „Schulklassen und Kindergruppen erhalten hier Einblicke in die Herkunft von Lebensmitteln und die Bedeutung nachhaltiger Landwirtschaft.“ Themen wie Tierhaltung, Umweltbewusstsein und regionale Produktion werden anschaulich vermittelt und machen den Hof zu einem wichtigen Bildungsort außerhalb des Klassenzimmers.
Die Umgebung trägt ihren Teil zum Erlebnis bei. Die typische Landschaft der Eifel mit ihren weiten Wiesen, vulkanischen Formationen und ruhigen Wegen lädt zum Spazieren und Entdecken ein. Ergänzt wird dies durch naturpädagogische Angebote wie den Wildbienenlehrpfad direkt am Hof, der den Blick für ökologische Zusammenhänge schärft und den Besuch über das reine Genusserlebnis hinaus erweitert. Petra Dettmer
Wussten Sie schon
Wieso ist Ziegenkäse weiß?
Ziegenkäse ist immer weiß. Ziegen verarbeiten das Beta-Carotin im Futter vollständig in Vitamin A um. Kühe hingegen können nur einen Teil des Farbstoffs Beta-Carotin in Vitamin A umwandeln. Der Rest gelangt in die Milch. Dadurch bekommt die Milch einen leicht gelblichen Farbton.
Wie viel Milch braucht man für ein Kilo Käse?
Das kommt auf den Käse an. Schnittkäse benötigt 12 bis 13 Liter, Weichkäse 8 bis 9 Liter und Frischkäse 5 bis 6 Liter.
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